Alles, nur keine Mutmaßungen: Lydia Harder, Freitag und die FAZ

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Lydia Harder und die Freitag-Blogger, eine Erwiderung auf "Klick und Frieden", FAZ-online vom 12.06.2010

Sollte man empfundene Lückenbüßer am besten erst gar nicht ignorieren? Oder doch danach schauen, ob zumindest ein Quäntchen Satisfaktionsfähigkeit dahinter steckt, wenn zum Auffüllen von Druckseiten Menschen von einem Medium zum anderen vorgeführt werden?

Das mit der Satisfaktion ist ja immerhin Teil dessen, was bei der FAZ als Bloggerei angesehen wird, angefangen bei Stützen der Gesellschaft, deren Don (im wirklichen Leben namentlich ein grosses M und kleine … aber lassen wir derlei Petitessen), so der Medienjournalist Stefan Niggemeier, „partout kein Dreckschwein sein“ will, aber dafür als Erfinder des Neusprech „Blog-Knalltüten“ gilt. Nein, wie garstig aber auch, das schreit förmlich nach Fehdehandschuh. Hélas, es ist nur das anreißerische Paradepferd für FAZettens „Community-Seite“, die dann doch nichts anderes darstellt als eine optisch verkleidete Rubrikensammlung von „ad hoc“ bis „Verlust“. O-Ton: „Und ich verliere täglich die Kontrolle darüber“. Was könnte man alleine in einen solchen Satz alles hinein interpretieren, wenn man nur wollte, vor allem weil da Profis im eigentümlichen Sinn des Wortes schreiben. Freitagsblogger tun sowas eher nicht, Hände macht man sich grundsätzlich nur schmutzig, wenn es gar nicht anders geht. Fräulein Harder gibt dazu hoffnungsvollen Anlass.

Laut eigenem Bekunden 1982 in Apolda geboren, arbeite sie, und das nennt sie an erster Stelle in ihrer offiziell zugänglichen Biographie, als Autorin für das Nachrichtenportal des Bundestages. Nun ist es ja nicht so, dass wir zu Beginn unseres Berufslebens nicht alle richtig miese Jobs erledigen müssten: Für meinen Anwalt durfte ich die ganze Recherche erledigen, Harder kann eben über 90 Jahre Frauenwahlrecht, wahlweise über Lammerts Beitrag zum Technischen Hilfswerk etwas herunterreißen. Dumm ist nur, dass diese Vita ausgerechnet in einem neu erschienenen Magazin, „TRAFFIC News to-go“, in der zweiten je aufgelegten Ausgabe, auf Seite 5 steht, wo die Dameals „Contributor“ bezeichnet wird. Das Teil gibt es gratis, beschäftigt sich mit trendigen Themen in ebensolcher Aufmachung und schmückt sich in der Ausgabe vom März 2010, nun raten Sie womit? Einer „Auszeichnung in der Kategorie ‚Newcomer des Jahres‘ bei den Lead-Awards 2010". Gratis, Contributor, Lead-Awards, war da nicht mal was? Vielleicht eine Geschäftsidee eines Mannes mit dem Kürzel JA, die nun gnadenlos abgekupfert wird, nur modischer verpackt?

Mittlerweile ist Lydia Harder bei Traffic Mitarbeiterin, was ihr Stückchen zu Der Freitag in der FAZ gleich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. So wie Autor Klaus Raab die Lancierung des Blättchens in der Berliner Zeitung platzieren konnte, erledigt Autorin Harder per FAZ nebenher lästige Konkurrenz mit arroganter Herabwürdigung. Ob die verantwortlichen Redakteure beim Frankfurter Blatt das Spiel über Bande letztlich erkannt haben und ggfs. billigen, werden wir nie erfahren. Sicher ist, dass Frau Harder eine großartige Karriere bevor steht. Denn im engeren Sinne hat sie wohl an keiner Stelle die Unwahrheit geschrieben. Dafür hat sie eine Menge Suggestion abgeliefert und sich dabei zielsicher an Personen einer Community orientiert, die eben nicht in jeder Hinsicht teflonbeschichtet daher kommen, wie sie selbst in ihren Auftritten. Ist das, im Gegensatz zur Bloggerei, die Zukunft des Journalismus?

Letztlich hat Harder bereits selbst die Begründung abgeliefert, warum sie drei Menschen als MacGuffins gebraucht hat wie weiland Stefan Raab eine Frau Zindler. Die ostdeutsche Pastorentochter Harder hat nämlich zeitlebens ihren eigenen Schock weg, denn: „Die Erziehung wurde liebevoll überwacht, einschließlich des Stuhlgangs beim Gruppentopfen“. Das ist in der Tat nicht satisfaktionsfähig, höchstens behandelbar. Aber das sollte, wie könnte es auch anders, nur gemutmaßt sein.

18:15 14.06.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

ed2murrow

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ed2murrow

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