ed2murrow
10.03.2017 | 09:27 22

Die Wiederentdeckung der Tendenz (3)

Medienkritik "Lügenpresse" ist nicht nur ein ideologisches Schlagwort. Gleiches sollte für "Fake News" gelten. Notizen eines Lesers

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied ed2murrow

Die Wiederentdeckung der Tendenz (3)

Foto: PeteLinforth/Pixabay: https://goo.gl/pk4H7k

An kaum einer Stelle ist die Frage der (fehlenden) Objektivität so nüchtern und deutlich verhandelt worden, wie zuletzt vor Gericht: Bei den Klagen von Josef Joffe und Jochen Bittner (Mitherausgeber bzw. politischer Redakteur von "die Zeit") gegen das ZDF wegen einer Folge der Sendung "die Anstalt". Richtung Joffe befand der Bundesgerichtshof (Urteil vom 10.1.2017, Az.: VI ZR 561/15, Volltext, Pressemitteilung), bei der Darstellung dessen Netzwerkes gehe es um "eine Verbindung, die geeignet ist, die geistige Unabhängigkeit des Journalisten bei seiner schreibenden Tätigkeit in Frage zu stellen". Bei Bittner (Urteil vom 10.1.2017, Az.: VI ZR 562/15, Volltext, Pressemitteilung wie vor) sei es u.a. um die Frage gegangen, "aus welchen Gründen die Darsteller [der Anstalt] an der journalistischen Unabhängigkeit des Klägers [Bittner] zweifeln".

Hier mussten sich die beiden Protagonisten bei der Abweisung ihrer Klagen zweierlei Belehrungen gefallen lassen: Wie ein "verständiges Publikum" den Inhalt einer Aussendung rezipiert. Und dass sich diese Rezeption nicht ohne Weiteres mit der Berufung auf (angebliche) Falschheit von Tatsachenbehauptungen unterbinden lässt.

Die Neigung, den eigenen stereotypen Horizont als "objektiv" zu bezeichnen ist keineswegs nur einem perfekten, etwa deontologischen Anspruch geschuldet. Was empirisch als sogenannter "Rashomon-Effekt" verhandelt wird oder Marion Gräfin Dönhoff einst aus Erfahrung klug aussprach ("nicht Tatsachen prägen uns, sondern deren Wahrnehmung"), mündet zunehmend im Sammelbegriff des "Bias", verstanden als kognitive Verzerrung. Präkonzepte etwa tragen auf, was gesehen wird, weil sie bedingen, wie es gesehen wird, noch vor den Vorurteilen.

Ein einfaches Beispiel: Wer statt des "programmierten" oder "automatisierten" von dem "autonomen Fahren" schreibt, billigt dem Robot-PKW bereits eine Persönlichkeit "autonomer Entscheidungen" zu. Von da zur Schuld- bzw. Verantwortungslosigkeit des Menschen, weil ja die Maschine (i.e. die "autonome Drohne") "entschieden" habe, ist es nur ein sehr kurzer Schritt. Die vorfindlichen Konzepte von "Autonomie" bzw. "Automatisierung" schlagen in der simplen Wortwahl durch und prägen Berichterstattung wie Kommentariat.

Können hier LeserInnen tatsächlich nicht differenzieren, einordnen, das für sich Wesentliche erkennen? Sie vor "Fake-News" bewahren zu wollen, beantwortet die Frage auf die denkbar pessimistischste Art und Weise. Noch vor Bevormundung oder Zensur (dem vielfach kolportierten "Wahrheitsministerium") stellt es die Lernfähigkeit des Publikums in Abrede und damit jedwede an sich mögliche Steigerung der Medienkompetenz.

Dass dabei vor allem Jugendliche als Beleg herhalten müssen, zeigt die jüngste Studie der History Education Group an der Stanford University / Kalifornien. In "Evaluating Information: The Cornerstone of Civic Online Reasoning" (2016) geht es um "die Fähigkeit, die Glaubwürdigkeit von Informationen zu beurteilen, die auf den Smartphones, Tablets und Computer junger Menschen" erscheinen. Das Assessment anhand von 7.804 Schülerantworten von der Mittelstufe bis zum College über eineinhalb Jahre ist ernüchternd ausgefallen. In der Mittelstufe seien die Jugendlichen nicht in der Lage gewesen, eine Story von einer als solchen gekennzeichneten Werbeaussage zu unterscheiden. In der High School erkannten sie nicht, dass Ausführungen zur Waffenkontrolle einseitig von einem Komitee von Waffenbesitzern stammten. Und am College überprüfte anhand einer deutlich einseitigen Stellungnahme kaum jemand etwa mit einer simplen URL-Kontrolle, von wem sie überhaupt stammte. Die Arbeitsgruppe fasst das Ergebnis in dem im Grunde hilflosen Satz des Philosophen Michael Lynch ("Googling Is Believing: Trumping the Informed Citizen", New York Times, 9.3.2016) zusammen: Internet is "both the world’s best factchecker and the world’s best bias confirmer - often at the same time."

Das Programm zur "Internet-Alphabetisierung" für Jugendliche, das unter anderem von Sue Shellenbarger im Wall Street Journal propagiert und von der "Internationalen Vereinigung bibliothekarischer Verbände und Einrichtungen" ausgearbeitet wurde, hat mittlerweile einen Merkzettel hervorgebracht:

Eingebetteter Medieninhalt

Mit anderen, allgemeinen Worten: Medien-Konsumenten sollten sich grundsätzlich gegenüber allen Veröffentlichungen kritisch verhalten und sie aktiv hinterfragen. Bei Schülern dürfte das bis zum Abschluss schwierig sein: Die Trimmung, Lernstoff vor allem aus Büchern überwiegend unkritisch aufzunehmen, dürfte eine Grundbedingung sein, "dem Geschriebenen" zu vertrauen.

Bei Personen im wahlfähigen Alter kommen Forscher von dieser und der Universität New York in einer im Januar veröffentlichten Arbeit ("Social Media and Fake News in the 2016 Election") zu einem anderen Ergebnis. Nach wie vor sei Hauptinformationsquelle im Präsidialwahlkampf der USA 2016 das Fernsehen gewesen. Nur 14 Prozent der Befragten hätten sich überwiegend über (den Newsfeed bei) Facebook oder anderen sozialen Netzwerken informiert. Und daraus wiederum hätte nur ein Bruchteil gefälschten Nachrichten so geglaubt, dass es für ihre Wahlentscheidung bestimmend gewesen sei. Wie hoch der Anteil konkret gewesen ist, darauf will sich der Beitrag nicht festlegen.

Unentschieden ist es in der Auswertung des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) von 2017 ("Grunddaten Jugend und Medien", pdf, via br.de, 315 KB), wenn nach der "Glaubwürdigkeit von Medien" (S.13) oder "Meinungsbildung bei politischen Themen" (S.14) gefragt wird. Denn hier werden Jugendliche und junge Erwachsene (14-29 Jahre) in einen Topf geworfen. Andererseits wird "online" nicht aufgeschlüsselt, sondern bleibt als "Nachrichtenseiten im Internet" seltsam unqualifiziert. Die Neigung, arrivierten Medien mehr Glaubwürdigkeit einzuräumen, scheint nach wie vor vorhanden.

Im Grunde ließe sich an der Stelle fragen: Gilt der Satz "verba volant, scripta manent" noch immer in seiner ganzen Trennschärfe?

(Ende Teil 3)

(Teil 1)-(Teil 2)-(Teil 3)-(Teil 4)-(Teil 5)





crossposting zu die Ausrufer

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Kommentare (22)

seriousguy47 10.03.2017 | 12:13

Bei der Fake-News Debatte dürfte es sich derzeit hauptsächlich um eine Werbekampagne zugunsten des überkommenen Journalismus handeln, wobei implizit davon ausgegangen wird, dass eine Nachricht nur dann eine echte Nachricht sein kann, wenn sie sie vorher durch journalistische Synapsen geschossen ist.

Wie auch der Beitrag zeigt, entsteht gerade lobbyistisch ein weithin begrüßtes neues Mediennarrativ, das alte Medien pauschal als "gut" und neue Medien pauschal als "böse" darstellt. Es ist eine Neuauflage der Netzkritik aus der Neuro-"Wissenschaft" unter politischen Vorzeichen. Donald Trump und die russischen Hacker dienen dem etablierten Journalismus dazu, die eigene Weste als blütenwies wahrzunehmen.

Insofern kann man überspitzt von einer Auseinandersetzung konkurrierender Fake-News um die Herrschaft über die Stammtische sprechen, bei der offenbar übersehen wird, dass sich hier längst getrennte Herrschaftsbereiche etabliert haben, und zunächst einmal vor allem BILD & Co fürchten müssen, ihr angestammtes Monopol auf Manipulation, Halbwahrheit und Lüge zu verlieren.

Etwas anders liegt das Problem bei der mittlerweile fest etablierten Hofberichterstattung der sogenannten "seriösen" Medien, wo die eigenen regierungsamtlichen Fake-News durch konkurrierende regierungsamtliche Fake-News unter Rechtfertigungszwang geraten.

Das kann durchaus der Wahrheitsfindung dienlich sein.

Zu befürchten ist, dass unabhängige Kritik und Kontrolle der Medien aus dem Netz langfristig ein Randphänomen bleiben werden, während Manipulation, Lüge und Verleumdung die Vorherrschaft haben werden.

Das "wahre" Leben dürfte sich also durch die technischen Möglichkeiten zu einer Netz-Pest entwickeln, gegen die alle Erziehung, Bildung und Aufklärung am Ende machtlos sein wird. Insofern ist auch dieser Bereich am Ende ein Fall fürs staatliche Gewaltmonopol - mit all seinen Risiken und Nebenwirkungen.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2017 | 12:28

..."Das "wahre" Leben dürfte sich also durch die technischen Möglichkeiten zu einer Netz-Pest entwickeln, gegen die alle Erziehung, Bildung und Aufklärung am Ende machtlos sein wird. Insofern ist auch dieser Bereich am Ende ein Fall fürs staatliche Gewaltmonopol - mit all seinen Risiken und Nebenwirkungen"...

Klar, wie eine Traenengasattake vom Wasserwerfer aufs Augenlicht a lá S 21.

Gruss

Lethe 10.03.2017 | 13:11

Im Grunde ist es so, dass bei Konsultation von ungefähr 7 bis 9 internationalen Quellen, die jeweils verschiedenen Lagern und Intentionen zugeordnet sind, über einen Sachverhalt eine ungefähr 80prozentige Korrelation des erzeugten Bildes mit den wirklichen Fakten erzielt werden kann. Die wirklichen Fakten bleiben in den allermeisten Fällen unerreichbar. 100prozentige Korrelationen sind ein feuchter Traum, und diejenigen, die sich diesem Traum hingeben, verdienen auch die Medien, denen sie ihn entnehmen. Naivität ist kein Synonym für Unschuld.

Hermann 10.03.2017 | 15:55

Fake news und hate speech sind ja nun wirklich nichts Neues. Nur die technischen Verbreitungsmöglichkeiten ändern sich gerade dramatisch. Da wir dieses Jahr den 500sten Jahrestag der Reformation feiern, lohnt vielleicht ein Blick zurück. Welche fake news über Hölle und Teufel wurden den Menschen von der Kanzel herab gepredigt. Und die Reformatoren haben dies nur durch den gütigen Gott ersetzt, dessen objektiver Wahrheitsbeweis bis heute aussteht. Die Streitschriften beider Seiten, wo z.B. der Sodomievorwurf nicht selten war, würden heute bei jeder Online- Redaktion als hate speech gelöscht werden. Das Bild „Der Weinberg des Herrn“ (Lucas Cranach d.J.) gilt heute als Hochkultur. Als Papst wäre ich immer noch beleidigt. Für mich ziehe ich daraus die tröstliche Schlussfolgerung, auch wenn der Fortschritt der Menschheit langsam und mit Rückschlägen erfolgt, durch fake news und hate speech lässt er sich nicht aufhalten.

Insofern bin ich der Meinung von SERIOUSGAY47, dass die derzeitige Diskussion ein Abwehrgefecht der klassischen Medien ist, die um Einfluss, Macht und Geld bangen. Als Trost für sie, auch heute gibt es noch Kanzelpredigten.

pleifel 10.03.2017 | 16:25

Dementsprechend ist die eigene Methodik wichtig und zu vertiefen, je wichtiger der Sachverhalt, also das adäquate Maß von Aufwand und Zeit (aber wer hält das schon durch!):
1. wem nützt es?
2. wer sagt (schreibt) es?
3. was ist von der Quelle selbst zu halten (im Allgemeinen)?
4. wie finanziert sich die Quelle (privat, öffentlich)?
5. wie wird mit Kritik umgegangen?
6. und natürlich die Berichterstattung selbst, denn keine Berichterstattung ist neutral.

Vollständigkeit wird nicht reklamiert.

pleifel 10.03.2017 | 17:38

Die Reihenfolge war nicht von mir als Ranking gedacht (hätte ich schreiben sollen). So gesehen ergäbe sich eins aus den übrigen Punkten. Wenn es eine "Motivfrage" ist, wird der Bericht (die Nachricht) nicht unbedingt "richtig oder falsch" sein, sondern erhält eine andere Darstellung. Das beabsichtigte Weglassen von Fakten würde ich aber als Foul werten. Beispielsweise wird das bei der Präsentation statistischer Daten über sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gemacht (quantitativ korrekt), aber unter Auslassung der dabei in kauf genommen prekären Jobs.

Wenn ich also Berichte lese, die mir einseitig erscheinen (und das ergibt sich: "Mir als Leser reichen an sich bereits die Koordinaten von Plausibilität und Schlüssigkeit.), dann versuche ich Sachaussagen von Meinungsteilen zu trennen, jedenfalls dann, wenn es mir auffällt und ich die "Lesebrille" anders einstellen kann.

Wobei ja die eigenen Weltvorstellungen zu Fragen von Krieg, Frieden, Wirtschaft, soziale Gerechtigkeit usw. zur eigenen "Betriebsblindheit" führt, die als Korrektiv die anderen benötigt, bzw. die Betriebsblindheit woanders vermutet.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2017 | 23:07

Die "Lesebrille" sieht halt bei einem/r 20-, 30-, 40- jaehrigen anders aus als bei den alten Saecke/INNEN von 50 oder 60 bzw. aufwaerts, je juenger desto groesser die Gefahr der "Betriebsblindheit", da fehlende Vergleichsmoeglichkeiten.

...Wenn ich in einem Zeit-, SPON-, SZ- Kommentar oder so lese:

"Ich habe noch nie SPD gewaehlt, aber als ueberzeugter CDU - Waehler muss ich jetzt mal SPD waehlen ("Schulze-Hype"), Merkel ist ja tatenlos"...

Frage ich mich schon ob der oder die den Kohl noch kennen, damit meine ich nicht den Weiss- oder Rotkohl...

Grenzpunkt 0 11.03.2017 | 08:06

„Mir als Leser reichen an sich bereits die Koordinaten von Plausibilität und Schlüssigkeit. Ich will schließlich nicht zum Historiker oder Politologen ausgebildet werden, wenn ich ein Publikumsmedium nutze.“

In welch einer Welt leben wir, leben Sie und sie alle anderen, die sich hier an der Diskussion beteiligen. Zum ersten Teil der Beitragsfolge habe ich einen kleinen Kommentar geschrieben, bevor ich den Film „The Pervert’s Guide to Ideology“ von Slavoy Žižek gesehen habe. Jetzt stelle ich mir die Frage, wie können wir nur so naiv sein, uns einzubilden, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Schon die Eingangssequenz macht es mehr als deutlich. Wir ernähren uns informationsseitig aus der Mülltonne und wehren uns bis zum Letzten gegen jeden, der uns das zeigt.

Natürlich können wir einschätzen, ob die Meldung, dass in China wieder ein Sack Reis umgefallen ist, richtig ist. Aber die Lüge besteht ja schon darin, dass überhaupt berichtet worden ist. Damit fehlen Ressourcen für wichtige Meldungen und Aufmerksamkeit ist gebunden worden. Jeden Tag fallen ganze Gebirge von Reissäcken um und wir erfreuen uns daran.

Verfolgen Sie die aktuellen Beiträge zu den Abhöraktionen Obamas gegen Trump. Da wird so getan, als ob das Handy der Bundeskanzlerin Merkel nie abgehört worden ist. Sehen Sie sich den aktuell verlinkten Artikel von Sascha Lobo, den ich sonst eigentlich schätze, an. Dieses Rumgerede ist nicht nur peinlich sondern als Ganzes falsch, „Ein verwirrungspropagandistischer Geniestreich“. Der einzig wirkliche Beitrag wäre hier die Forderung zur Abschaffung aller Geheimdienste.

Hier noch die „Schlagzeilen aus Sachsen” auf der heutigen Internetseite der “Sächsischen Zeitung”, die gern auf Wahrheitsgehalt geprüft werden dürfen:

Neugersdorf:Zerstörungen am ungenutzten Bahnhof

Übelriechende Flösselaue:Polizei vernichtet Gewässerprobe

Zittau:Pudel wird von Auto überfahren und stirbt

Zgorzelec/Görlitz:Polizei stoppt Schleusung im Taxi

Auf A4-Rastplatz gefunden:In Frankfurt gestohlener Mercedes

Plauen:Polizei schnappt mutmaßlichen Serieneinbrecher

LK Meißen klagt:Grünes Licht für Wilsdruffer Gymnasium

Für Motorrad-WM-Lauf:Umbau-arbeiten am Sachsenring gestartet

Urteil in Bautzen:Gefängnisstrafen für fünf Drogenschmuggler

Wohin am Wochenende?Tipps für die schönste Zeit der Woche

miauxx 11.03.2017 | 16:40

"Andererseits wird "online" nicht aufgeschlüsselt, sondern bleibt als "Nachrichtenseiten im Internet" seltsam unqualifiziert."

Naja, die Seiten 13 und 14 zusammen gesehen, dröselt sich der Bereich Internet ja doch noch ein wenig auf. Facebook & Konsorten wird weniger Glaubwürdigkeit eingestuft, die Tagesschau führt dagegen auch das Ranking im Netz an. Aber man muss freilich auch sehen, dass solche quantitativen Befragungen immer auch ein Zerrbild liefern. Es muss sich eben auch an die angebotenen Fragen gehalten werden sowie ergänzend Hinzugefügtes seitens der Befragten vom Studiendesign nicht verarbeitet werden kann. So denke ich doch, dass in puncto Frequentierung, aber auch der Tiefe der Nutzung, social media ganz klar vorne liegen wird und das im Endeffekt, ganz automatisch, auch seinen Einschlag auf die Meinungsbildung und den Informationshorizont überhaupt haben wird. Kurz: Gerade die Jüngsten werden vielleicht Tagesschau & Co. als am glaubwürdigsten einschätzen, tatsächlich aber dort kaum unterwegs sein. Aber das ist freilich nur eine starke Vermutung meinerseits.

Gerne gelesen! Die Teile 1 und 2 werde ich auch noch angehen.

Grenzpunkt 0 11.03.2017 | 18:58

„Bemerken Sie den Widerspruch?”

Ist das wirklich ein Widerspruch? Ganz so einfach scheint mir die Sache nicht. Ich habe heute noch einmal über dem Buch „Einsicht ins Ich“ von Douglas R. Hofstadter & Daniel C. Dennett gesessen. Dabei heißt in einem Text: „Diser Satz enthält trei Fehler.“

Richtig oder falsch? Wahrheit oder Lüge?

Wenn man den Satz liest, ist die erste Reaktion: „Nicht doch - er enthält zwei Fehler. Wer ihn geschrieben hat, kann nicht zählen.“ An diesem Punkt wenden manche Leser sich einfach ab, kratzen sich am Kopf und fragen sich, wie jemand so eine witzlose, falsche Äußerung machen kann. Andere Leser stellen zwischen der offenkundigen Falschheit des Satzes und seiner Aussage eine Verbindung her. Sie denken bei sich: „Oh, der Satz macht also doch einen dritten Fehler - nämlich insofern, als er seine Fehler falsch zählt.“ Ein oder zwei Sekunden später klickt es bei ihnen, wenn sie realisieren, daß, so gesehen, der Satz seine Fehler richtig gezählt hat und also nicht falsch Ist, demnach nur zwei Fehler enthält, und ... „Aber... einen Augenblick mal. He! Hm ...“ Der Geist flitzt hin und zurück und kostet ein paarmal die Phantastik eines Satzes aus, der mittels eines ebenenübergreifenden Widerspruchs sich selber untergräbt. Aber es dauert nicht lange, da ist er das Durcheinander müde und springt aus dem Zirkel heraus, um in Nachdenken zu verfallen, sei’s über den Sinn oder Nutzen des Einfalls, sei’s über die Ursache bzw. die Lösung des Paradoxes, sei’s einfach über ein ganz anderes Thema.

pleifel 11.03.2017 | 20:13

Wenn wir nicht zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden könnten, macht eine Diskussion über "Lügenpresse" oder "Fake News" wohl wenig Sinn.

Im 2ten Zitat schreiben Sie es selbst "wichtige Meldungen", wobei immer eine Auswahl der News getroffen werden muss und es daher subjektiv bleibt. Das ließe sich aber anhand definierter Kriterien formalisieren (einhegen), also z.B. ob lokal oder überregional, wie viele Menschen es betrifft, einmaliges Ereignis ohne Folgen (mit Folgen) usw..

Zudem käme ein zusätzliches Ethos in den "Ring", nämlich die Wahrhaftigkeit journalistischer Arbeit. Es macht nämlich einen großen Unterschied aus (für mich), - wenn sich ein Bericht im Nachhinein als Falsch herausstellt - ob es an fehlenden Fakten (Infos) gelegen hat oder etwas bewusst verändert oder weggelassen wurde: Stichwort Wahrhaftigkeit!

Dem zugrunde liegt natürlich, dass jeder Gesprächspartner (Schreiber) weder etwas behaupten noch bestreiten kann, wenn er den Gesetzen der Logik widerspricht. Und wer etwas behauptet, muss allemal auch die Beweisführung leisten (können).

Grenzpunkt 0 13.03.2017 | 08:58

Ich möchte mich nicht wiederholen, deshalb der Verweis auf diese Antwort.

Auf wie vielen Ebenen prüfen Sie eigentlich die Wahrhaftigkeit eines Textes?

Reichen die Fakten?

Reicht die Beurteilung an welcher Stelle, in welchem Umfang die Information plaziert wird?

Welche Schlagzeile wird gewählt?

Reicht die Betrachtung des Zusammenhanges?

Welche Adjektive werden für welche Seite benutzt?

Welche Information wird verschwiegen?

Welche Bedeutung wird dem Beitrag zugemessen? Usw.