Der NSU-Prozeß und Nazi-Sympathisanten

NSU, Nazis und RAF Fehlt uns ein Radikalenerlaß gegen Alt-Nazis? Ein Verbot der NPD?
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Die NSU-Morde geschahen nur von ungefähr? Den Anstoß für mich, diese „deutschen Dinge“ nochmals in einem anderen Licht zu sehen, nämlich im Licht eines, einst als Sympathisanten der linken Szene Beschimpften, weil ich Hanns Martin Schleyer als Alt-Nazi bezeichnete, gab mir nun am 6. Mai 2013 um 19:15 Deutschlandradio Kultur, die Sendung:

„Ringen mit dem autoritären Vater!

Susanna Filbinger-Riggert: "Kein weißes Blatt. Eine Vater-Tochter-Biografie", Campus Verlag. Von Gemma Pörzgen

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/2098792/

Unsere Kanzlerin ist ein unschuldiges, weißes Blatt? Sympathisanten der rechten Szene, wissentlich und unwissentlich etabliert, bis in die höchsten Ämter unserer Republik? Wie komme ich darauf?

Für mich war Hans Filbinger zu seinen Lebzeiten nie umstritten, was seine Gesinnung betraf und ist es heute erst recht nicht. Als CDU-Ministerpräsident in Baden-Württemberg von 1966 bis 1978 gehörte er zum rechten Flügel seiner Partei. Nach Veröffentlichungen des Schriftstellers Rolf Hochhuth, waren vier Todesurteile gegen Wehrmachtsdeserteure bekannt geworden, die Filbinger 1943 und 1945 als damaliger Marinerichter und NSDAP-Mitglied beantragt und gefällt hatte.

Im Jahre 1978 trat der rechtslastige Politiker nach dem politischen Skandal um seine NS-Vergangenheit endlich zurück. Nach seinem überfälligen, politischen Sturz bemühte sich das Alt-NSDAP-Mitglied bis zu seinem Tod um eine Rehabilitierung. Den Versuch unternahm dann sein Nach-Nach-Nachfolger Oettinger für ihn. Mit Erfolg?

Seine älteste Tochter stellt ihrem Buch nun ein Vorwort voran, in dem sie sich von der Rolle ihres Vaters in der Adolf-Nazi-Zeit distanziert. Einige aus ihrer Familie versuchten das Buch lange zu verhindern, sie fühlten die „Ehre ihres Vaters“ beschmutzt.

Das war ganz im Sinne von Günther Oettinger, er hatte Filbinger bei der Trauerfeier bescheinigt, er sei "kein Nationalsozialist" gewesen, sondern "ein Gegner des NS-Regimes". Ein perfides, dreistes Beispiel für Verharmlosung, Schönreden und von Geschichtsklitterung.

Nach wachsender Kritik gegen seine infame Grabrede für Filbinger, hat Merkel Oettinger 2007 nach Brüssel als Deutschlands EU-Energiekommissar weggelobt. Oettinger bedauerte zwar „verbal“ seine Wortwahl, aber entschuldigt hat er sich dafür nie. Die Kanzlerin Merkel, tadelte den Stuttgarter Ministerpräsidenten nur ganz vorsichtig und dann nie wieder. Und die Mitglieder seiner Landespartei halten auch weiter zu ihm, bis heute. Das läßt tief blicken in die Gesinnung jener CDU, nicht nur dort im Ländle, sondern auch in Berlin.

Haben solche Beispiele etwa nicht zu den NSU-Morden beigetragen? Und unsere Kanzlerin hat diesen Sympathisanten Oettinger auch noch belohnt. - Aber die Kanzlerin ist ein weißes Blatt - gell Günther - Es scheint so in der CDU: Der Fisch stinkt vom Kopf her, während der Rumpf noch teils gesund ist.

10:29 07.05.2013
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Geschrieben von

Peter A Bruns

Die dunkle und die wilde Seite der Seele
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