Liebling, trag was Schmutziges

Pornokritik Auch in der Modebranche schafft ein Skandal mehr Aufmerksamkeit als ein handgeschneidertes Kleidchen, noch dazu wenn es um Sex geht. Aber Porno ist nicht gleich Porno

Die Modewelt hat eine einfache Rechnung verinnerlicht: Fotostrecken und Werbeanzeigen sind aus Verkaufsgründen mit sexuellem Kontext durchsetzt, der sich zwischen Andeutung und Explizitem bewegt.

Porno ist sowieso schick, egal ob es sich um die privaten Tapes ambitionierter D-Promis handelt oder um Hochglanz-Produziertes für anspruchsvollere Gemüter. Jakob Haupt und David Roth vom deutschen Männer-Mode-Blog „Dandy Diary“ hatten nun die längst überfällige Idee Mode und Porno konsequent zu Ende zu denken, das Resultat ist ein "Fashion Porno“.

Premiere hatte er während der Berlin Fashion Week, in einem Neuköllner Pornokino. Wie zu erwarten stapelten sich in dem mit allerlei vergilbten Fetisch-Kram gefüllten Kuriositäten-Kabinett menschlicher (männlicher) Begierde Blogger, Journalisten, Fernsehteams und schöne Menschen. Entzückt vom Vintage-Charme des Waren-Angebots schlürfte man Prosecco und demonstrierte mit den bereitliegenden Bananen für die Kameras Trocken-Fellatio. Abgerundet wurde das Unterhaltungsprogramm von den ungläubig-amüsiert kuckenden Betreibern und einem sturzhagelbetrunkenen Kellner, der die Gäste mit steigendem Pegel fast schon aggressiv zum Saufen animierte („Komm schon, Süße...“).

Züchtiges Skandälchen

Vom kleine-Jungen-Traum, mal einen Porno zu produzieren, bis zum Ergebnis sei es ein weiter Weg gewesen, berichteten dann Jakob und David – voller Herausforderungen, wie etwa dem Darsteller-Casting (ein echtes Pärchen, das jetzt mit dem verdienten Geld im sonnigen Thailand urlaubt). Man setzt auf den Rückwärts-Effekt, gleich zu Beginn wird das gezeigt, was einen echten Porno auszeichnet, nämlich die Ejakulation. Sie dient quasi als Beweis dafür, dass es sich um keinen Fake handelt.

In den folgenden knappen 4 Minuten werden die Fashion Items platziert, hier ein Ring, da ein Schuh und am Ende tragen beide ein komplettes Outfit. Geschicktes Stilmittel, schließlich sollten Kleidungsstücke eine Rolle spielen, will man einen Fashion Porno drehen.

Insgesamt ist das Werk für einen Sexfilm recht züchtig, weder Penetration noch Geschlechtsteile in Großaufnahme werden gezeigt, selbst bei Paris Hilton gab es mehr zu sehen. Hier wurde genau austariert, was zu tun ist, um ein wirksames Skandälchen zu generieren. Schockierend, aber nie richtig derbe. Das hat auf jeden Fall funktioniert, die Boulevardmedien hatten Stoff, der Dandy Diary-Server brach am nächsten Tag wegen Überlastung zusammen. 

Nachdem wir vom Kellner gezwungen wurden alle vorhandenen Prosecco-Vorräte auszutrinken, besuchten wir noch die Dandy-Diary-Party im schicken Flamingo Club am Hackeschen Markt und ich kann Ihnen versichern: Dort ging es wesentlich sexueller zu als in diesem Porno. 

17:20 19.01.2012
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