Duck and Cover

Uran-Transporte Während des diesjährigen Kirchentages wäre es in Hamburg fast zu einem Super-GAU gekommen. Ein Vorfall, der jedoch sehr schnell wieder aus der Öffentlichkeit verschwand.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Hamburg Anfang Mai und mit christlichem Motto: "Soviel du brauchst!" Blaue Schleifen, die Köpfe, Rucksäcke, Isomatten, Armgelenke und Dackel schmückten. Die evangelische Kirche hatte zusammen mit der Stadt Hamburg monatelang zum evangelischen Kirchentag gerufen und über 100.000 Gläubige folgten. Neben blauen Schleifen wartete die Stadt an diesem Wochenende mit einem Himmel im passenden "bleu" auf. Auch zum Eröffnungsgottesdienst am Strandkai in der Hafencity. Soweit zu gut.

Und 500 Meter Luftlinie entfernt brannte ein Schiff mit 20 Tonnen radioaktivem Material an Bord, davon neun Tonnen Uranhexafluorid, das für die Herstellung von Kernbrennstoff für Atomkraftwerke genutzt wird. Auch hatte die Atlantic Cartier jede Menge Munition geladen. Hunderte Einsatzkräfte waren 16 Stunden tätig, um einen Super GAU, die Explosion des Schiffes, abzuwenden. Am 02.05.13 berichteten Medien zwar über den Brand eines Autotransporters, jedoch nur in Form einer Randnotiz. Erst 14 Tage später kam die Berichtserstattung über Tragweite der Beinahe-Katastrophe und Volumen der radioaktiven Fracht schleppend in Gang, ehe sie alles andere als schleppend ein paar Tage später wieder von der Bildfläche verschwand.

Schon 2010 stellte DIE LINKE einen Antrag „Atomtransporte durch Hamburg verhindern“ an den damaligen Hamburger Senat, der abgelehnt wurde. Auch DIE GRÜNEN stimmten damals gegen diesen Antrag. Drei Jahre und einen brenzligen Schiffsbrand später, stellten sowohl DIE LINKE als auch die GRÜNEN einen Antrag gegen Urantransporte im Hamburger Hafen. Die Hamburger Bürgerschaft debattierte die Anträge Mitte Juni 2013 und lehnte ab. Seitdem ruht wieder still die Elbe.

Urantransporte haben im Hamburger Hafen Tradition. Allein 2012 passierten 117 Schiffe mit Uranhaltiger Fracht den Hamburger Hafen.

Der Kirchentag liegt fast drei Monate zurück. Die Juli-Sonne strahlt vom blauen Himmel, diesmal ohne blaue Schleifen und ohne 100.000 Kirchentagsbesucher, aber noch immer mit tausenden Bewohnern in Innenstadt- und Hafennähe, mit wöchentlichen Großevents und mit regelmäßig vor sich hin schippernden Uran-Transporten. Soviel du brauchst eben. Der Vorfall ist längst aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Um bei Mottos zu bleiben: Passen zu diesem Verhaltensstil würde „Duck and Cover“. Diese Parole stammt ursprünglich von“ Bert the Turtle“, einer animierte Schildkröte, die 1951 US-amerikanischen Kindern erklären wollte, wie sie sich bei einer Atombombenexplosion zu verhalten haben.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 10