White Christmas

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

ist der Name einer Aktion im norditalienischen Coccaglio, einem kleinen Kaff 25 km östlich von Brescia, am Eingang zum Speckgürtel der Poebene. Nicht um Beschneiung geht es oder um Müllbeseitigung, sondern um eine Säuberung von sog. Illegalen, die bis Weihnachten aus dem Ort entfernt werden sollen. Wer es ganz genau wissen will, liest es sich hier durch.

Dazu schreibt in ItalienPino Corrias : „White Christmas, Weihnacht weißer Rasse

Wahrscheinlich hätten sich Josef und Maria zur gnadenbringenden Zeit der Niederkunft nicht einmal eine Futterkrippe aussuchen dürfen, wenn sie sich auf ihrer Flucht aus Nazareth unglücklicher Weise nach Coccaglio in der Provinz von Brescia verirrt hätten. Nachtragende Wächter der Lega Lombarda, angeführt von diesem Bild eines norditalienischen Bürgermeisters, dem Herrn Franco Claretti, hätten sie am Ortseingang abgefangen, ihre Ausweispapiere verlangt, die Aufenthaltsgenehmigung, den Grund ihrer Reise erforscht.

Die besondere Feigheit dieser Aktion, die nichts anderes ist als ein Durchkämmen nach Einwanderern („wir werden zur Kontrolle von Haus zu Haus gehen“), liegt in der Namensgebung durch den von der Lega beherrschten Gemeinderat: White Christmas, was nicht weiße Weihnacht bedeutet, sondern Weihnachten für Weiße. Im Bewusstsein einer Lästerung gegenüber dem Neugeborenen, der arm, wehrlos und als Flüchtling auf die Welt kam, für den eine weihevolle Nacht gefeiert wird, die sie besudeln.

Seit der Stunde der Rettung wird die von der christlichen Religion gepredigte Liebe in Beschlag genommen, um das Gegenteil zu tun. Sogar einen Minister Ignazio La Russa muss man im Fernsehen über sich ergehen lassen, der schreiend das Kruzifix in öffentlichen Gebäuden verteidigt. Der dabei die Augen aufreißt: „Niemals werden wir es abhängen!“, um dann die Lehnen seines Stuhls zu umklammern und mit zum Platzen aufgeblähten Halsadern gleich drei Mal ruft: „Sterben sollen sie! Sterben sollen sie! Sterben sollen sie!“ Kein Hauch des Zweifels rührt ihn, wie grotesk es ist, eines der höchsten Symbole des menschlichen Leids zu verteidigen, indem man Leid verspricht.“

(Übersetzung e2m; mit freundlicher Gestattung des Blogs www.voglioscendere.ilcannocchiale.it/ und des Autors; ich danke dem unermüdlichen Team bei www.italienforum.de/cgi-bin/yabb2/YaBB.pl?board=news , auf die Artikel bei taz und faz, die oben verlinkt sind, aufmerksam gemacht zu haben)

19:23 25.11.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

ed2murrow

e2m aka Marian Schraube "zurück zu den wurzeln", sagte das trüffelschwein, bevor es den schuss hörte
ed2murrow

Kommentare 3

Avatar
rahab | Community