Bauer: Raffzahn oder Bauer: Opfer

Milchpreis: Die Landwirte protestieren der Milchpreis ist zu niedrig, viele bangen um ihre Existenz.
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Einführung der Milchquote

Im Jahr 1984 führte die Europäische Gemeinschaft eine Quotenregelung ein, um die Milchproduktion der Mitgliedsstaaten zu beschränken. Eine Einschränkung der Produktionsmenge wurde nötig, da bereits Ende der 70er Jahre die Milcherzeugnisse den Markt überschwemmten. Um den Milchmarkt zu stabilisieren, wurde die Angebotsmenge gesenkt und auf einem konstanten Level gehalten. Somit konnten die Landwirte auf einen relativ stabilen Markt zurückgreifen und bekamen Planungssicherheit durch die stabilen Preise .

Das Ende der Regelung

Am 1. April 2015 endete diese Regelung. Der Deutsche Bauernverband begrüßte dies wegen der anhaltenden Erfolglosigkeit der Milchquote, schließlich habe der Preis, seit Einführung der Quote, um bis zu 20 Cent pro Liter geschwankt. Somit schätzt der Verband weiter ein, seien die Milchbauern, durch die Quote, um bis zu drei Milliarden Euro belastet worden. Dieses Geld fehlte für Investitionen und führte deshalb zu eher unterdurchschnittlichen Einkommen in Milchviehbetrieben. Derzeit gibt es in Deutschland nur noch ca. 78.000 Milcherzeuger.

Chance oder Risiko

Die EU-Kommission begründet die Abschaffung hauptsächlich damit, dass der Exportmarkt für Milchprodukte jährlich größer wird. Zum Beispiel der Markt in China, Chinesen zahlen für die gute, deutsche Milch bis zu 3,50€ je Liter. Folglich dürften alle großen Betriebe, die genug Milch für den Export produzieren, von der Abschaffung der Quote profitieren. Das Risiko besteht jedoch für die kleinen Betriebe, die nicht genug Milch produzieren, um in den Genuss des profitablen Exportgeschäftes zu kommen.

Aktuelle Situation

Das Argument der Landwirte ist unisono: Ein Liter Milch kostet weniger als ein Liter Mineralwasser. Davon könne man nicht leben! Wahnsinn, das empört mich richtig, denn ich habe für meine 1,5 Liter Flasche Mineralwasser 19 Cent und für meinen Liter Milch 55 Cent bezahlt. Selbst der Abnahmepreis der Milch der zw. 21-23 Cent liegen soll, liegt damit noch über dem Mineralwasserpreis. Vermutlich kaufe ich die falschen Produkte, denn ein Liter Selters kostet 89 Cent, da ist die Milch tatsächlich billiger, aber wenn ich original Selters kaufe, dann doch auch Milch von Glücksklee[...]. Dieser Vergleich passt also hinten und vorne nicht aber hört sich wirklich gut an. Starke Argumente begleitet von wütenden Protesten der Milchbauern in Brüssel haben dazu geführt, dass sogleich ein 500 Mio. Euro Rettungspaket für die armen Bauernopfer geschürrt wurde.

Der Markt

Der Markt reagiert nicht so wie erhofft. Denn der Markt reguliert sich selbst. Das Angebot übersteigt derzeit deutlich die Nachfrage, dazu kommen Exportverbote und amerikanische Produkte, die auch nach China exportiert werden. Folglich ist der Absatz nicht hoch genug, um den kalkulierten Preis zu erzielen. Deshalb gibt die EU erstmal eine Art Überbrückungsgeld.
Aber was passiert danach? Kleine Betriebe werden verschwinden und größere Betriebe profitieren von den neuen freien Lücken im Markt. Der Verband der deutschen Bauern fordert demnach eine Rückkehr zur Milchquote, mit der alle irgendwie über die Runden kamen? Nein! Viel wichtiger ist dem Verband die Schaffung neuer Absatzmärkte für ihre Milchprodukte.
Zusammenfassend: die Mehrzahl der Landwirte wollte die Abschaffung der Milchquote, nun die Unterstützung bei dem zu niedrigen Marktpreisen und künftig einen größeren Exportmarkt. Es ist Schade, dass durch diese Art der Wirtschaft die kleinen Bauern zu Opfern werden. Diese Politik hilft nur den Großen größer zu werden. Wachstum um jeden Preis aber nicht für jeden Preis, wer wird die Quittung zahlen? Die Tiere, der Steuerzahler und der Endverbaucher.

eichwe
14:04 09.09.2015
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eichwe

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