Dr. Satori
05.12.2012 | 18:14 21

Menschen und Mutanten bei Maischberger

Ralph Boes im TV | Bedingungslose Sinnfreiheit im öffenlich-rechtlichen Fernsehen (ARD). Eine satirische Betrachtung der Sendung "Menschen bei Maischberger" (mit Ralph Boes)

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Dr. Satori

http://www.giftspritzer.info/wp-content/uploads/2012/12/menschen-bei-maischberger.jpgWas kommt bei raus, wenn nachts vor laufender Kamera ein schalumwickelter, sanktionierter, im Schneidersitz verharrender Hartz-IV empfangender Hungerleider und selbsternannter Philosoph, ein deutsch-bayerischer, populistischer Staatsminister für Finanzen und öffentlichkeitswirksamer Verfechter der Sandmännchen-Sendung, eine sozialpolitische und rotgefärbte Sprecherin der Linksfraktion, eine deutsche, leicht zerfleddert wirkende Putzfrau ohne Migrationshintergrund, eine mit Botox und anderen Chemikalien aufgeblasene Unternehmerin für Kosmetikprodukte (die niemand braucht) und der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit unter Aufsicht der gestrengen Herrin Sandra Maischberger über das Thema "Wer arbeitet, ist der Dumme?" diskutieren?

Richtig! Es kam aber noch schlimmer: Es war weniger als NICHTS. Ralph Boes musste schmerzhaft erfahren, dass nicht der der Dumme ist, der arbeitet, sondern der, der sich mit Maischberger in einen Sofakreis setzt. Sich dann auch noch in Schneidersitz-Widerstandshaltung und weinrotem Schal zu positionieren, geht überhaupt nicht, Herr Boes. Lange, baumwollene Halstücher sind ausschließlich affektierten Tenören und vielleicht noch Harald Glööckler vorbehalten - solche abgrenzenden Attitüden gebühren sich nicht für einen frischsanktionierten Empfänger von Leistungen, die nach dem wegen Untreue strafrechtlich verurteilten Herrn "Peter Hartz" benannt worden sind. Auch ihre Gestik stimmte nicht mit dem überein, was sie versucht haben zu erklären. Wäre der O-Ton am Color-TV abgedreht worden und hätte man erraten müssen, über was sie gerade fabulieren, wäre ein jeder zweifelsfrei darauf gekommen, dass sie mithilfe von ausufernden Gesten versuchen, die Planetenabstände unseres Sonnensystems im Maßstab 1:1 zu erklären.


Interessant auch die Rolle der Putzfrau in dieser sinnfreien Diskussionsrunde. Machte Frau Heidi Ralfs doch allen klar, dass man seinen Kindern als positives, arbeitendes Vorbild fungieren sollte, damit diese später auch bereit sind, ausbeuterische, prekäre Jobs im Niedriglohnsektor anzunehmen und somit auch künftig dafür gesorgt ist, dass es Unternehmen geben wird, die von den Jobcentern unseres Landes indirekt durch "Aufstockung" der dort arbeitenden Menschen subventioniert werden und erst durch diesen widrigen Umstand betriebswirtschaftlich existenzfähig und unternehmerisch tätig werden können. Ja, wirklich sehr vorbildlich, Frau Ralfs. Bereits im zarten Welpenalter sollten sich Hunde gefälligst an die Leine von Frauchen oder Herrchen gewöhnen - so gesehen lag die Putzfrau schon richtig, was ja vom bayerischen Finanzminister auch ordentlich goutiert wurde.


Als die botoxbehandelte, glattgebügelte, 90-jährige Unternehmerin Gisela Muth dann zu dem Thema Stellung bezog und nochmals darauf hinwies, dass sie eine erfolgreiche Unternehmerin in der Kosmetikbranche sei, war ich mir nicht mehr ganz sicher, ob ich noch die Sendung "Menschen bei Maischberger" sehe oder ob ich aus Versehen auf ein anderes Programm gezappt habe und gerade "Frankenstein Reloaded" gezeigt wird und Victor Frankenstein ein neues Monster erschaffen hat. Aber nein, alles war korrekt. Frau Gisela Muth wurde nicht von Victor Frankenstein erschaffen, sondern mut(h)ierte mithilfe ihrer eigenen Kosmetika zu einem undefinierbaren, hirnamputierten Etwas. Sinnvolle Promotion für ihre Produktreihe war das jedenfalls nicht. Aber was solls, scheiß der Hund drauf, die Sendung strotzte nur so von Sinnfreiheit, da kam es darauf auch nicht mehr an.


Der neben einem seiner Arbeitgeber (Ralph Boes) sitzende Heinrich Alt bewies einmal mehr, dass er von den Vorgängen in seiner Behörde keinen blassen Schimmer hat. Ist ja auch nicht weiter verwunderlich, denn Herr Alt ist in erster Linie damit beschäftigt, den Begriff "Arbeitslosigkeit" immer wieder neu zu definieren, damit Statistiken im Wahljahr 2013 besser rüberkommen und Ursula von der Leyen die immer gleiche Leyer abspulen kann:

"Wir haben in Deutschland so viel Beschäftigung wie noch nie. Wir haben die geringste Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung. Wir haben die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Europa..."

Menschen und Mutanten (Gisela Muth) bei Maischberger - 74 Minuten verschwendete Lebenszeit.


Einziger Lichtblick in dieser Runde: Katja Kipping, die mit geistreichen Antworten auf zutiefst polemische Fragestellungen der Gastgeberin Sandra Maischberger verbal perfekt parierte und es verstand, den Spieß gegen Maischberger umzudrehen. Ohne Katja Kipping wäre der Schneidersitz-Revoluzzer Ralph Boes vollends abgesoffen - so aber stand ihm das Wasser nur bis zum Hals.

Ralph Boes, fast verhungert und bei Maischberger fast abgesoffen.

Dr. Satori (Kabarettist, Satiriker)
www.giftspritzer.info

NACHTRAG:
Hier gibt es das offizielle Musikideo zur Initiative "bedingungsloses Grundeinkommen":
zum Musikvideo

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Kommentare (21)

GEBE 05.12.2012 | 21:24

Was ich Herrn Boes ankreide ist, daß er mit seinem Gebaren eine Projektionsfläche schafft, die zur Vermehrung und Bestärkung von Klischees über SGB II-Beziehern beiträgt.


Mit seinem Gebaren trägt er dazu bei, den sehr berechtigten Protest gegen dieses verbrecherische Hartz IV-System der Lächerlichkeit zuzuführen!

Was seriöse Hartz IV- Gegner gegen dieses menschenverachtende System vorne argumentativ solide aufbauen, reißt Boes hinten mit dem Arsch wieder ein durch sein profilneurotisches Gebaren ein!

janto ban 05.12.2012 | 22:18

Ich muss mal sagen: Doof ist die Muth nicht. Da haben schon andere Kanonen dieser Art bei Maischbergers gesessen.

Ralph Boes hätte mal mein Jahr hinter sich bringen sollen. Dann könnte er über Irrsinn berichten, der schon im ALG I Bezug beginnt. 12 Wochen Totalsanktion, weil ich einen Job nach vier Wochen wieder gekündigt habe, der gegen sämtliche Arbeitsschutzgesetze und so ziemlich alle Paragraphen der Straßenverkehrsordnung verstieß. Weitere 3 Wochen Totalsanktion, weil ich mich auf einen von drei "Vermittlungsvorschlägen" nicht beworben habe. Wie den letzten Dreck hat die Frau vom Amt mich behandelt. Warum es Vermittlungsvorschlag und nicht Bewerbungsverpflichtung heißt, habe ich sie gefragt. Und warum ich als Kunde wie am Spieß angebrüllt werde und meine Zwangsvorladungen mit "Einladung" überschrieben sind. Sie hätte das Gefühl, ich wolle gar nicht arbeiten. Ich hoffe, es geht ihr schlecht.

snow_in_june 06.12.2012 | 08:10

Ein sprachlich und inhaltlich sehr gelungener Beitrag, wie ich finde. Mit vielen Highlights.

Was die Muth angeht, da möchte dir, Janto Ban, dann doch widersprechen. Ich werfe es der Maischberger auch wirklich vor, solche Witzfiguren in ihre Sendung einzuladen.

Interessant fand ich, wie diese Putzfrau sich zu den CDU/CSU-Dampfwalzen hingezogen gefühlt hat, anstatt etwa zu der, mal wieder überaus angenehmen, Katja Kipping.

Klaus 16 06.12.2012 | 08:37

die nette Frau Putzfrau ist so naiv und behauptet doch nach zwei Jahren wurde sie keine mehr Geld geben und war selbst fünf Jahre arbeitslos, ihre These hätte Sie höchstens auf Ihr eigenem Grabstein meißeln können. Ansonsten ist dem Kommentar über diese Frau oben, nichts hinzuzufügen. Intelligenz ist beim putzen nicht unbedingt von großer Bedeutung nur in solcher Sendung hat sich die Redaktion ebenfalls nicht damit hervorgetan. Wie man solch ein Thema so in die Tonne treten kann und auf niedrigem Niveau darbietet, sollte man die GEZ Gebühren doch anderweitig einsetzen. Billigste Polemik! Die Redaktion hat da wohl völlig versagt bei Ihrer Einladungsliste. Was mich aber auch nicht wundert wer möchte denn schon in solch einer Sendung kommen? Jeder der überhaupt noch noch zu Wort kommen ist heute schon Mangelware und wer drei Sitze hintereinander spricht es langweilig. wie kann man bei solch ein Thema sechs Leute in 75 Minuten überhaupt hineinpressen und dann noch denken, man bekommt eine vernünftige Sendung abgeliefert! das war die letzte die ich mir anschaute, nun ist auch noch meine letzte Talkshow bei mir ab geschmiert. Was soll's

Oberham 12.12.2012 | 09:15

***** (nur - der Boes, der kommt sicher sehr unsympatisch rüber, aber als er von der Tatsache sprach, die Reichen zahlten keine Steuern, da war aber echt Verwirrung und konzertiertes drüberschnattern angesagt..... - leider ist er echt eine unglückliche Figur - nur man sollte ihn nicht verdammen, Mut hat er!)

(.... ich schau mir das Ganze vielleicht echt irgendwann mal ohne Ton an.... - gestern (Mediathek) viel mir vor allem die Körpersprache der Modellarbeiterin auf - ein gequältes Wesen - gequält vom bösen Herrn Boes, der ihr die Lebenssäfte raubt - wie wohl tat da das Gesülz des ehrbaren Mutanten (ich finde der sieht auch irgendwie absurd aus.... Haderer hat ihn schon oft als Modell verwendet....) aus dem Süden - da strahlte die von Boes geknechtete wie Meister Proper!)

Insofern war diese Runde doch ein Abziehbild unserer Gesellschaft - die 0,1 %der Gewinner sind fünfmal so wichtig, wie die 99,9% der Restidioten im Land und die, hacken auf den Resthaufen der Freigestellten ein und bewundern das Pack auf dem Thron!

Oberham 12.12.2012 | 09:44

....ich biete Kurse in PHM (personal human management) an -über die Arbeitsargentur - offiziell lautet der Tenor, wie überwinde ich meine "Antriebsschwächen"?

Wenn die richtigen Teilnehmer in der Gruppe sind, gibts Voodoo Tips, wie hexe ich meinen Fallmanager ins Grab :-))))))) (arme Fallmanager, machen doch auch alle nur ihren Job)

Für Fortgeschrittene gibts die Anleitung:

"sieben chronische Leiden, die einen Politiker arbeitsunfähig machen - u.a. chronischer Durchfall, spontanes Erbrechen, Eiterpickel auf der Nase, Dauererektion bei männlichen Exemplaren, Enthemmungsanfälle bei weiblichen Exemplaren...."

Leider waren wir noch nicht sonderlich erfolgreich, liegt wohl an mir, meine sprirituellen Fähigkeiten sind wohl zu limitiert und somit bin ich als Multiplikator ungeeigenet.

Aber - von den Krusgebühren kann ich mir inzwischen ein super absolut dekadentes Konsumverhalten leisten!