Eckhard Supp

Journalist, Buchautor und Herausgeber von ENO WorldWine (www.enobooks.de)
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RE: Eine grüne Maske als Protest | 16.10.2020 | 15:19

Guter Beitrag, wird aber leider noch immer viel zu wenig gehört. Ich versuche seit Monaten, eine kritische Auseinandersetzung anzustoßen, aber mit einem Großteil unsere verängstigten Zeitgenossen - übrigends von links bis rechts - ist eine solche praktisch immer noch unmöglich.

RE: Wie gut kennen Sie sich selbst? | 11.11.2012 | 12:27

Ich würde sagen, die Studie beweist erst mal (und auch nicht viel mehr), dass viele Menschen nicht richtig lesen, wenn sie solche Fragen beantworten. Dazu eine kleine Anekdote: Ich saß eines Tages mit einer Dame beim Abendessen, die ich plötzlich erstaunt fragte: Sie drehen Ihr Weinglas ja links herum (beim Verkosten, um die Aromen freizusetzen)! Ich: Mach ich doch immer. Sie: Aber in Ihrem Buch (Wein für Einsteiger) schreiben Sie "im Uhrzeigersinn". Natürlich war das Quatsch, denn ich hatte geschrieben "entgegen dem Uhrzeigersinn" was im Übrigen nur für Rechtshänder gilt, aber das muss hier nicht interessieren. Die Dame hatte nur das Wort "Uhrzeigersinn" gelesen und ihre eigenen Schlüsse gezogen. Genauso ist es denkbar, dass die Befragten hier nur "Überwachung" lasen und dann den Rest frei hinzu fabulierten.

RE: Warum sterben manche großen Weine aus? | 13.02.2012 | 12:30

Mal abgesehen davon, dass dieser gesamte Glaubenskrieg Tradition vs. Moderne heutzutage ziemlich lächerlich klingt, verstehe ich auch nicht im Mindesten, warum Conterno immer als Zeuge für den unbedingten Traditionalismus angeführt werde. Habe gerade mal in der Enzyklopädie des Italienischen Weins von 1995 nachgeschlagen: "Trotz dieser Beharrlichkeit haben sich auch in diesem Betrieb über das vergangene Jahrzehnt hinweg Neuerungen eingeschlichen. Die Weine Conternos werden heute von Donato Lanati analysiert und betreut, einem der besten Önologen Italiens. Mit ihm kamen temperaturkontrollierte Stahltanks für die Gärung, kleinere Holzfässer für die Farbstabilisierung, und vor allem wurden unter ihm die gelegentlichen, kleinen Schönheitsfehler wie flüchtige Säure oder Auszehrungserscheinungen eliminiert, die die Weinqualität in der Vergangenheit manchmal beeinträchtigt hatten. Die verschiedenen Barolo Conternos wurden dabei sauberer und fruchtiger, ohne ihre legendäre Kraft, Intensität und Langlebigkeit zu verlieren. " Die Wahrheit ist eben doch nie schwarz-weiß, wie ich schon an anderer Stelle betont habe: www.enobooks.de/aktuell/blog/vom-sterben-grosser-weine-und-des-gesunden-menschenverstands

RE: Warum sterben manche großen Weine aus? | 13.02.2012 | 12:25

Mal abgesehen davon, dass dieser gesamte Glaubenskrieg Tradition vs. Moderne heutzutage ziemlich lächerlich klingt, verstehe ich auch nicht im Mindesten, warum Conterno immer als Zeuge für den unbedingten Traditionalismus angeführt werde. Habe gerade mal in der Enzyklopädie des Italienischen Weins von 1995 nachgeschlagen: "Trotz dieser Beharrlichkeit haben sich auch in diesem Betrieb über das vergangene Jahrzehnt hinweg Neuerungen eingeschlichen. Die Weine Conternos werden heute von Donato Lanati analysiert und betreut, einem der besten Önologen Italiens. Mit ihm kamen temperaturkontrollierte Stahltanks für die Gärung, kleinere Holzfässer für die Farbstabilisierung, und vor allem wurden unter ihm die gelegentlichen, kleinen Schönheitsfehler wie flüchtige Säure oder Auszehrungserscheinungen eliminiert, die die Weinqualität in der Vergangenheit manchmal beeinträchtigt hatten. Die verschiedenen Barolo Conternos wurden dabei sauberer und fruchtiger, ohne ihre legendäre Kraft, Intensität und Langlebigkeit zu verlieren. " Die Wahrheit ist eben doch nie schwarz-weiß.

RE: Vom Sterben großer Weine - und des gesunden Menschenverstands | 09.02.2012 | 12:20

Hallo Herr Kosok,

danke für die ausführliche Antwort.

Ich lasse Nebensächlichkeiten einmal beiseite, wie etwa Ihr Betonen der Tatsache, dass bestimmte Begriffe und Formulierungen gar nicht von Ihnen selbst stammten. Meine Kritik bezog sich darauf, dass Sie sich diese Punkte offenbar zu eigen machten.

Einen einzigen Punkt möchte ich noch einmal aufgreifen. Sie kontern auf meine Anekdote von der missglückten Identifizierung moderner und traditioneller Weine im Rahmen einer Blindverkostung mit einer Behauptung der Stiftung Warentest, die man erstens getrost bezweifeln kann und die zweitens mit der Debatte nichts zu tun hat. Wenn Sie - wiederum im Zusammenhang mit einem Zitat, das Sie zustimmend und bestimmt nicht kritisch verwenden, behaupten, die Weine der Modernisten schmeckten nach Vanille (und sonstwas), aber nicht nach Barolo, dann heißt das doch, wenn ich der deutschen Sprache noch mächtig bin, dass man die Stilrichtung der Weine AM GESCHMACK erkennen kann. Anders kann ich diese Behauptung nicht erklären. Und der einzige valide Beweis für eine solche Behauptung liegt in dem, was auch in der Wissenschaft in solchen Fällen praktiziert wird. In einer Probe OHNE KENNTNIS des Erzeugers oder Weinnamens. Wenn ihre geschmacklichen Unterschiede nur in offener Probe, also in Kenntnis von Erzeuger und seiner Stilrichtung, wahrnehmbar sein sollten, dann halte ich das für schlichtweg irrellevant. Wie schon der alte Émile Peynaud sagte: "Ein eingebildetes Aroma ist bereits halb wahrgenommen", und das heißt - und das habe ich selbst bei unendlich vielen Gelegenheiten festgestellt -, dass bestimmte Barolos für bestimmte Menschen nach Vanille schmecken (oder auch nicht), WEIL sie wissen, von wem der Wein stammt und wie er gemacht wurde.

Auch Ihre Replik bezüglich der Aussage von Henri Jayer ist nicht zielführend, denn ich habe ausdrücklich von "großen" Rotweinen gesprochen. Das nicht jede dünne Plörre den Ausbau im Barrique verträgt, brauchen wir nun wirklich nicht zu diskutieren.

RE: Vom Sterben großer Weine - und des gesunden Menschenverstands | 06.02.2012 | 15:56

Danke, dass Sie diese Karte gefunden haben, auf der ganz perfekt sichtbar wird, dass zwischen der Provinz Grosseto und der Region Umbrien im Norden die Provinz Siena, im Süden das Latium liegt.

RE: Vom Sterben großer Weine - und des gesunden Menschenverstands | 06.02.2012 | 14:14

Es wird immer wirrer! Nein, die Provinz Grosseto grenzt nicht "unmittelbar an die Region(en) Umbria" an, dazwischen liegt die Provinz Siena. Und selbst wenn es so wäre, hätten Sie mit ihrer Aussage, dass der Morellino aus dem Grenzgebiet zu Umbrien kommt Unrecht, denn, wie Sie selbst schreiben, darf Morellino "nur innerhalb einer begrenzten Zone der Provinz Grosseto angebaut werden", und diese begrenzte Zone liegt zwar ziemlich nahe an der tyrrhenischen Küste, aber ziemlich weit von Umbrien entfernt. Aber wahrscheinlich sind Ihnen Fakten ("Neuere Daten, das gebe ich gerne zu, habe ich nicht.") ohnehin genauso egal, wie dem Autor des Artikels, den ich kritisierte. Damit belasse ich es dann mal.

RE: Vom Sterben großer Weine - und des gesunden Menschenverstands | 06.02.2012 | 13:12

... ich bin jetzt wirklich ein wenig ratlos: Autostrada del Sole, Umbrien, Morellino an der Grenze zu Umbrien, 425 Hektar Rebfläche, Vino da tavola ????? Sind Sie sicher, dass wir über das selbe Weinbauland reden? Und was meinen Sie mit der kryptischen Bemerkung, "während bereits per 1997 der Nebbiolo für einen Barolo über 50.000 hl. erbrachte"?

RE: Vom Sterben großer Weine - und des gesunden Menschenverstands | 06.02.2012 | 11:50

Liebe(r) e2m,

auch wenn die meisten Italiener das so machen: Eigennamen werden im Italienischen immer noch nicht in den Plural gesetzt. Und im Deutschen werden ursprünglich ausländische Begriffe, die man als in die deutsche Sprache eingegangen betrachten kann, auch DEUTSCH dekliniert.

Aber sei's drum: Wenn Sie das Barrique oder "Barricato", wie sie es nennen, als Dolce Gabbana-Attribut des Weins bezeichnen, lässt mich das vermuten, dass sie vielleicht die Entwicklung des italienischen Weins seit dem Ende der 1980er Jahre doch nur bruchstückhaft mitbekommen haben.

Merkwürdig finde ich allenfalls, dass Sie ausgerechnet den Morellino di Scansano, DEN italienischen Wein par excellence, der in den letzten beiden Jahrzehnten für Vermassung und Industrialisierung gestanden hat - schauen Sie sich nur die Hunderte, wenn nicht Tausende Hektar neu angelegter Rebflächen an -, als Musterbeispiel für das benennen, was Ihnen schmeckt. Damit will ich hier nicht die Winzer diffamieren, die immer noch tollen Morellino keltern, aber als Beispiel für ihre Thesen taugt gerade diese Appellation nun wirklich nicht!

RE: Demokratie is coming home | 02.11.2011 | 17:13

Rührend, wie die, die in der Vergangenheit Griechenlands Karren in den Sumpf (und ihre privaten Vermögen in schwindelnde Höhen) gefahren haben, so ganz plötzlich und unerwartet die Demokratie genau in dem Moment wiederentdecken, wenn ihnen der Dreck bis zum Hals steht. Und rührend auch, wie viele von denen, die man eigentlich als kritische Journalisten in Erinnerung hatte, auf diese Schmierenkomödie hereinfallen.