Strunz dürfen sich erlauben!

TV-Duell Warum sich niemand über das Verhalten, die Person und die Fragen von Claus Strunz im großen "Kanzlerduell" wundern muss
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Beginnen wir mit dem Godfather of Krawallrhetorik der alten BRD: "Vox populi, vox Rindvieh". Das Bonmot des großen Franz Josef beliebt es zuweilen, sich in einer Person zu manifestieren – gestern Abend war dies Claus Strunz, Journalist eines der wichtigsten und meinungsprägendsten Rundfunkanstalten, dem "Powered-by-Emotion"-Sender Sat 1. Von großen Gefühlen, insbesondere den dumpfen und dunklen die im Deutschland unserer Tage raumgreifend umherwabern, machte die "Welt"-, "Bild-" und N24-Koryphäe denn auch reichlichen Gebrauch.

Strunz ist Deutschland - Deutschland ist Strunz

Strunz blieb, die ganze Sendung hindurch, ganz bei sich. Er blieb unparteiisch, zumindest was die Parteinahme zugunsten von SPD und CDU anging – er griff beide gleichermaßen an und machte sich so zum Advokaten einer Alternative, die sich diesen Begriff bereits im Parteinamen trägt. Munter mit rechtspopulistischen Schlagwörtern jonglierend, falsch und unvollständig, aber brusttonempört vorgetragen machte er aus der Zwei- eine Dreiparteienveranstaltung und holte Gauland, Weidel & Petry mit ins Studio.

Der große "Klartexter" (Eigenwerbung Sat 1) machte aus seiner Gesinnung keinen Hehl und die anderen Journalisten sahen schweigend zu. Sandra Maischberger, Trägerin des Reyno-Passivrauchordens – sie schwieg. Peter Kloeppel bliebt das gutmütig nuschelnde Steifftier. Mit im Studio für den Sport: Maybritt Illner, guckte, fragte brav, stand neben Strunz - und sagte nichts während neben ihr munter journalistische Prinzipien verletzt wurden und Strunz tendenziös, teils boshaft und keinesfalls mit der gebotenen Neutralität weiterfragte.

"Wann sind die weg?"

Es brauchte dieses TV-Duell nicht um festzustellen, dass sich längst in Deutschland eine dumpfe, stinkende Brühe ausbreitet auf der ganz oben als Fettaugen Alexander Gauland, Alice Weydel und eben auch Claus Strunz schwimmen - notabene Björn Höcke als braunes Grießklösschen weiter unten im Suppentopf. Gemeinsam mit den braunen Kolonnen, die sie tagtäglich und freiwillig in der populistischen Agitationsplattform Facebook unterstützen, sickert diese toxische Suppe ins politische Grundwasser ein und wird langfristige Folgen haben. Schon heute blubbert dieses Gemisch überall hervor - beispielsweise in der Werbung.

Denn Strunz wähnt sich mit seiner Selbstbedienung im rechten Kühlregal zurecht völlig auf der Höhe der Zeit: So darf sich ein von den lokalen Politikern gehypter Fruchtsaftpürierer aus Bonn ungehindert Sprüche wie "Schafft es selten über die Grenze!" neben einer schwarzen Saftflasche plakatieren und sich für sein "freches" Marketing feiern lassen. Total flippig, scharf und unkonventionell - genau wie der Arrabiata-Journalismus á la Strunz .

Empört Euch? Lieber nicht. Denn wer daran etwas auszusetzen hat, soll laut herrschender Facebook-Meinung "zum Lachen in den Keller gehen". Dorthin, wo die braune Brühe schon bis zu den Knien steht.

08:27 04.09.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 1