Hommage an Wilhelm Busch

Eingeschenkt Warum Italiener von "Meditationswein" sprechen, versteht man nach einem Schluck von den Portweinen von Dirk Niepoort, vor allem dem siebenjährigen Tawny namens Moritz

Dass Likörweine – das sind Weine, denen während oder nach der Gärung Reinalkohol zugefügt wird, damit sie süß und/oder lange haltbar werden – wie Sherry oder Portwein ein ziemlich schlechtes Image haben, liegt sicher auch daran, dass sie lange zu Spottpreisen verschleudert wurden und ihre Qualität meist dem niedrigen Preisniveau entsprach. Die Weine von Dirk Niepoort, dem Nachfahren einer alten holländischen Familie, gehören allerdings in eine andere Liga und kosten in der Regel eher stolze 80 oder 100 Euro und mehr. Mit der Serie „Fabelhaft“, die den beiden Wilhelm-Busch-Figuren Max und Moritz gewidmet ist, bietet Niepoort jetzt allerdings auch in erschwinglicheren Preisregionen Hochgenuss: einen Ruby – das sind farbintensive, süße und fruchtige Portweine, die nicht oder nur kurz im Fass lagerten – und einen Tawny – der ist heller und muss mindestens drei Jahre im Holzfass reifen, in diesem Fall waren es sogar sieben.

Der Tawny, der auf den Namen Moritz hört, überzeugt schon beim Einschenken mit dem für Niepoort typischen, betörenden Duft – in diesem Fall sind es Aromen von Nüssen, gebrannten Mandeln, kandierten Früchten und sogar von Zitrusfrüchten – kurz, ein ganzer Strauß von Weihnachtsgerüchen, die verständlich machen, warum die Italiener solche Weine gerne „vini da meditazione“, Meditationsweine nennen und sie sogar außerhalb der Mahlzeiten trinken. Im Mund gibt er sich fruchtig und nicht allzu opulent, wie es sich eben für einen Tawny gehört. Dabei ist er mit seiner diskreten Süße und der samtigen Fülle ungemein harmonisch und angenehm zu trinken oder besser, zu nippen, denn solch geschmacksintensive Weine muss man einfach in kleinen Schlückchen genießen.

Tawny Fabelhaft (Moritz)
Niepoort (Vinhos) S.A.
, Porto (Douro/ Portugal) Preis: ca. 16,- EUR
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Diese Kolumne basiert auf einer Kooperation mit , Deutschlands ältestem unabhängigen WeinportalENO WorldWine


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Ihre Freitag-Redaktion

11:45 06.02.2011
Geschrieben von

Eckhard Supp

Journalist, Buchautor und Herausgeber von ENO WorldWine (www.enobooks.de)
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Ausgabe 28/2020

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