Die zweite Chance

Eingeschenkt Manchmal bekommt man im Weinbau noch mal eine neue Chance. Eine Kellerei an der Loire hat sie zu nutzen gewusst. Der Beweis? Ein Rosé-Schaumwein mit Saft und Biss

In den 1920er Jahren erzeugte eine französische Kellerei aus Saumur an der Loire mit sieben Millionen Flaschen Schaumwein etwa die Hälfte dessen, was die gesamte Champagne damals hervorbrachte, und natürlich viel mehr als jedes der schon damals berühmten Champagnerhäuser für sich genommen. Bis zu 8.000 Einzelkunden hatte die Firma, die ihre Prickler zum großen Teil nicht unter eigenem Namen, sondern unter so genannten „Hausmarken“ ihrer Kunden abfüllte.

Das Resultat: Der eigene Name geriet in Vergessenheit, und nach ein paar Jahren war es mit der Herrlichkeit vorbei. Man hatte sich buchstäblich verzettelt – ein Fehler, von dem heute noch die beeindruckende, unüberschaubare Etikettensammlung im Hausmuseum zeugt. Bouvet-Ladoubay hieß die Kellerei aus Saumur, oder besser, heißt sie auch heute noch, obwohl heute im Besitz einer indischen (sic!) Gruppe.

Nach dem Erfolg und dem Niedergang, schafften es die Schaumweinmacher von der Loire immerhin, sich am eigenen Schopf wieder aus der selbst verschuldeten Misere zu ziehen. Man besann sich wieder auf die Qualitäten des Chenin blanc, der wichtigsten Weißwein-Rebsorte der Loire, die Kenner für eine der besten der Welt überhaupt halten.

Und im Laufe der Jahre schuf man eine beeindruckende Palette von Weinen und Schaumweinen, zu denen auch dieser Rosé-Crémant gehört, der sich mit festem Schaum, sehr lebhaftem Perlen, dem Duft von roten Beeren und einer tollen Kombination aus Saftigkeit und Biss am Gaumen präsentiert. Seine Süße ist wahrnehmbar, aber sie harmoniert so gut mit dem Gesamtgeschmack, dass sich dieser Crémant aus der Rebsorte Cabernet franc hervorragend als Speisenbegleiter eignet. Perfekt für die ersten warmen Frühlingstage – sozusagen.

Crémant de la Loire Trésor Rosé brut, Bouvet Ladouba, Saumur (Loire/Frankreich) Preis: ca. 15,- EUR

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Diese Kolumne basiert auf einer Kooperation mit , Deutschlands ältestem unabhängigen Weinportal.ENO WorldWine

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10:00 26.02.2011
Geschrieben von

Eckhard Supp

Journalist, Buchautor und Herausgeber von ENO WorldWine (www.enobooks.de)
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Ausgabe 38/2021

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