Earendil_a

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Gegen Russland | 09.12.2016 | 00:31

"Was ist aus dieser Community nur geworden?"

Naja, dazu muss man allerdings sagen, dass erhebliche Teile der hiesigen Linken weltpolitisch schon seit Jahrzehnten erheblich was an der Waffel haben und einen schwer zu begreifenden Drang haben, irgendwelchen mächtigen Massenmördern in fernen Ländern zuzujubeln. In den 70ern waren da Mao oder auch die Roten Khmer recht angesagt, später standen dann Milosevic, Saddam Hussein oder Gaddafi hoch im Kurs, heute eben Putin und Assad. Egal wie blutrünstig, egal wie antiemanzipatorisch, Hauptsache mächtig und gegen den Westen. Zwischendurch gab's mal den nur scheinbar entgegengesetzten Blödsinn, die von Busch und Scharon begeisterten "Antideutschen". Aber immer wieder dieses Bedürfnis, auf Seiten einer mächtigen Militärmaschinerie zu stehen. Ist vielleicht eine Art Kompensation der Machtlosigkeit der Linken daheim.

Ein wenig kann man sich damit beruhigen, dass das verblendete Geschwätz dieser Sorte von Linken noch nie viel bewirkt hat. Auch heute: Ob hierzulande ein paar Irre den syrischen Faschisten beim Massakrieren zujubeln oder nicht, spielt für das Geschehen dort praktisch keine Rolle.

RE: Gegen Russland | 09.12.2016 | 00:07

1. Dass Saudi-Arabien ein scheußlicher Staat ist, brauchen Sie mir nicht zu erläutern. Die westliche Unterstützung für dieses Terrorregime und seine Kriegführung im Jemen ist in der Tat skandalös. Dass das ein Krieg "gegen den Jemen" wäre, ist gleichwohl falsch. Die Saudis machen im Jemen ja genau dasselbe wie die Russen in Syrien: Sie unterstützen die "rechtmäßige Regierung". Allerdings wurden im "Kampf gegen den Terrorismus" und "für die Einheit des Landes" im Jemen bislang "nur" ein paar Tausend Menschen abgeschlachtet, nicht ein paar Hunterttausend wie in Syrien. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach spielt das durchaus eine Rolle. Ebenso, ob, wie in Saudi-Arabien, ein paar hundert (?) Menschen im Jahr gefoltert werden, oder Zehntausende wie in Syrien. Mit der Brutalität der syrischen Faschisten können nicht einmal die Saudis mithalten, und das will was heißen.

Gut, sollten die Saudis einmal mit einer ernsthaften Revolte im eigenen Land konfrontiert sein, könnte sich das schnell ändern. Aber ich bin mir sicher, dass dann ein paar "linke" Flegel ihre Sympathie für die "rechtmäßigen Herrscher" entdecken. Spätestens, wenn sich westliche Länder erdreisten sollten, die Opposition auch nur verbal zu unterstützen.

1a. Das Wort, das Sie suchen, heißt "misogyn". Und wie frauenfreundlich das Baath-Regime war und ist, dazu kann man hier nebenan was interessantes lesen: https://www.freitag.de/autoren/juloeffl/hier-haben-es-die-maenner-schwerer

2. Kein Land setzt zur Zeit derart unbefangen und umfangreich militärische Gewalt zur Durchsetzung seiner imperialen Interessen ein wie Russland. Und die offene Annexion fremder Landesteile ist etwas, das, soweit ich weiß, kein westliches Land in der jüngeren Vergangenheit gemacht hat.

Über Imperialismustheorien brauchen wir, mit Verlaub, auf dem Niveau Ihrer Ausführungen nicht zu diskutieren. Und ob ein regierender Massenmörder völkerrechtlich oder sonstwie legitimiert ist, ist mir völlig schnuppe.

RE: Gegen Russland | 08.12.2016 | 23:31

1,5 Sätze gelesen, reicht.

"Was für ein Bürgerkrieg in Syrien und Irak? Seit 2003 macht die "westliche Wertegemeinschaft" die ganze Regionen platt"

Klar, gibt gar keine Bürgerkriege. Alles, was in der Region passiert, ist vom bösen Satan orchestriert. Weil der dumme Orientale ja zu eigenständigem politischen Handeln gar nicht in der Lage ist.

Wenn ich solchen menschenverachtenden, rassistischen, kontrafaktischen Stuss in ausufernder Länge lesen wöllte, würde ich zu den Originalen vom Kopp-Verlag oder Compact greifen. Will ich aber momentan nicht.

RE: Gegen Russland | 07.12.2016 | 19:20

Der Artikel ist ja noch recht differenziert. Die Überschrift, aber mehr noch die Kommentare zeigen dagegen recht gut die weltpolitische Verkommenheit weiter Teile der hiesigen Linken. Antiimperialistische Helden wie Milosevic und Saddam Hussein sind ja leider verblichen. Nun hält man eben dem blutrünstigsten faschistischen Regime die Treue, das sich derzeit auf Erden finden lässt. Zehntausende zu Tode Gefolterte, Zigtausende massakrierte Zivilisten, Hunderttausende Kriegstote und Millionen Kriegsflüchtlinge, weil das Regime jeglichen Versuch einer unblutigen Opposition in seinen Folterkellern erstickt hat - alles egal. Wahlweise Gräuelpropaganda (damit kennt man sich in Deutschland aus) oder Schuld der "Terroristen". Dass selbst Höllengeburten wie Daesh und al-Nusra ein Fliegenschiss gegen den Baath-Terror sind - was soll's, dessen Bomben fallen ja nicht in Paris und in seinen Folterknästen sterben selten Europäer. Dass jemand wie Pinochet quasi Humanist und Pazifist im Vergleich zu Assad war und Saudi-Arabien ein Paradies der Menschenrechte gegen Baath-Syrien ist - geschenkt. Schließlich ist Assad ja rechtmäßiger Präsident!!!1! Weil sich sein Vater mal an die Macht geputscht hat und seitdem ab und an mal Scheinwahlen abgehalten werden, oder wie? Naja, es braucht halt so einen, um die Wilden da untern im Zaum zu halten, da kennt sich der an Todenhöfer und Scholl-Latour geschulte deutsche Orientkenner aus. Orientalismus at its best.

Ach ja, und die militärisch derzeit aggressivste imperialistische Macht der Welt, Unterstützer Assads und Kadirows ebenso wie Orbáns und Le Pens, steht natürlich auch hoch im Kurs. Weil: gegen USA, also gut.

Wem das jetzt zu viel moralische Empörung war, wem mehr der Sinn nach zynischer Sofa-Realpolitik steht: Die viel beschworenen Friedensverhandlungen gibt's genau dann, wenn keine Seite auf einen militärischen Sieg hoffen kann. Wer Verhandlungen will, muss also erstmal die Rebellen (ja, auch die pöhsen Islamisten) soweit stärken, dass sie dem Regime und seinen Verbündeten standhalten können.

Aber hier setzt man ja lieber auf einen Sieg der Regierung, auf dass die Folterknechte bald auch all die zu Tode quälen können, die sie bislang noch nicht erreichen können... Dann blubbert aber wenigstens nicht von Frieden rum, wenn ihr tatsächlich den Sieg der Faschisten meint, verdammte Heuchler!

RE: Schießwütiger israelischer Soldat unter Feuer | 20.02.2013 | 15:01

@elisRea:

Vielleicht entspricht es im Krieg der Norm, aber Krieg entspricht nicht der Natur des Menschen.

ALLES, was Menschen tun, entspricht ihrer Natur - sonst könnten sie's gar nicht tun. Es entspricht vielleicht nicht irgendwelchen albernen Vorstellungen von der Natur des Menschen, aber wie wäre es dann mal damit, die Vorstellungen an die empirisch fassbare Wirklichkeit anzupassen? Für Idealisten eine Horrorvorstellung, ich weiß.

Wenn es aber nicht darum geht, wie Menschen sind, sondern wie sie sein sollten, dann möge man bitte die Natur aus dem Spiel lassen. Die ist nämlich nur Sein, aber nie Sollen.

@DvW:

Was ist die Natur des Menschen?

Vor allem: Laaangweilig!

RE: Schießwütiger israelischer Soldat unter Feuer | 20.02.2013 | 14:48

@Crumar:

Dazu habe ich ausführlich geschrieben, dass seine Darstellung der Geschichte nicht den Tatsachen betrifft, was Ablauf UND Akteure betrifft.

Welche Darstellung? Er hat doch lediglich in m.E. überzeugender Weise dieses Foto der (scheußlichen) Normalität des Krieges zugeordnet und von über diese Normalität hinausgehenden Gräueln unterschieden, die nicht mehr nur in die mehr oder weniger zwangsläufige menschliche Brutalisierung während des Krieges einzuordnen sind. Und hat für letztere ein Beispiel genannt - nur in Ihren Augen halt das falsche. Hat er doch tatsächlich gewagt, ich denke mal durchaus mit Absicht, statt der häufig aufgeführten Massaker von Seiten Israels und seiner Verbündeten eines der eher vergessenen von palästinensischen Seite anzuführen! (Als einer der wenigen Deutschen, die sich nicht als Nahostexperten sehen, hatte ich von Damour tatsächlich noch nie etwas gehört, im Gegensatz zu Deir Yassin, Chabra und Chatila.) Und zuverlässig kam auch die Empörungsmaschine in Gange: Da gehört nicht Damour hin, schreib lieber über Deir Yassin oder über Chabra und Chatila! Das ist doch letztlich alles, weswegen hier so ein Bohei gemacht wird.

Es gibt aber keinen Krieg.

Das ist eine ganz ordinäre Besatzung und die IDF ist die Besatzungsarmee.

Ein durchaus berechtigter Einwand. Allerdings: Ist eine Besatzung nicht auch die Perpetuierung des Kriegszustandes, mit denselben Brutalisierungseffekten, die jeder andere Kriegszustand auch mit sich bringt?

Man kann Schlesinger vielleicht vorwerfen, sich hier nicht um den Hintergrund, den Charakter und die Zielsetzung dieses "Krieges" zu scheren. Wäre allerdings etwas lächerlich angesichts dessen, dass er das ansonsten ausgiebig tut, und dass es ihm mit diesem Blogeintrag, so wie ich es verstanden habe, gerade darum geht, von der vordergründigen, reflexionslosen Empörung weg- und zu einer vernünftigen Analyse hinzukommen.

@Elisrea:

Überlassen Sie bitte mir, wen ich frage.

Sobald Sie anderen überlassen, worüber sie bloggen - gern.

@Schlesinger: Keine Sorge, ich hab zumindest online ein ziemlich dickes Fell. Und die Community hier - na, ich könnte mich jetzt ein wenig über ihre Seichtigkeit und Blasiertheit auslassen, und warum ich sie jahrelang trotz der interessanten Themenvielfalt und meiner Kommentierfreudigkeit gemieden habe... Jedenfalls ist mir ihre Sitzordnung ziemlich wurscht.

RE: Unter der Gürtellinie | 20.02.2013 | 11:56

kann es sein, das sie die falschen Freunde haben, werter Autor.

Oder das falsche Geschlecht und die falschen Interessen (Feminismus), werter Kommentator?

Ist ja schön für Sie, dass Sie, wie ich, als Mann selber eher selten mit Sexismus und Vergewaltigungsdrohungen konfrontiert werden. Dass Sie deshalb der Autorin empfehlen, bei solchen Sachen wegzusehen und drüber weg zu sehen, ist dagegen weniger schön. Denn leider sind wir nicht alle Thorzton.

RE: Unter der Gürtellinie | 20.02.2013 | 11:45

Insbesondere zwei Abbildungen machten die Runde. Auf einer war eine Frau zu sehen, die gefesselt und geknebelt auf einem Sofa lag. Darunter stand: „Keine Vergewaltigung. Wenn sie es wirklich nicht gewollt hätte, hätte sie etwas gesagt.“

Naja, das würde ich aber eher als Anti-Rape-Karrikatur verstehen, die dieses "wenn sie nicht gewollt hätte, hätte sie was gesagt" angreift. Sarkasmus solcher Art sollte akzeptabel sein, trotz der Gefahr, dass dumpfbackige Sexisten das anders rezipieren.

Bei den anderen angeführten Beispielen ist das aber anders, da macht man sich ganz klar über die Opfer lustig und nicht über die Täter. Das ist kein Sarkasmus, sondern Zynismus. Und wenn FB dann mit so einer billigen Ausrede ankommt:

Es ist nicht die Aufgabe von Facebook zu bestimmen, was akzeptabel ist.

ist das angesichts der sonstigen Moderationspolitik von FB, wo ständig bestimmt wird, was akzeptabel ist (Vergewaltigungswitze) und was nicht (stillende Mütter), einfach nur lachhaft.

RE: Beschnittene haben schlechteren Sex | 19.02.2013 | 21:10

Beschnittene schreiben die schlechtesten Blogs, das kann ich anhand dieses Eintrags hier bestätigen. Zwei dürre Sätze, keine Aussage dazu, was "schlechterer Sex" in dem Fall eigentlich bedeuten soll, nicht mal ne Verlinkung der Studie oder wenigstens eines Artikels darüber, stattdessen die eigene Erfahrung als anekdotische Evidenz. Namen haben die "belgischen Wissenschaftler" auch nicht. Aber es sind ausnahmsweise mal belgische, sonst heißt sowas ja immer "amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt..."

RE: Schießwütiger israelischer Soldat unter Feuer | 19.02.2013 | 20:58

Schön, dass Sie nochmal auf den Originalbeitrag verweisen, obgleich das bereits der Autor des Blogs hier zu Beginn seines Eintrags getan hat. Als Kommentar wäre dieser wohl ein wenig lang; zudem gibt es m.W. keinen Rechtfertigungszwang für das Erstellen eines eigenen Blogeintrags.

Wenn Sie sich fragen, warum der zweite Artikel so viel mehr Aufmerksamkeit erfährt als der erste, sind Sie beim Autor an der falschen Adresse. Fragen Sie das lieber die israelfeindlichen (nein, nicht "-kritischen"; den Unterschied kann man sehr schön an der Differenz zwischen Schlesinger und diesen Leuten sehen) Kommentatoren hier, die nicht müde werden, ihrer lächerlichen Empörung darüber, dass jemand Israel und die IDF nicht durchgängig als das Böse schlechthin darstellt, freien Lauf zu lassen, erstmal sämtliche Schandtaten von israelischer Seite, die ihnen aus dem EffEff einfallen, anführen müssen, zwischendurch völlig off-topic über die israelisch-südafrikanische Zusammenarbeit schwadronieren, ständig persönliche Angriffe fahren und schließlich, wenn sich Schlesinger um eine differenzierte Einordnung gewisser Ereignisse bemüht, auch noch nach dem Moderator rufen, und die ich mit dieser endlosen Hypotaxe hoffentlich nicht überfordert habe. Diese immergleiche Empörungsmasche, die eigentlich längst abgestanden sein müsste und trotzdem munter immer weiter sprudelt, die erzeugt die Aufmerksamkeit hier!

Für mich zählen jedenfalls unter dem ganzen hysterischen Gegeifer von Pali- und Israelfans die informierten und differenzierenden Beiträge von Schlesinger zum Besten, was man hierzulande über das Thema lesen kann. Musste mal gesagt werden.

(Differenziertheit, werte Rosarenia, ist übrigens das glatte Gegenteil von "Ausgewogenheit" à la "das ist alles gleich schlimm".)