ed2murrow
20.08.2011 | 20:11 77

Arznei - (nicht nur) ein sprachliches Problem

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied ed2murrow

Wenn die Hühnerbrühe zum "Mittelchen" wird

Big Pharma ist das, was gemeinhin als die Zusammenfassung der größten pharmazeutischen Unternehmen der Welt bezeichnet wird. Die Firma Boiron gehört nicht dazu. Denn einerseits sind die Umsätze solide und nicht gerade weltbewegend (auch wenn die Nettoergebnisse sich sehen lassen können). Andererseits darf mit Fug und Recht gefragt werden, ob das Unternehmen denn überhaupt Arzneien herstellt.

Nach deutscher Rechtslage dürften kaum Zweifel aufkommen. Die EG-Richtlinien 2001/83/EG und 2001/82/EG sowie das Arzneimittelgesetz subsumieren darunter auch Produkte, die, losgelöst von ihrer tatsächlichen Wirkung, zum Zweck der Heilung angewendet werden. Gesetzes- und Pharma-Koryphäen, die diese Definitionen aufgestellt haben, sind freilich nicht das gemeine Volk. Das erwartet sich von einer Arznei eigentlich nur eines: Dass es hilft, wobei Hilfe und Wirkung nicht selten synonym verwendet werden, weil Wunsch Vater des Gedankens ist.

Im Juli hatte der italienische Blogger Samuele Riva einen noch fragmentierten Artikel ins Netz gestellt („Homöpathie: Mythos und Legende“, Original hier, deutsche Übersetzung hier), der sich näher mit der Frage beschäftigt, wie denn Homöopathie eigentlich wirke, bzw. wie etwaige Wirkungen angepriesen werden. Das hat ihm die heftige Reaktion des Familienkonzerns Boiron eingebracht, der den Provider von Samuele angeschrieben und aufgefordert hat, „sämtliche oben genannten Artikel von ‚Samuele‘ sowie die Bezugnahmen auf unsere Medikamente und Unternehmen zu entfernen“ sowie „jeden Zugang zu ‚blogzero.it‘ zu sperren“. Über den Vorgang gibt es mittlerweile reichhaltige Literatur im Netz, angefangen beim British Medical Journal über Droit-medical.com, La Repubblica, kidmed.org, die Skeptiker bis hin zu einer nicht ganz vollständigen Liste von Blogs und Publikationen, die Samuele selbst zusammen gestellt hat. Der Streisand-Effekt ist auf allen Bildschirmen; soviel zur Wirkung.

Der Vorgang lässt sich nicht darauf reduzieren, dass es in Italien mittlerweile schlechter Brauch geworden ist, missliebige Sachbeiträge im Netz mit Klageandrohungen (und dann tatsächlich mit horrenden Zahlungsklagen) zu überziehen. Insoweit braucht sich Deutschland mit dem wie geschmiert funktionierenden Abmahnwesen nicht zu … beklagen.

Die Frage dürfte eher sein: Wenn Boiron tatsächlich die Angelegenheit vor Gericht trägt, was will dann das Unternehmen eigentlich dartun – dass Riva die von ihm zitierte und auf das Homöopathie-Prinzip angewandte Avogadro-Konstante falsch verwendet hat? Dass Wirkung, Wirksamkeit, das aktive Prinzip nach den Regeln von Korsakow doch funktionieren, wenn auch nur irgendwie? Denn es muss klar sein: Samuele Riva hat sich mit seinem Artikel mit einigen der Grundpfeiler der homöopathischen „Pharmazeutik“ auseinandergesetzt und daran (!) seine Kritik fest gemacht. Das muss, das kann Boiron (Eigenwerbung 2008: „world leader in homeopathic medicines“) natürlich nicht gefallen. Aber es ist weder Schmähkritik noch billige Herabwürdigung. Alles andere fällt in die Beweislast des Unternehmens.

Um den gleichen Zeitraum hat die Süddeutsche online einen netten kleinen Artikel unter dem Titel „Ein Huhn für 5000 Liter Suppe“ gebracht und sich dabei auf eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg berufen. Die hatte nichts anderes getan, als Mengenangaben auf einer Instant-Brühe hoch zu rechnen und ein Bild des betreffenden Produkts online zu stellen. Kann es sein, dass bei Huhn in homöopathischen (aber noch nachweisbaren) Dosierungen dessen gackerndes Prinzip mit ein bisschen Verschütteln zur Arznei wird? Es ist ja altes Hausrezept bei fiebriger Erkältung – Bettruhe, Wadenwickel und Süppchen. e2m

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (77)

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Ehemaliger Nutzer 21.08.2011 | 12:46

Lieber e2m,

zu Korsakoff, er schreibt:
Ich bin dabei auf den Gedanken gekommen, ein und dasselbe Glas vielemale zu demselben Zweck zu benutzen, und zwar so, daß der Inhalt des Glases (erste Verdünnung 1/100) weggeschüttet, das Glas so ausgeschwenkt werde, daß nur ein Tropfen darin bleibe, wozu dann neue Verdünnungsflüssigkeit (99 Tropfen) geschüttet, und so fort, bis zum beliebigen Verdünnungsgrade verfahren werde.

Dieser Beschreibung liegt der Begriff des so genannten Haftvolumens zu Grunde, etwas, das jeder Chemielaborant in der Analytik zu berücksichtigen hat.

Ansonsten sei noch folgender Ansatz empfohlen:

Man nehme die Spitze einer Pfauenhahnfeder, zerkleinere sie mit einer Keramikschere (wichtig: keine Eisenschere, weil Eisen rostet und macht braun) und zerkleinere die Schnipsel weiter in einem Keramikmörser. Sodann gebe man 1 µg (0,000 001 g) Dackelkot und 1 µg Kot von einer Siamkatze hinzu, koche das ganze in 100 Liter russischen Wodka. Davon nehme man 1 ml, schütte ihn ins örtliche Freibad. Jeder, lieber e2m, wird, wenn er das Schwimmbecken verlässt zu oder kann ...

1. einer schillernden Persönlichkeit (die Pfauenhahnfeder)
2. kann jeden Braten schon auf Lichtjahre riechen (Dackelkot)
3. jeden Floh aus Km Entfernung husten hören (Katzenkot)

Potenzierte Verstärkungen des Effektes ergeben sich nach Sprüngen vom:

1 Meterbrett
3 Meterbrett und
10 Meterturm

Diese Effekte gewährleisten außergewöhnlichen Lebenserfolg und sollen, so hört man husten, sich auch auf Spermatozoen übertragen. In einem solchen Phalle ist das Lebensglück des Kindes garantiert.

Gruß Kuni

tlacuache 21.08.2011 | 14:32

@ EdMurrow, schoener Beitrag
@ Kuni, Sie sind ja nicht nur Informatiker sondern auch noch Chemiker, sehr schöner Kommentar,
trotzdem will ich darauf hinweisen, das es meiner auch "grauhaarigen" Erfahrung nach noch einiges gibt, dass durch fehlende Grundlagenforschung und Messtechniken einige "Phänomene" gibt, die sich abschliessend noch nicht erklären lassen, das "Pro" und "Kontra" überlasse ich mal den Merdeisters und Bertambergs, ich halte mich da neutral, obwohl ich schon EINIGE Sachen gesehen habe, die sich eigentlich nicht erklaeren lassen.
Persönlich bin ich Placeboanhänger, vom 10 Meterturm springe ich nach 3 Litern Wodka, da ist dann jede Infektion "Wegerschrocken"
;-)

tlacuache 21.08.2011 | 20:13

Ich bin beeindruckt, da hat die Renaissance
tatsächlich einen "Schlüpfer" in Italien gelassen,
ein "Pollo" ist "leichtgläubig" und lässt sich "rupfen", in Lateinamerika ist es höchstens ein sexistisches Pseudonym für "Schwanz", ein hoch auf die Hochkulturen...
Was würde wohl der Albrecht Dürer dazu sagen...
Wobei der "Renacista" Niccolò Machiavelli wohl gesagt hätte: "Ich bin ein Huhn"...

GeroSteiner 21.08.2011 | 21:09

Habe mich bestens amüsiert. Bei einem Produkt, wo dann aus einem Huhn glatt 5.000 Liter Suppe werden, das homöopathische Prinzip zu vermuten, ist sicher nicht falsch. Bei den Herstellern von Hühnersuppe nennt man das Kostenoptimierung. Während das Huhn selbst also anaolog und obendrein homöopathisch sein kann, sind die Eier stets digital. Also entweder da, oder nicht da, gelegt oder ungelegt.

Da aus ungelegten Eiern bekanntlich keine Hühner schlüpfen, ist die Homöopathie im Falle der Hühnersuppe nicht beliebig zu bemühen und das Ergebnis der Köchelei nicht beliebig zu potenzieren.

Deutsche Hühner legen deutsche Eier, russische Hühner legen keine russischen Eier und verlorene Eier stammen von verlorenen Hühnern - dem Ursprungsmaterial der homöopanschenden Hühnersuppe.

Ich bleibe dabei, eine Suppe, ein Topf, ein Huhn, ein bisschen Gemüse, Kräuter und Salz, in der passenden Menge klaren Wassers vorsichtig simmern - das ist bei Erkältungen eine hervorragende Arznei - und wohlschmeckend obendrein.

tlacuache 21.08.2011 | 23:21

Ein Huhn ist ein Huhn ist ein Huhn...
..."Was war zuerst da? Huhn oder Ei?"...
www.fragenohneantwort.de/fragen/235/huhn/
Ich, sachichma,
erst war das Hühnerauge (vom dreier gesprungen, ohne Eisprung, hat aber wieder nix mit Sch(t)ossgebeten von Roches zu tun)...

Zu:
Machiavelli schrieb Il principe ... sondern träumte von einem italienischen Nationalstaat und hoffte, dass ein Fürst kommen würde, der die Kraft und das Können besäße, Italien zu einen und es zu seinem alten Ruhm zurückzuführen.

Sozusagen ein Oberhuhn erwartend, der alles erklären kann...

tlacuache 22.08.2011 | 00:02

@ ed2murrow,
können Sie auch mal lachen?
@ GeroSteiner
Das "Oberhähnchen" Otto kann man in diesem Kontext NICHT toppen, ICH HAB' TRAENEN IN DEN AUGEN...

Ich gehe jetzt schnell("er Brüter") meine "Schildkröteneier" ausbrüten, fast überall auf der Welt verboten, aber da sind gerade deshalb unglaubliche Gewinnspannen zu erwarten.
"SUV's suck's Otto-Hahn-Ober-Hühnchen"...

Keine Sorge @ ed2murrow, dank Ihnen habe ich gleich in den gelben Seiten nachgeschaut, wer mir die Dichtungen wieder geradebügelt, der wasserHAHN dröppelt halt ein bisschen...

claudia 22.08.2011 | 00:33

>>Ich erinnere an die Speisung der 5.000 mit fünf Broten und zwei Fischen. Der Marketinggag der damaligen Zeit schlechthin. Die heutigen Schäflein werden nun mal mit Hühnern verköstigt.
Ja, seit Henri IV für jeden Bürger "sonntags ein Huhn im Topf" propagierte sind Fische megaout.
Der meinte zwar noch ein ganzes Huhn, aber angesichts der gigantischen ökonomischen Fortschritte, die wir seitdem gemacht haben, versteht sich von selbst dass aufgrund des Sparzwanges 3 Bürger sich 1 Molekül teilen müssen.

ed2murrow 22.08.2011 | 02:23

Ich meinte das nicht nur als lustige Bemerkung.

Homöopatische Mittelchen als Zäpfchen: Hier ein Schnellfund bei google

www.gesundheitsfrage.net/tipp/homoeopathische-zaepfchen-viburcul-n-beim-zahnen

wobei „cul“ ja nun auf Französisch Arsch bedeutet. Wie auch immer: Das Produkt nennt sich

www.heel.de/Heel_de_F_d_M_Viburcol_N.homotox

Ein User, der sonst besonders warenwirksame Postings in einem Forum zu Gesundheit setzt, und ein Produkt „bewirbt“, das unter anderem Belladonna enthält, also auch den Inhaltsstoff Scopolamin: „Bei höherer Dosierung wirkt es dämpfend und sorgt für einen Zustand der Apathie. Da es in diesem Fall auch für einen Zustand der Willenlosigkeit sorgen kann, wurde es in den 1950er Jahren bis zum Aufkommen von Natrium-Pentothal als Wahrheitsserum eingesetzt.“

Und das, weil bei einem Kind die Zähne wachsen! Soviel zum ganzheitlichen Ansatz von Homöopathie in Deutschland.

Gemäß "homöopathischen Prinzipien" also ein besonders wirkungsvolles Mittel zur Willensdämpfung!

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Ehemaliger Nutzer 22.08.2011 | 10:44

claudia schrieb am 21.08.2011 um 22:33

Ja, seit Henri IV für jeden Bürger "sonntags ein Huhn im Topf" propagierte sind Fische megaout.

Gleichwohl gab es einige kümmerliche Versuche, diesem Trend etwas entgegen zu halten; so z.B. folgender Versuch:
Kaninchen ich taufe DICH Fisch! AMEN
Denn solchen Dinge sollen die Evolution in Jahrhundertschritten voran bringen ... sehr zur Erbauung der nebulöser Mystik verpflichteten Homöopathen

merdeister 22.08.2011 | 23:58

Steht's zu Diensten!

"Das brachte Karin Lenger auf folgende Idee:
Falls homöopathische Medikamente tatsächlich Photonen abstrahlen, dann müsste sich das anhand der veränderten Stärke der Longitudinalwellen feststellen lassen, falls ihr Frequenzspektrum mit demjenigen der Longitudinalwellen übereinstimmt. Mit Hilfe eines Biotensors suchte sie nach spezifischen homöopathischen Heilmitteln, deren erforderliche Frequenzen jenen der Tesla-Spulen entsprachen, die ihr zur Verfügung standen."

Bei einem Biotensor handelt es sich um eine Art Wünschelrute.

Falls sich jemand mit Physik auskennt und sich mit exploring and applying subtle energies as they relate to the experience of consciousness, healing, and human potential beschäftigen möchte, so sei auf diesen Text verwiesen, dort wird die "Forschung" von Fraun Lenger beschrieben.

Sollte sie tatsächlich Recht haben, gebühren ihr diverse Nobelpreise.

Wie war Ihr Urlaub?

bertamberg 23.08.2011 | 10:41

Mein Urlaub war eine schöne Auszeit, danke der Nachfrage.

"Forschung" in Gänsefüßchen - was wollen Sie damit ausdrücken?
Diverse Nobelpreise: Sie schließen nicht aus, dass Frau Lenger Recht haben könnte - warum?

Meinen Sie nicht, dass Nobelpreise nur für großindustriell nutzbare Erfindungen vergeben werden? Da das aber hier nicht der Fall ist, dürfte es höchstens für einen alternativen Nobelpreis reichen.

ed2murrow 23.08.2011 | 11:28

Lieber Bertamberg,

fragen wir doch einmal anders herum: Sind Sie der Meinung, dass die Avogadro-Konstante auf Mittel, die nach der sog. "Korsakoff-Methode" hergestellt worden ist, nicht anwendbar sei?

Sind Sie ferner der Auffassung, dass Boiron seine sog. Arznei, insb. das streitgegenständliche Oscillococcinum nicht nach dieser Methode herstelle?

Haben Sie in Bezug auf die "Herstellung" von H- "Arzneien" schon von einem Herrn Dr. Masaro Emoto gehört, der "bewiesen" haben will, dass Wassermoleküle auf die Energie von Emotionen reagieren würden, sie die Emotion spiegeln würden, wozu genügte, ein Blatt Papier zu nehmen, darauf ein Gefühl zu schreiben, i.e. "Liebe", "Freundschaft" uäm., und es genügte, das "Mittel" mit einem Flakon auf das Blatt zu stellen, damit "es" diese positiven Gefühle aufnehme?

Schließlich: Finden Sie es nicht ein wenig kniebohrerisch, merdeister in Bezug auf Nobel- oder sonstige angebliche Auszeichnungen deswegen anzugehen, weil Sie die Pointe wegen eines fehlenden "t" und damit des Konjunktivs nicht verstanden haben?

Der Hintergrund meines Artikels jedenfalls ist die Reaktion von Boiron auf einen kleinen, italienischen Blog. In den Vereinigten Staaten hat das Unternehmen eine Class-Action zu gewärtigen, die im Kern darauf hinausläuft, die völlige Wirkungslosigkeit des dort bestverkauften H-Produkts gegen erkältung festzustellen. Die Nervosität, die vor allem ökonomisch bedingt sein dürfte, denn wegen Nebenwirkungen oäm. wird man sich eher weniger Gedanken machen, ist verständlich. Wie groß die allerdings ist, zeigt der Hammer, der von Laboratoires geschwungen wird. Ich sehe da ein paar sehr interessante Zusammenhänge. Sie nicht?

bertamberg 23.08.2011 | 12:09

1) Anwenden können Sie die Avogadro-Zahl schon. Wenn Frau Lenger Recht hat, sagt sie nichts über den Photonengehalt des Homöopathikums aus.

2) Über Boiron konnte ich mich noch nicht informieren.

3) Emoto ist mir bekannt.

4) Wenn Sie Merdeisters Gedanken lesen können und wissen, wo der Konjunktiv hin soll, ist das phänomenal. So weit bin ich noch nicht.

5) Zusammenhänge gibt es, ganz klar. Deswegen hier ein Statement:

"Jede therapeutische Intervention und die dadurch ausgelöste Wirkung enthalten sowohl einen physiko-chemischen Anteil als auch einen Anteil, der sich durch Bedeutungserteilung ergibt. Die interessante Frage ist im Einzelfall also nicht, ob solche Anteile existieren - daran besteht kein Zweifel-, sondern statt dessen, wie groß der jeweilige Anteil ist. Eine starke und anhaltende therapeutische Wirkung kann nur entstehen, wenn die physiko-chemische Wirkung und die Wirkung durch Bedeutungserteilung in die gleiche Richtung zielen. Zielen sie jedoch in gegenteilige Richtungen, entstehen gar keine, unvorhergesehene oder absurde Wirkungen. Natürlich hat der Vorgang der Bedeutungserteilung selber auch physikalische und biochemische Grundlagen, die derzeit durch Erkenntnisse in der modernen Neurobiologie erstmals transparent zu
werden beginnen.
Wenn man das alles verstanden hat, löst sich der Begriff des Placebos in nichts auf. Benutzt man ihn dennoch, ist man ein weiteres Mal in die Dualismusfalle der Schulmedizin geraten, die den fundamentalen Vorgang der Bedeutungserteilung ignoriert und sich aus den daraus resultierenden Erkenntnisproblemen zu retten versucht, indem sie - allerdings ohne Erfolg - auf der strengen Trennung von Körper und Psyche beharrt. "
Aus: Hontschik: Körper,Seele, Mensch, Kap. 6 (Seitenzahl müsste ich nachliefern)

In diesem Sinne: Viel Spaß in der Dualismusfalle
und auch bei der Befreiung aus ihr. Was heilen kann, ist eben nicht nur Materie, sondern auch Energie (=Photonen). Insofern habe ich eine andere Auffassung als Hontschik.

ed2murrow 23.08.2011 | 14:14

Glauben Sie, ich hätte mit meinem Posting andere Medikamente beworben? Ihre Antwort wäre also angemessen gewesen, hätte ich "Dynexan" hier erwähnt. Das habe ich nicht, so dass ich mich frage, woher Ihre Fixierung kommt, beständig das Mantra "aber alles andere ist noch viel viel schlimmer" herzubeten.

Wie wäre es stattdessen, beim Zahnen ohne Medikamente oder solche, die dafür ausgegeben werden, auszukommen, hm? Oder fördert diese Art der Reaktion auf kindliches Wohl nicht eher eine Haltung, alles, was irgendwie lebhaft ist und deswegen den Erwachsenen in seiner Ruhe stört, mit Dämpfungen zu bekämpfen? Sorry, wenn Sie in dem Zusammenhang schon von Verbiesterung sprechen, dann wird's richtig ominös!

bertamberg 23.08.2011 | 16:27

Sie haben also keine eigenen Erfahrungen mit Kleinkindern, die brüllen.

Wenn Sie bei 1,1mg einer D2 von Belladonna den Begriff "Dämpfung" in die Runde werfen und eine Unverhältnismäßigkeit der Mittel andeuten, ist das ein sprachlicher Missgriff.

Es gibt Eltern, die lassen ihr Kind nachts allein im abgeschlossenen Zimmer schreien, egal was ist und werden in ihrem Tun bestätigt, weil das nach ein paar Tagen aufhört.

Wäre das eine Lösung ohne Medikamente, die Sie in Kauf nehmen würden?

ed2murrow 23.08.2011 | 16:52

Eine sonderbare Art, Fragen zu stellen, bertamberg, nämlich: suggestiv. Denn Sie deuten mit ihnen an, es gäbe nur eine Alternative zwischen "im Zimmer einsperren" oder "Medikament geben". Und setzen dazu als Prämisse ein "also" über Unerfahrenheit, obwohl weder in die eine noch in die andere Richtung ein Anhaltspunkt im Text zu finden ist. Mir wird bei den Alternativen ehrlich gesagt ziemlich Angst um weiteren Nachwuchs in Deutschland.

Sollte ich deswegen annehmen müssen, dass in Ermangelung nachprüfbarer Fakten über Verdünnungen dafür etwas mehr dicke Luft angeheizt werden soll?

bertamberg 23.08.2011 | 18:48

@ed2murrow: Wenn ich die Extreme benenne, dann nicht, um anzudeuten, dass ich dazwischen nichts kenne, sondern um Sie zu einer konkreten, wirklichkeitstriefenden Aussage zu provozieren, aber das scheinen Sie nicht zu mögen oder zu können.

Ihre Annahme, ich wollte dicke Luft anheizen, lenkt ab davon, dass Sie zu dem Phänomen der Bedeutungserteilung noch nichts gesagt haben und auch nichts zu Frau Lenger. Das müssen Sie auch nicht, aber das spricht für sich.

ed2murrow 23.08.2011 | 19:10

"Das müssen Sie auch nicht, aber das spricht für sich."

Dem Stöckchen springen Sie bitte selbst nach. Sie haben sich ja auch nicht weiter zu den Theorien von dem netten japanischen Herrn mit dem Dr.-Titel geäußert. Was ich Ihnen wiederum nicht verdenken kann. Aber keine Sorge, Frau Lenger ist eine ausführliche Würdigung wert. Und das geht über eine Kommentarfunktion hinaus.

Auch zum Thema des Blogs haben Sie sich bisher nicht geäußert, nämlich wie nahe wohl eine Pharmamulti der Homöopathie am Wasser gebaut haben muss, um einen Blog derart zu überziehen. Müssen Sie aber auch nicht, Samuele Riva hat die Friedenshand ausgestreckt: Er wird Boiron eine kleine Streisand-Puppe schicken.

bertamberg 24.08.2011 | 20:57

Die Ergebnisse von Dr. Karin Lenger sollten allerdings nicht in einem Kommentar nebenbei abgehakt werden. Auf welche Spezialform von sophistischer Verbalexekution von Dr. Karin Lenger darf die FC sich denn freuen?

Zu Boiron: Wenn die Umsätze nicht weltbewegend sind und nur die Nettoergebnisse sich sehen lassen können, kann schnell der Punkt erreicht sein, wo der Nettogewinn durch einen Umsatzrückgang in eine rote Zahl verkehrt wird.

Wer hier etwas überzieht, ist Ansichtssache. Das Thema Ihres Blogs war aber nicht die Firma Boiron, sondern die Folgen einer einseitig materialistisch orientierten Wissenschaftsauffassung. Wenn Sie Streisand als Streusand in meinen Augen benutzen wollen, versuchen Sie es, der Wind weht gerade in einer für mich günstigen Richtung.

bertamberg 26.08.2011 | 00:01

Sie geben hier den empathieverarmten miesepetrigen Anthropomorphiden, Rifkin kannte Sie wohl nicht, als er sein Buch schrieb. (www.campus.de/sachbuch/politik/Die+empathische+Zivilisation.94219.html?PTBUCH=BUCH)

Da kann es passieren, dass ich mich mit der Rhetorik der enragierten Empörung echauffiere. Wenn Sie das als persönliches Auf-den-Schlips-getreten-Fühlen missverstehen....

merdeister 27.08.2011 | 15:55

Wenn er die Gestalt so schnell wandelt, wie seine Argumentation, wäre es sicher lohnend dem einmal zuzuschauen.

In der Zwischenzeit blieb Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, warum die Firma Boiron die Experimente von Frau Länger nicht einfach repliziert und in einem Journal mit hohem Impact-Factor veröffentlicht. Vielleicht werden sie es im Rahmen der Klage, die in den USA vorbereitet wird versuchen...

bertamberg 27.08.2011 | 23:01

Was hat ein Kindergartenvokabular wie "lieb" in diesem Zusammenhang für eine sachliche Bedeutung und Berechtigung? Wenn Sie meine Wortschöpfung schon wiedergeben, dann bitte korrekt, sonst ergeben sich Assoziationen zu de.wikipedia.org/wiki/Anthro oder www.shadowiki.de/Gestaltwandler , was ich nicht zu intendieren gedachte. Damit hier weniger von fiction und mehr von science steht, ein Zitat. Wenn sich jemand getroffen fühlen sollte, versichere ich: Auch nicht persönlich gemeinte Kritik kann manchmal weh tun.

“Derzeit dominiert in Medizin und Gesundheitspolitik der Traum der Neopositivisten, mithilfe formalisierter Schlussfolgerungen zur Wahrheit zu gelangen. Obwohl in anderen Wissenschaftsbereichen der Positivismus gescheitert ist (es gibt gegenwärtig kein formales Verfahren, um die Wahrheitsnähe einer Aussage zu bestimmen), soll in der Medizin ausschließlich dasjenige als „Evidenz“ gelten, was bestimmten formalisierten Verfahren der Datengenerierung, -auswertung und -präsentation gehorcht – unter Verweis auf die evidenzbasierte Medizin (EbM) und ihren Goldstandard, die randomisierte Studie.” (Gunver S. Kienle, Markus Karutz, Harald Matthes, Peter Matthiessen, Peter Petersen, Helmut Kiene: Evidenzbasierte Medizin: Konkurs der ärztlichen Urteilskraft? Dtsch Arztebl 2003; 100: A 2142–2146 [Heft 33])

ed2murrow 28.08.2011 | 00:20

@ bertamberg

Sie kommen abermals mit einem via copy paste gefertigten Anwurf gegen den "Goldstandard" der "randomisierten Studie", der aus der Feder eines "Instituts für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie e.V.". Das sich als "in Fortführung des medizinisch-sozialen und wissenschaftlichen Impulses von Gerhard Kienle (1923-1983) – Anthroposoph" stehend sieht. Hier die Ausführungen von Helmut Kiene zu dem, was er unter "komplementäre Methodenlehre" versteht
www.ifaemm.de/Abstract/PDFs/CBM_Buch.pdf

Und damit ist dieser Themenkreis bereits geschlossen, der da lautet: Nachzulassung von Arzneimitteln und Erstattungsfähigkeit bei Kassen.

Vorher hatten wir es mit dem Komplex zu tun, ob es bei einem zahnenden Kind überhaupt tunlich ist, und wenn ja unter welchen Voraussetzungen, dämpfende Mittel einzusetzen. Statt die Frage konkret zu beantworten (Sie verweisen nur auf genervte Eltern, das Kindeswohl aber haben Sie mit keinem einzigen Wort erwähnt! Für Sie offensichtlich eine vernachlässigenswerte Größe), verweisen Sie nun auf Publikationen, die darauf aus sind, kassenfähige Methoden zu propagieren, die auf anthroposophischen Ansätzen beruhen. Mit anderen Worten: Sie jubeln uns hier die „Weiterentwicklungen“ unter, die ihren Ursprung bei einem Rudolf Steiner haben. Geahnt hatten wir es bereits …

Aber nicht nur das macht fassungslos, sondern der Anlass – eine Glosse zum Fehlgriff eines Pharmamultis (allerdings diesmal der Homöopathie, welch ein Sakrileg!) nehmen Sie mindestens so bierernst wie das Unternehmen den italienischen Blogger Samuele Riva. Boiron hat sich für seinen Duktus entschuldigt, wie ich finde, ein erster Schritt in die richtige Richtung. Mit Ihren kindischen Rechtschreibzurechtweisungen und „liebe“leien haben Sie dazu noch eine Menge zu lernen.

Vielleicht sollte das nächste Mal über das Rezept von Ente à l’Orange geschrieben werden unter besonderer Berücksichtigung der Verwendung von inneren Organen derselben. Bei Gliederschmerzen.

bertamberg 31.08.2011 | 10:42

@ ed2murrow schrieb am 27.08.2011 um 22:20

Ach ja, die beliebte Zwergentechnik....

Christian Berlin postulierte, dass der interreligiöse Dialog unmöglich sei (www.freitag.de/community/blogs/christianberlin/der-interreligioese-dialog---unverzichtbar-aber-unmoeglich), ich füge hinzu: auch der wissenschafts-interdisziplinäre Dialog – je etablierter das (Schub-)Kastendenken, umso mehr.

Die Neurobiologen sagen, dass es linkshirndominierte und rechtshirndominierte Menschen gibt. Wenn es möglich war, diese Dominanz umzukehren, sieht man die Welt aus einer lohnenden anderen Perspektive. Man muss es halt wollen. Wer es nicht will, für den ist der Dialog unmöglich. Unverzichtbar bleibt er trotzdem.

“Resisting anything but temptation” ist ihr Motto, das klingt schicker als “Ich bin ein egozentrischer Schwarz-Weiß-Denker”, läuft aber auf das Gleiche hinaus: Fassungslosigkeit, wenn jemand Ihnen unverständliche Anschauungen vertritt.

bertamberg 04.09.2011 | 23:44

@ merdeister schrieb am 31.08.2011 um 19:08

Sie sehen hier Boden? Ich sehe überwiegend Abgründe. Wenn Sie denken, ich hätte e3m auf diese Weise stigmatisiert, sollten Sie das etwas differenzierter sehen. Alles was ich gemacht habe, war, ein Motto zu übersetzen und zu interpretieren: “Sich jeglichem außer einer Versuchung zu verweigern” bedeutet in meiner Interpretation, dass die Realität in “Versuchung” und “Nicht-Versuchung” binär eingeteilt wird, ja/nein oder Schwarz/Weiß, wenn man in einer bildlichen Sprache bleiben möchte. Wenn man nur seine eigene Einteilung gelten lassen möchte, hat das etwas Egozentrisches.

Ist an dieser Interpretation etwas falsch? Wie würden Sie das übersetzen?

Ich kann gar nicht beurteilen, ob das Motto 100% deckungsgleich mit e2ms Selbsteinschätzung ist, vielleicht ist es als Maskerade oder Provokation zu verstehen, als (Selbst-)Ironie oder als Pose, die eine bestimmte Funktion hat, so wie ein Pseudonym. Ich habe es nur wegen folgendem Umstand aufgespießt:

Am 23.08.2011 um 10:09 hatte ich auf den nach Hontschik “fundamentalen Vorgang der Bedeutungserteilung” aufmerksam gemacht, der im Gegensatz zu Emotos Wasserbildern wahrlich nicht publizistisch breitgetreten ist, zu Unrecht wie ich meine. Das wurde nicht weiter aufgegriffen.

Am 31.08.2011 um 08:42 hatte ich mir die Freiheit genommen, ed2murrows Motto frei zu interpretieren, ein Exempel der Bedeutungserteilung zu statuieren, quasi als Protest dagegen, dass die Relevanz des Begriffes in diesem Blog unbelichtet bleiben sollte. Denn Bedeutungserteilung ist nicht nur ein sprachliches Problem, sondern eines, das mit jeder Interaktion von Kranken mit (Para-)Medizinpersonal eine Rolle spielt, aber fast vollkommen ignoriert wird.