Millionen von Aufrufen mit rechter Hetze

Rechtsextremismus Millionenfach werden sie aufgerufen, kommentiert und geteilt. Videos in denen gegen Ausländer gehetzt wird.
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Millionenfach werden sie aufgerufen, kommentiert und geteilt. Videos in denen gegen Ausländer gehetzt wird, das “Dritte Reich” heroisiert wird und Medien und Presse Teil einer jüdisch bolschewistischen Weltverschwörung sind. Und das alles nur ein paar Klicks entfernt.

Soziale Netzwerke und Videoplattformen eröffnen Möglichkeiten der Kommunikation, welche es Nutzern ermöglicht ohne räumlichen Grenzen zu kommunizieren. Diese werden auch von Rechten intensiv genutzt. Vor allem auf der Videoplattform YouTube ist das erschreckende Ausmaß zu erkennen.

Wer bei rechter Musik das Bild eines destruktiven, stumpfen und lauten Skinhead-Rock vor Augen hat, wird verblüfft sein wie vielfältig diese Musik heute vorzufinden ist.

Rechte Musiker wie der „Rapper“ MaKss Damage“, der „Liedermacher“ Frank Rennicke oder die Rechtsrockband Stahlgewitter generieren Millionen Aufrufe. So z.B. der Song „Die Faust geht zum Kopf“ von MaKss Damage, welcher sich aus brutalen Gewaltfantasien gegen Ausländer und Beschönigung des Holocaust zusammensetzt. Er wurde deshalb wegen Volksverhetzung angeklagt, das Lied ist dennoch auf YouTube zu finden und wurde bisher 100.000 augerufen. 122.000 Aufrufe für den Tod eines Mädchens, das die Reichsflagge beim Einmarsch der Aliierten vor diesen verteidigt. Ein wunderbarer folklorisch anmutendes Chanson des ehemaligen NPD- Bundespräsidentenkandidat Frank Rennicke.

sind es oft keine offiziellen Kanäle sondern Nutzer, wie z.B. „Politischer88Soldat“ (800.000 Aufrufe), Ares Arisch (530.000 Aufrufe) oder MDBOY (4.000.000 Aufrufe), die diese Lieder und Videos veröffentlichen. Voneinander unabhängige Individuen schaffen dadurch ein breites Netz an Musik, welche in der Lage ist fast jeden „Geschmack“ zu bedienen. Welche Motivationen hinter diesen Nutzern stehen bleibt dabei unklar. Eine der wenigen persönlichen Beiträge möchte ich hier zitieren: „ich möchte euch einladen liebe Kamaradinnen und Kammeraden; Wir als deutsche Community sollten, für unsere Führer und Führernen eine Community bilden“ .

Darin ist nicht nur eine gewisse Unkenntnis der deutschen Sprache zu erkennen, sondern auch ein Bedürfnis nach Bestätigung und Wertschätzung, der Suche nach einer gemeinsamen Identität. Damit sind die Motive identisch mit denen junger Neonazis in der Vergangenheit. Durch die starke Vernetzung auf diesen Plattformen ist der Prozess dennoch intensiver und gefährlicher, da Videoplattformen durch Datenanalyse das Konsumverhalten der Nutzer auswerten und passende Beiträge unter dem Begriff „ähnliche Videos“ zur Verfügung stellen. Dadurch ist eine reflektierte Auseinandersetzung mit den Inhalten erschwert. Nicht das sich frühere Neonazis durch eine hohe Reflexion profilieren konnten, aber der Prozess der Gefährdeten wird beschleunigt, da er aufgrund hoher Onlinezeiten intensiv mit diesen Themen konfrontiert wird.

Es ist nahezu unmöglich abzuschätzen in welchem Ausmaß diese Veränderungen zu einem Anstieg rechten Gedankenguts führen und welche gesellschaftlichen Auswirkungen sie haben.

Die Gefahr, welche von Rechten ausgeht ist dennoch real, wenn man sich die Statistiken zu rechtsextremer Gewalt anschaut. Rechtsextreme verübten 2015 44 Prozent mehr Straftaten als im Vorjahreszeitraum.

Der Justitiar des Jüdischen Weltkongress, Prof. Menachem Rosensaft, fordert das Internetriesen, wie Google und YouTube, Videos mit rechtsradikalen, fremdenfeindlichen und gewaltverherlichendem Inhalt umgehend lösen sollten. Jedoch ist das ein Mittel gegen das Symptom und kein Mittel gegen die Ursache. Derjenige der solche Videos konsumiert und zwar weil diese seiner Gesinnung entsprechen, wird durch ein Akt des Verbots nicht abgehalten werden können weiterhin so zu denken. Die Frage ist, wie können wir es ermöglichen das Internet als Instrument des Pluralismus, der Diversität und als globale Quelle der Information, denjenigen zugänglich machen, welche es bisher einzig und allein dazu benutzen sich selbst zu bestätigen und nicht sich selbst zu finden.

22:37 31.10.2016
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