Eckhard Möller

Historiker / Archivar
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RE: Bleiben, wo ich nie gewesen bin | 27.12.2012 | 19:09

Ein paar Gedanken, zugegebenermaßen etwas unsystematisch.

Ich versuch's mal zum Einstieg historisch. Natürlich war Heimat in den 60ern und frühen 70er ein bestefalls konservativ besetzter, vielfach reaktionärer Begriff. Aber - gab es im Lied der Moorsoldaten nicht auch die Zeile 'Heimat, du bist wieder mein' (und nicht mehr in den Händen der Faschisten9. Und wurde im Lied der Internationalen Brigaden nicht gesungen: 'Unsre Heimat ist heute vor Madrid', da wo er für die Brigadisten galt, den Faschisten entgegenzutreten.

Wo aber fing das mit einer anderen inhaltlichen Besetzung des Heimatbegriffs in den 70ern an. Ich glaube in Wyhl, wo eben die Konservativen und die linken Ökologen aus Freiburg sich gemeinsam gegen die Zerstörung der Umwelt werten - mit den Gegnern Filbinger-Regierung und Energiewirtschaft. Umweltschutz und Naturschutz nicht mehr als Bewahrung einer Idylle von gestern, sondern als ein auf die Zukunft gerichtetes Projekt.

Was andere Beiträger schreiben stimmt:Die Besinnung auf Heimat ist auch eine Abwehr der neoliberalen Variante der Globalisierung. Wer da mitmacht, hat einen anderen Erfahrungshorizont. Es sind nicht mehr die traditionellen Heimatschützer, die außer ihrem Dorf und vielleicht dem nächsten jenseits des Flusses oder hintem Berg nicht gesehen hatten, sondern Menschen, die in anderen Ländern waren, übers Web weltweit vernetzt sind und in globalen Zusammenhängen denken.

Zum Schluss: Die Heimat-Serie v0n Edgar Reitz hat die Schattenseite hinter der Idylle gezeigt, die Serie 'Rote Erde', dass es Heimat nicht nur auf dem Dorf, sondern auch in der Stadt oder im Stadtviertel geben kann. Und noch zwei letzte Aspekte, die (auch in den beiden Serien) deutlich geworden sind.

1. Heimat ist nichts unveränderliches, sondern etwas Dynamisches. Das heißt: Zu ihr gehören auch diejenigen, die ihre´Wurzeln in anderen Ländern und Kulturen haben. Sie bereichern die Heimat.

2. Die Veränderung der Heimat kommt aber nicht von selbst. Die Menschen müssen das selbst machen und sie verändern. Damit eignen sie sich die Heimat an und werden (vielleicht) auch erst fähig von "Heimat" zu sprechen.

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