Unsere Verfassung

Beschneidung Weil ich besorgt bin daß unsere verfassungsrechtliche, körperliche Unversehrtheit zur Disposition gestellt werden könnte, schrieb ich einen Brief an den BVG Präsidenten.
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Datum 27. Sept. 2012

An das Bundesverfassungsgericht

Präsident Richter Prof. Dr. Andreas Voßkuhle

Schloßbezirk 3, 76131 Karlsruhe

Der in Frage stehende GG Art. 2, wegen Beschneidung/Körperverletzung von Säuglingen, Minderjährigen und Schutzbefohlenen.

Sehr geehrter Herr Präsident Prof. Dr. Andreas Voßkuhle,

Wenn ich mich heute an Sie wende, so ist mir natürlich als lebenserfahrener Zeitgenosse (geb. 1942 in Hamburg) respektvoll bewußt, welchen Schriftverkehr Sie täglich zu bewältigen haben. Doch mein Gewissen als Mensch und deutscher Staatsbürger läßt mir keine wirkliche Wahl zwischen Schweigen und Widerspruch. Ich gehöre eben nicht zur „schweigenden Mehrheit“ und das hat in unserer Familie Tradition. Seit meiner frühen Jugend, als politischer Mensch, habe ich in unser Parlament z.B. wegen der Flick-Affäre, nie viel Vertrauen gesetzt.

Den Garanten unserer verfassungsgemäßen, parlamentarischen Demokratie sah ich nur im aufmerksamen, treuhänderischen Wirken unseres Bundesverfassungsgerichts. Obwohl ich mit einigen seiner Entscheidungen nicht übereinstimmte, so verließ mich mein Vertrauen in die grundsätzlich, gültige Entscheidungskompetenz seiner jeweiligen Richter, nie.

Nun bin ich beunruhigt, denn es treibt mich das zur Disposition stehende GG- Gesetz der körperlichen Unversehrtheit um. Ich muß auch erwähnen, daß die Legislative und Exekutive unseres damaligen Staates vor 1945, dessen Rechtsnachfolgerin unsere Bunderepublik ja ist, die körperliche Unversehrtheit meiner Familienmitglieder nicht gerade genau genommen hat, um es nur vorsichtig zu sagen. Ich bin auch von daher ein Verfechter unseres Grundgesetzes und eines laizistischen Staates, der aber unser Grundgesetz, was die Religionsfreiheit betrifft, nicht geändert sehen möchte, weder zu Gunsten unseres Staates noch zu Gunsten irgendeiner Religion.

Wenn nun, durch unsere Justizministerin, zwecks religiös begründeter Beschneidung, Änderungswünsche oder Ergänzungen an das Verfassungsgericht herangetragen werden, (Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes – Sie kennen es genauer.) um aus rein religiös motivierten Gründen (Die Ministerin läßt aber gerade die religiös motivierte Begründung vorsätzlich aus!) die Körperverletzungen von Schutzbefohlenen, Säuglingen und Minderjährigen ohne medizinische Indikation straffrei zu stellen, so würde eine Entscheidung des BVG im Sinne des Antrages der Ministerin, meinen Glauben an das BVG in seinen Grundfesten erschüttern.

Außerdem meine ich, daß eine Ergänzung im Sinne des in Frage stehenden Antrags, weitreichendere Folgen hat, die heute noch gar nicht zu übersehen sind.

An unserer Verfassung ist schon von inkompetenten Politikern viel „herumgedoktert“ worden und nicht immer zu Gunsten und im Sinne der Freiheit des Volkes. Wenn jetzt auch noch die körperliche Unversehrtheit von Säuglingen und Minderjährigen wegen eines religiösen Rituals angetastet werden sollte, so würde mir das den Boden meines Glaubens an die Hüter unserer Verfassung entziehen.

Unter Umständen bliebe mir nur der GG Art. 20 Abs. 4 „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

Verehrter Präsident Andreas Voßkuhle und alle anderen Richterinnen und Richter, ich bin davon überzeugt, daß jeder Einzelne von Ihnen sich der Tragweite seiner Entscheidung bewußt ist. Ja, es mag sich in dieser Angelegenheit nur um ein „kleines Stückchen Haut“ handeln, aber es bleibt real eine körperliche Verstümmelung von Schutzbefohlenen und wir dürfen den Kern unsere humanen Verfassung: die zu schützende körperliche Unversehrtheit, nicht opfern auf den Operationstischen rückwärtsgewandter, religiöser Menschen die ihr Recht auf Religionsfreiheit über unsere, unter Blut und Tränen erkämpfte deutsche Verfassung stellen.

„Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.“ Sagt Konfuzius.

Daß Sie verehrter Herr Präsident Voßkuhle und die anderen Richterinnen und Richter in diesem aufklärerischen Sinne ihre Entscheidung treffen werden, darauf baue ich.

Mit freundlichen Grüßen und meiner vorzüglichen Hochachtung bleibe ich bis dahin

Ihr

Peter A. Bruns

12:00 03.10.2012
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Geschrieben von

Peter A Bruns

Die dunkle und die wilde Seite der Seele
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