Der Elefant und die Katze

Wer bedroht wen? Die Coronavirus-Krankheit Covid-19 ist bereits als - "Jahrhundert-Pandemie" bezeichnet worden; es könnte sich jedoch als "Jahrhundertfiasko" erweisen.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Prof. John Ioannidis, Stanford University, Gesundheitswissenschaftler und Epidemiologe: "Ist hier ein Fiasko im Enstehen? Während die Coronavirus-Pandemie um sich greift, treffen wir Entscheidungen ohne verlässliche Daten“ Die derzeitige Coronavirus-Krankheit Covid-19 ist „bereits als Jahrhundert-Pandemie bezeichnet worden. Dabei könnte es sich aber im Hinblick auf die Beweislage auch um ein Jahrhundertfiasko handeln." (...) „Es ist, als ob ein Elefant von einer Hauskatze angegriffen würde. Frustriert und bei dem Versuch, der Katze auszuweichen, springt der Elefant versehentlich von einer Klippe und stirbt.“(1)

Vieles spricht dafür, dass John Ioannidis mit diesem Bild den Nagel auf den Kopf trifft. Er untermauert seine Skepsis bzw. Kritik an der "Elefanten-Strategie" Lockdown und Social Distancing wie folgt:

Ioannidis: Die Lage wird verzerrt dargestellt

"Berichtete Letalitätsraten, wie die offiziellen 3,4 Prozent von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bewirken Horror - und sind bedeutungslos", denn Patienten, die getestet wurden, seien vor allem die mit starken Symptomen und schwerem Krankheitsverlauf. Das führe zu einer Verzerrung der Lage und könne sie schlechter darstellen, als sie tatsächlich ist, was die Sterberate angeht.

"Die einzige Situation, wo eine komplette, geschlossene Population getestet wurde, war auf dem Schiff Diamond Princess". Hier habe die Sterberate bei 1 Prozent gelegen - und das, obwohl hauptsächlich ältere Personen an Bord gewesen seien. Ältere Menschen gehören der Risikogruppe an, schwer an der von Sars-CoV-2 verursachten Krankheit Covid-19 zu erkranken.

Der Experte geht davon aus, würde man diese Erkenntnisse auf die jüngere Bevölkerung der USA übertragen, läge die Sterberate dort vielleicht sogar niedriger. Ioannidis nimmt daher eine Letalitätsrate von 0,05 bis 1 Prozent bezogen auf die Infizierten (!) in der US-Bevölkerung an.(2)

Die furchtbaren Bilder, die uns die deutschen Medien in den zurückliegenden Wochen über die coronageplagte USA präsentierten ( wobei übrigens der US-Sender CBS News Aufnahmen aus einem Krankenhaus in Bergamo, Italien, nachgewiesenermaßen fälschlich in einer Sendung am 25. März für einen Bericht über New York verwendete.), scheinen dem zu widersprechen. Dem ist aber nicht so!

Es muss davon ausgegangen werden, dass die vielen Coronatote in den USA auf den schlechten Gesundheitszustand vieler dort lebender Menschen und das völlig unzureichende dortige Gesundheitssystem zurückzuführen sind! Rieke Haverts dazu: "Ein freier Markt garantiert keine Gesundheitsversorgung...Amerika lässt seine Ärmsten sterben"

Die schockierenden Bilder, die wir dazu im Fernsehen sehen, zeigen uns, dass ein neoliberales Gesundheitssystem massenweise tötet.

Aus Italien gab es ähnlich furchtbare Bilder: Total überfüllte Krankenhäuser, massenweiser Transport von Särgen aus Kliniken.....

Dies hat uns alle erschüttert. Aber: Es gibt Erklärungen dazu, die mittlerweile unstrittig sind: 1. Die extreme Luftverschmutzung in Norditalien, die die Lungen der Anwohner angreift - und so ein Einfallstor für den Coronvirus dastellt; 2. Das völlig unzureichende, kaputtgesparte Gesundheitssystem - und viele eingelieferte Patienten*innen ( natürlich auch Coronakranke) sterben nicht nur an fehlenden Betten, fehlendem Personal, fehlenden Beatmungsgeräten sondern auch an "Krankenhausviren". - Ein Bericht der italienischen Zeitung Corriere della Sera beschreibt, dass die italienischen Intensivstationen bereits unter der markanten Grippewelle von 2017/2018 kollabierten, Operationen verschieben sowie Krankenpfleger aus dem Urlaub zurückrufen mussten.(3)

3. In Norditalien arbeiten in der Textilindustrie relativ viele chinesische, schlecht bezahlte und unmenschlich untergebrachte Arbeiter, die den Virus - nach ihrer Rückkehr vom chinesischen Neujahrsfest - nach Norditalien brachten. (4)

4. Möglicherweise trug das Champions-League-Spiel Atlanta Bergamo gegen FC Valencia am 19. Februar 2020 nicht unwesentlich zur explosionsartigen Ausbreitung dieses Virus bei, der in einem Umfeld "wütete", indem leider vieles nicht passte. Zu den genannten Punkten 1 und 2 kommt noch die Tatsache hinzu, dass es zu diesem Zeitpunkt dort noch keine Covit-19-Resistenten gab - und erst recht noch keine Massenimmunität. "Die Fallzahlen in Bergamo stiegen seit jenem Match im Februar. Am 26. Februar, eine Woche nach dem Spiel, waren es schon 117 Fälle. Zwei Wochen später, mit Ablauf der Inkubationszeit, 826. Die Provinz Bergamo hatte an jenem Tag erstmals die Ansteckungszahlen der Provinz Lodi überholt. Die war zu jener Zeit die "rote Zone (zona rossa)". Lodi allerdings war abgesperrt. Und während dort die Zahlen vergleichsweise moderat wuchsen, von 790 am 4. März auf 1.773 am 21. März, stiegen sie in Bergamo und Umgebung im gleichen Zeitraum wesentlich stärker, von 826 auf 6.215 Infizierte. Etwa 42.000 Fans aus Bergamo und Umgebung - und 2.500 Fans aus Valencia reisten an. Augenzeugen schildern die Wagen der Metrolinie Nummer 5, die direkt zum Stadion San Siro führte, als megaüberfüllt. Sprechchöre erschütterten die Waggons. Aus heiseren Kehlen strömten Tröpfchen. Ein Ansteckungsszenario wie aus einem Seuchenbuch abgeschaut. Sogar Bierbecher wurden weitergereicht, italienische und spanische Fans tranken Brüderschaft".(5) Letzteres klingt sehr schön, war aber zu diesem Zeitpunkt (!) nicht richtig!

Das Beispiel Schweden zeigt, dass es auch ohne Lockdown geht: mit weit weniger Einschränkungen und viel mehr Freiheiten! Im Vergleich zu Deutschland gibt es dort weit weniger Coronatote - und das hat nichts mit der niedrigeren Einwohnerzahl oder der geringeren Bevölkerungsdichte zu tun! Denn die Bürger*innen sind dort relativ eng beieinander: in Schulen, Gaststätten, Betrieben, Büros, auf der Straße, in Geschäften. Lediglich bei großen Veranstaltungen gibt es derzeit noch (bezogen auf die Teilnehmer-/Besucherzahl) Einschränkungen. Die aktuellen Zahlen (von heute) hierzu: (Coronatote insgesamt bisher): Deutschland 3261 (83 Mio EW); Schweden 1400 (10 Mio EW); Belgien 5453 (11,46 Mio EW); Holland 3459 (17,28 Mio EW). Also die Relation zu den Einwohnerzahlen oder zur Siedlungsdichte ist nicht wirklich hilfreich - was dennoch immer wieder versucht wird, um die schwedische Strategie (weitestgehende Öffnung statt Lockdown) zu diskreditieren: die relativ niedrige Zahl an Toten in Schweden trotz offener Strukturen (Busse, Bahn, Gasthäuser, alle Geschäfte, Kultur, Schulen) ist ein relevanter Hinweis, der nicht ignoriert werden kann. "Freiwillig" klassifiziert der schwedische Staat dieses Konzept und schafft rechtlich die Basis für ein wirksames "Herdenimmunitätskonzept". (6)

Auch bei uns in Deutschland gibt zahlreiche Fakten und Persönlichkeiten, die im Grunde genommen John Ioannidis bestätigen:

- Ich möchte in diesem Zusammenhang einen Zahlenvergleich zwischen den Grippetoten im Winter 2018 und den Coronatoten bis zum heutigen Zeitpunkt vornehmen: a) Gippetote 2018: 25100 (7)

b) Coronatote bis heute 3800. Beide Zahlen haben den Mangel, dass sie nicht differenziert genug sind (an oder mit Grippe bzw. Corona gestorben)! Aber: die Ungenauigkeiten im beiden Fällen (!) erlauben trotzdem einen Vergleich bezüglich der Relationen. Ein weiterer Aspekt, der noch diskutiert werden kann: die erste Zahl zeigt ein abgeschlossenes Ereignis; die zweite Zahl ein noch nicht abgeschlossenes. Selbst wenn - was hoffentlich nicht passiert (!) - bis zum Ende der "Corona-Pandemie" in Deutschland noch 21300 Menschen sterben, dann ist die Aussage berechtigt, dass die Corona-Sterblichkeit nicht über der Grippe-Sterblichkeit von 2018 liegt. Dies gilt auch unter Einbeziehung der Maßnahmenkomplexe im Vergleich 2018 und 2020: 2018 wurde versucht, durch Impfungen und weitere medizinische Maßnahmen die Menschen zu schützen - aber mit sehr viel weniger Volksbeunruhigung -; und derzeit wird versucht, mit den uns allen bekannten Maßnahmen (die nicht alle zielführend sind), ohne Impfungen letztendlich an die Herdenimmunität heranzukommen - und damit letztendlich diese Viruskrankheit zu überwinden.

- Auch Zahlreiche deutsche Wissenschaftler kamen und kommen zu einer Einschätzung, die den derzeitigen Coronahype infragestellen bzw. ablehnen. Z.B.: Dr. Wodarg, Lungenfacharzt (ins Abseits geschoben mit dem Etikett "Verschwörungstheorektiker"); Frau Prof. Karin Mölling (ins Abseits geschoben), Prof. Stefan Hockertz , Prof. Sucharit Bhakdi (ins Abseits geschoben), Prof. Maximilian Mayer, Prof. Carsten Scheller, Prof. Ansgar Lohse, Prof. Gèrard Krause, Prof. Streeck, der Rechtsmediziner und Pathologe Prof. Püschel, der Journalist Heribert Prantl und die Verfassungsrichterin Julia Zeh. -

Drei Zitate dazu:

1. Prof. Püschel: "Dieses Virus beeinflusst in einer völlig überzogenen Weise unser Leben. Das steht in keinem Verhältnis zu der Gefahr, die vom Virus ausgeht. Und der astronomische wirtschaftliche Schaden, der jetzt entsteht, ist der Gefahr, die von dem Virus ausgeht, nicht angemessen. Ich bin überzeugt, dass sich die Corona-Sterblichkeit nicht mal als Peak in der Jahressterblichkeit bemerkbar machen wird ...“ Und: "der Anteil von Corona am tödlichen Ausgang ist unterschiedlich". "Bei einigen macht es zehn Prozent am tödlichen Mechanismus aus, bei anderen 90 Prozent, je nach Ausmaß der Vorkrankheiten und nach Intensität der Infektion"(...) Was man für Hamburg sagen kann, ist, dass wir bisher nur Todesfälle bei Personen haben, die in der Regel mehrere Vorerkrankungen hatten und ein Durchschnittsalter deutlich jenseits der 70." (8) Prof. Püschel sezierte etwa um 70 Coronatote (bis jetzt) in Hamburg - übrigens gegen den Willen von Herrn Wieler (Präsident des RKI und Co-Vorsitzender der Working Group on Influenza Preparedness and Response der Weltgesundheitsorganisation (WHO), weil dies angeblich zu gefährlich sei. Bei Obduktionen gelten aber immer höchste Sicherheitsstandarts. So gesehen kann man Herrn Prof. Wielers (Virologe) Veto als eine Behinderung wissenschaftlicher Forschung interpretieren.

2. Der Journalist Gabor Steingart: " Die über 900.000 Sterbefälle, die dieses Land pro Jahr zu verzeichnen hat, darunter 120.000 tabakbedingte Todesfälle, 9.200 Suizide, knapp 3000 Verkehrstote – verschwinden hinter den Corona-Toten auf Nimmerwiedersehen. Eine politische Führung, die sich kein Tabakwerbeverbot zutraut, sich nicht zu einer menschenfreundlichen Verkehrspolitik und zur Nachhaltigkeit in der Ernährungskette durchringen kann, schützt scheinbar Leben, aber in Wahrheit camoufliert sie ihren politischen Opportunismus. Sie bedient die Panik der Saison mit dem Soundtrack der permanenten Gegenwart. Deutschland wird mit dem Rücken zur Zukunft regiert." (9)

3. Der Virologe Prof. Streeck: „Natürlich werden noch Menschen sterben, aber ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage: Es könnte durchaus sein, dass wir im Jahr 2020 zusammengerechnet nicht mehr Todesfälle haben werden als in jedem anderen Jahr.“ Denn: „Der neue Erreger ist gar nicht so gefährlich, er ist sogar weniger gefährlich als Sars-1.“ (10)

Prof. Streeck ist derzeit dabei eine 2. weltweit gemeldete Studie, wo eine komplett geschlossene Population getestet wird, durchzuführen: die Heinsberg-Studie. Trotz heftigem Dauerbeschuss von Seiten der Lockdown-Hardliner (um die Prof. Drosten und Wieler) , zeichnet sich ab, dass auch diese Studie zu mehr Gelassenheit in Sachen Corona Anlass gibt. Was noch durch einen weiteren Faktor untermauert wird: "Das wohl wichtigste Parameter (...), die Zahl der zur Verfügung stehenden Intensivbetten ist – mit Einschränkungen – durchaus belastbar und transparent. So stehen aktuell insgesamt 26.855 Intensivbetten in den meldenden Krankenhäusern zur Verfügung, von denen 2.629 – also weniger als 10% – mit Covid-19-Patienten belegt sind. Die Zuwachsrate ist messbar, aber sehr, sehr gering. 11.507 Intensivbetten sind zur Zeit frei. Wenn man die – zugegebenermaßen unzuverlässigen – Entwicklungsprognosen des RKI auf diese Zahlen projiziert, zeigt dies, dass es für die Regierung durchaus Spielraum gibt.(...) Die Notwendigkeit des Strangulierens ganzer Wirtschaftszweige, wie der Gastronomie oder des Fremdenverkehrs, lässt sich aus diesen Zahlen jedoch nicht begründen und auch die fortlaufende Einschränkung der Bürgerrechte müsste anhand dieser Zahlen aufgegeben werden."(11)

Was überhaupt nicht bedeutet, dass die genannten Katastrophen - vor allem in Italien und den USA und die Bedrohung der Menschheit durch neoliberale Wirtschafts- und Gesundheitssysteme generell - uns zum Vergessen veranlassen sollte; was vermutlich geschieht, wenn das schlimmste auch dort überstanden ist. Im Gegenteil: die Corona-Bewegung braucht eine Mutation hin zur Bewegung gegen die Menschen- und Naturfeindlichkeit des neoliberalen Wirtschaftssystems. Das ist dann heilend und helfend sowohl für das Gesundheitssystem als auch für ein stoppen der Klimakatastrophe.

Was das Gesundheitssystem betrifft, global gesehen, so wird es darauf ankommen, den Einfluss der Impfgiganten Hopp und Gates zu begrenzen; denn die Weltgesundheit ist nicht nur eine Frage von Impfungen: "Die WHO hängt selbst am Geldtropf der Gates-Foundation. „Durch zweckgebundene Spenden prägt die Gates-Stiftung die globale Entwicklungsagenda an demokratischen Prozessen vorbei. Dadurch werden große Teile der Bevölkerung von politischer Teilhabe ausgeschlossen“, kritisiert der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen, Uwe Kekeritz. 70 Prozent des WHO-Budgets sind zweckgebunden. Wenn die WHO über immer weniger Geld frei verfügen kann, fehlt es nicht nur für den Aufbau eines gerechten globalen Gesundheitssystems, sondern auch für schnelle Hilfe. Das war beim Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika der Fall.

In den vergangenen 20 Jahren haben die 194 Mitgliedstaaten der WHO wegen klammer Kassen ihre Beiträge immer weiter gesenkt. Das ist auch dem Umstand zu verdanken, dass Reiche zu wenig Steuern zahlen. Das gigantische Vermögen von Bill Gates ist nicht zuletzt dadurch zustande gekommen, dass Microsoft seit Jahren Steuervermeidung betreibt. Darüber hinaus hat das Unternehmen 109 Milliarden Dollar in Steueroasen gebunkert. Noch heute profitiert Gates davon: Er hält mehr als 300 Millionen Aktien an Microsoft. Je weniger Steuern Regierungen einnehmen, desto mehr sind sie auf private Geldgeber wie die Gates-Foundation angewiesen." (12)

(1) Medizin- und Wissenschafts-Zeitschrift Stat, 17. März 2020

(2) Focus 21. März 2020

(3) 11) /milano.corriere.it/…/milano-terapie-intensive-colla…
(5) Sportschau am 24.03.2020
(11) Jens Berger in: NachDenkSeiten vom 17. April 2020)

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden