Angolas neue Finanzelite

Afrika Angola setzt auf die Ausbildung neuer Führungskräfte für die Finanzwirtschaft. Es soll der Anfang einer neuen Entwicklung im afrikanischen Land sein
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Jahrzehntelang waren die Bodenschätze das Einzige, was die Regierung Angolas gefördert hat. Offenbar soll jetzt ein noch größeres Potential angezapft werden. Der zweitgrößte Erdölproduzent Afrikas will die eigene Jugend für den internationalen Geschäftsverkehr qualifizieren.

In Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat das Land das “Future Leaders of Angola”-Stipendium gestartet. Knapp 50 Studenten erhalten ein „maßgeschneidertes Weiterbildungsangebot“ mit den Schwerpunkten Vermögensverwaltung und Wirtschaftsförderung sowie wirtschaftsethische Fragen, schreibt die ZHAW.

Angolas Wirtschaft basiert fast ausschließlich auf den Einnahmen aus der Rohölproduktion. Das Programm auf "Executive-Level" soll der Anfang einer neuen wirtschaftlichen Entwicklung für das afrikanische Land werden, glauben die Initiatoren. Diversifikation als der Begriff der Stunde. Aber kann die Ausbildung einer neuen Finanzelite tatsächlich der erste Weg sein für einen nachhaltigen Wandel Angolas, wo der Großteil der Bevölkerung weiter in Armut lebt?

Social Charta

Natürlich nicht, sagt José Filomeno Dos Santos vom angolanischen Staatsfonds Fundo Soberano de Angola (FSDEA), der das Projekt finanziert. „Aber wir sind überzeugt, dass man irgendwo anfangen muss und am besten den Hebel dort ansetzt, wo er eine große Wirkung erzeugt.”

Die Investition in Bildung sei Teil einer “Social Charta” des 5 Milliarden US-Dollar Staatsfonds, so der FSDEA-Aufsichtsratsvorsitzende Dos Santos. Die Anlagestrategie hat bei einigen internationalen Beobachtern für Verwunderung gesorgt: der Fokus von Staatsfonds liegt normalerweise weniger auf Investitionen im Sozialbereich als vielmehr auf Immobilienwerte, die hohe Sicherheit und Rendite versprechen.

Die Realität in Angola scheint indes den Schritt des FSDEA zu rechtfertigen: Die Hochschul-Infrastruktur ist auch 13 Jahre nach Ende des Bürgerkrieges weiterhin eines der Sorgenkinder des Landes. Seit Jahren steigt aber auch das Interesse ausländischer Unternehmen in Angola zu investieren. Hier setze das Programm an, sagt Dos Santos. Um im internationalen Geschäftsverkehr Vertragswerke zu verstehen und zu schaffen, die nicht ausschließlich Investoren sondern dem Land und seiner Bevölkerung langfristige Einnahmen einbringen, brauche es Experten. “Future Leaders of Angola” biete angolanischen Studenten jetzt eine Management Weiterbildung auf internationalem Niveau.

“Wenn wir die Menschen ausbilden, die materiellen Werte Angolas wirtschaftlich nachhaltig zu nutzen und zu managen, dann übt dies eine grosse Hebelwirkung auf die weitere Entwicklung aus," ist Dos Santos überzeugt. Das Programm könne helfen die angolanische Volkswirtschaft tiefgreifend anzustoßen. Immerhin, die Nachfrage nach lokalen Managern auf dem Boom-Kontinent ist offenkundig. Die internationale Hotelbranche, schreibt die Financial Times, steht in Afrika längst in den Startlöchern, um für Geschäftskunden im Binnenmarkt und aus dem Ausland neue Event- und Übernachtungsmöglichkeiten zu finanzieren. Ein Milliardenmarkt.

Korruptionsbekämpfung

Die Absolventen des 6-monatigen Executive-Lehrgangs werden der Anfang einer neuen „wirtschaftlichen Entwicklung“ sein, davon ist auch Daniel Seelhofer überzeugt, Leiter der Abteilung für International Business an der ZHAW School of Management and Law (SML).

“Wir gehen davon aus, dass (die Absolventen) eine spürbare Wirkung erzielen können, nicht zuletzt, weil sie das Gelernte in ihren künftigen Jobs in Angola weitergeben werden.” „Future Leaders of Angola“ - ein Projekt mit Pilotcharakter.

Die Hochschule habe in erster Linie die Chance gesehen, mit dem Kurs zu einer Verbesserung der Situation vor Ort beizutragen. ”Im Curriculum haben wir großen Wert auf Themen wie Unternehmensverantwortung, Compliance und Korruptionsbekämpfung gelegt und die Teilnehmenden dafür sensibilisiert,” betont Seelhofer. Waren diese Themen für einige noch „völlig neu“, so wären sie von allen Studenten sehr geschätzt worden. Eine nicht unwichtige Errungenschaft.

Transparenz?

Angolas Präsident José Eduardo dos Santos ist seit über drei Jahrzehnten an der Macht. Das Land steht auf Platz 153 von 177 im Corruption Perception Index 2013 von Transparency International. Die ZHAW war sich der Herausforderung bewusst. Man habe die Studenten durch SML-Dozierende vor Ort nach „rein sachlichen Kriterien" ausgewählt; die Prüfungen fanden alle in der Schweiz statt.

Manche Versprechen der Regierung Angolas sehen internationale Beobachter dennoch weiterhin kritisch. Und dass der Sohn des Präsidenten den 2012 gegründeten Staatsfond vertritt, untermauert nicht gerade gut gemeinte Absichten. Ein Kritikpunkt, den José Filomeno Dos Santos nicht stehen lassen will: “Der FSDEA war von Anfang an darauf angelegt, dass er auf einer seriösen Finanzplanung aufbaute und sich an den besten Transparenz-Regeln orientierte.” Seit Herbst 2014 ist Angolas Staatsfond Mitglied des Internationalen Forums der Staatsfonds (IFSWF).

Die Gruppe aus weltweiten Vertretern von Staatsfonds handelt nach einem Regelwerk aus 24 Grundsätzen, in Bezug auf Transparenz, Verwaltung und Verantwortung: den so genannten “Santiago Principles”. Der Kodex aus dem Jahr 2008 ist das Resultat einer freiwilligen Zusammenarbeit zwischen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Internationalen Arbeitsgruppe der Staatsfonds.

Außer den USA, Kuwait und Norwegen sind für Afrika neben Angola bisher lediglich drei weitere Länder des Kontinents Mitglied im IFSWF: Nigeria, Botswana und Libyen. Dos Santos sieht die Aufnahmen in die internationale Gruppe daher auch als Bestätigung seiner Politik für den FSDEA und wohl ebenso als Versprechen an die Bevölkerung Angolas.

Neue Impulse

Gleichwohl kann die Kooperation zwischen dem FSDEA und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften nur ein erster Schritt Richtung Wandel für Angola sein. Damit die Weiterentwicklung der Volkswirtschaft auch bei den Ärmsten ankommt, muss die Bekämpfung der Korruption ein zentraler Punkt sein. Nur so entsteht Raum für unabhängige Institutionen, die ein transparentes Unternehmensklima schaffen.

Der 28-jährige Joao Dala ist einer der ersten „Future Leaders of Angola“-Absolventen. Per Email schreibt er, dass er nach der Erfahrung in der Schweiz einen Master in Finanzwesen aufnehmen möchte, um als zukünftiger Dozent endlich neue Impulse im Land setzen zu können: „Die Anwendung dieses Wissen in Schulen kann die Mentalität verändern, " so Dala, "hin zu besseren Geschäftsentscheidungen für Angola“. Der Erfolg des Programms hängt am Ende auch von den Absolvente selbst ab.

23:02 27.05.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

E.F. Kaeding

E.F. Kaeding arbeitet als Politik- und Kulturjounalist. Er schreibt u.a. für die Hamburger Taz und das Netzmagazin Telepolis
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