Die falsche Freundin

Flüchtlinge Merkel wird von vielen Flüchtlingen als Heiland wahrgenommen. Traurige Fehleinschätzung. Der wahre Retter ist kein Amtsträger, sondern der Citoyen
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Die falsche Freundin
Merkel besucht
Bild: Sean Gallup/Getty Images

„Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert“, erklärte Merkel im Jahr 2010 auf dem Deutschlandtag der Jungen Union. Damals waren das Annäherungsversuche an die CSU. Heute ist die Kanzlerin bei Flüchtlingen so beliebt, wie teurer Pinot Grigio in Peer Steinbrücks Weinkeller. Wieso ist das so? Der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Jahr 2013 veröffentlichte Report mit dem Namen „Warum Deutschland?Einflussfaktoren bei der Zielstaatssuche von Asylbewerbern“ enthält folgenden Satz: „Deutschland wird entsprechend (je nach Gruppe) gewählt, weil es ein demokratisches, ein wirtschaftlich starkes, ein christlich geprägtes oder ein Religionsfreiheit gewährendes Land ist oder weil es ein gutes Bildungssystem hat bzw. medizinische Versorgung ermöglicht.“ Die Gründe sind also mannigfach und unsere Regierungschefin nur ein Sinnbild für ein selbstbestimmtes Leben. Der Vertriebene begehrt die sichere Statt, wie der Christ die Epiphanie. Im Neuen Testament heißt es im Kapitel 13 der Hebräerbriefe: „Denn wir haben hier keine Stadt, die bestehen bleibt, sondern wir suchen die künftige.“ DasThema Flucht spielt eine wichtige Rolle in der Bibel. Im ersten Buch Mose flieht Abraham nach Ägypten und hält „sich dort als Fremder auf.“ Auch der Auszug aus Ägypten unter der Führung von Moses dürfte bekannt sein. Wer also mit der Angelegenheit Flucht noch fremdelt, sollte mal einen Blick in die heilige Schrift werfen, oder sich einfach mit den Einwanderern unterhalten. „Wenn man ins Wasser kommt, lernt man schwimmen“, wusste schon Goethe.

In manchen Ländern wird die Aufnahme von Flüchtlingen os­ten­ta­tiv abgelehnt. Doch Merkel ist nicht so schroff, wie viele ihrer Amtskollegen. Sie weiß um die Bedeutung wohlwollender Worte. Aber ihre wahre Haltung tritt zuweilen zu Tage, meist auf CDU Veranstaltungen - wie damals bei der JU in Potsdam - und meist, wenn man sie provoziert. So wie am vergangenen Freitag in Essen. Die Parteichefin der Christdemokraten spricht. Die Menge pfeift und buht. Dann stellt sie klar: „Aber ich sage auch: Dauerhaft bleiben bei uns können nur diejenigen, die wirklich vor Krieg, Not, Unterdrückung und Gewalt geflohen sind. Wer diese Gründe nicht nachweisen kann, dem müssen wir auch sagen, dass er unser Land wieder verlassen muss.“ Anscheinend ist es aus Sicht der ausgebildeten Physikerin vonnöten, dem asylkritischen Affen auch noch Zucker zu geben. In „Wallensteins Tod“ schreibt Friedrich Schiller: „Nicht hoffe, wer des Drachen Zähne sät, Erfreuliches zu ernten.“ Wer glaubt auch Politik für die Hetzer dieser Nation machen zu müssen, speist einen mächtigen Feind: Die Angst vor dem Fremden.

Wahr ist auch, dass es nicht die Amtsträger sind, die Hoffnung verbreiten, sondern der Citoyen. Als sich am Gemeinwesen orientierendes Wesen, steht er in München, Hamburg oder Berlin auf der Straße und verteilt das Nötigste. Und spendet menschliche Wärme. Empathie ist eine starke Waffe im Kampf gegen den Reaktionismus. Doch die Kanzlerin sieht kein Vorbild in unserer Zivilgesellschaft, sondern einen schwer erziehbaren Schüler. Oder Sohn. Immerhin ist sie die Mutti. Wo jedoch die Politiker zu Pädagogen werden, wird die Politbühne zum Klassenzimmer und die Demokratie zur Nebensache. Die mächtigste Frau der Welt sollte ihre Bürger lieber ernst und die Not der Flüchtlinge wahrnehmen.

00:27 10.09.2015
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