Die Willkommens-euphoriebremse

Flüchtlinge: Das Bild eines kleinen, toten Jungen aus Syrien, ging um die Welt und wurde zum Auslöser einer Willkommenseuphorie in Deutschland. Aber kann das auf Dauer gut gehen?
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Der Weg der Flüchtlinge von Syrien nach Deutschland ist lang, gefährlich und sogar tödlich. Häufig zahlen sie einen hohen finanziellen Preis und einen noch viel höheren menschlichen Preis, um sich Schlepperbanden anzuvertrauen, die sie auf ungewissen Pfaden nach Europa führen sollen. Sie haben zu Hause alles verloren und sehen dort keine Zukunft mehr. Aber was ist mit denen, die sich die Flucht nicht leisten können, die armen der Armen, die trotz Hoffnungslosigkeit und Zerstörung ihrer Heimat, keinen Ausweg haben und sich mit der Situation arrangieren müssen? Der syrische Krieg dauert seit März 2011 und ein Ende ist nicht in Sicht.1 Ist Syrien zu weit weg, sind Bilder von toten Kindern in zerfallenden Städten weniger empörend, als andere? Oder fehlen hier nur Herr Schweiger und eine große bunte Zeitung, die die Stimmung für oder gegen etwas anheizen? Als Joachim Gauck davon sprach, dass Deutschland mehr Verantwortung übernehmen und sich mehr an den Lösungen auch militärischer Konflikte beteiligen soll2, wäre mit Hinblick auf Syrien eine humanitäre Hilfe angebracht gewesen. Ein UN-Korridor der als Zufluchts- und Auffanglager der Flüchtlinge fungiert, Erstversorgung und Hilfe bietet. Von dort wäre eine Aufteilung aller Flüchtlinge unter anderen Staaten und ohne größere Gefahren möglich gewesen. Stattdessen kamen Waffenexporte z.B. an die Peschmergakämpfer und das Credo der Markt reguliert sich selbst.

Wer also sind diese Flüchtlinge die uns jetzt erreichen? Viele von ihnen wurden an den Grenzen nicht erfasst, es ist unklar welche Rolle sie in ihren Heimatländern innehatten. Nur so viel ist sicher: sie haben eine lange, grausame Reise hinter sich und brauchen Menschlichkeit, die ihnen entgegengebracht wird. Das steckt an, aber Euphorie verschwindet auch wieder und dann folgt meist die Ernüchterung. Die politisch gewollten schlechten Unterkunftsbedingungen 3, die langen Wartezeiten der Asylanträge usw. Wann erkennen die Flüchtlinge, dass nicht alles in Deutschland gut ist, wann rumort es? Frau Merkel hat die Stimmung des Volkes aufgegriffen und verkündet: ‚Jo’, „wir schaffen das“, also the german 'yes, we can', aber was ist mit dem Pack in Deutschland? Sind das alle Neonazis, ist das alles Pack, welches man ignorieren und ausgrenzen sollte? Warum hat sich das Buch von Thilo Sarrazin gut verkauft, weil es literarisch überzeugt hat oder weil es Ängste geschürt hat? Diese Ängste hat Merkel nicht verstanden abzubauen, Worte wie: 'Keinem Deutschen wird es schlechter gehen als einem Flüchtling, wir sind ein großes solidarisches Volk, indem niemand ausgeschlossen wird und unter die Räder kommt!'werden wir wohl nie von ihr hören. Ängste entstehen dort, wo Ungewissheit herrscht. Die Rechtsextremen wissen dies geschickt zu nutzen, schließlich ist Faschismus, einfach gesagt, die Erhöhung einer Gruppe über eine andere, hier der ängstlichen Deutschen über die Flüchtlinge.

Was also passiert wenn die Welle der Euphorie verebbt? Helft den Menschen, unterstützt die Flüchtlinge aber tretet bitte auf die Bremse! 'Nicht jeder Flüchtling ist gleich ein neuer Mitbürger'4 und 'es ist etwas anderes, Millionen von Migranten in eine Industriegesellschaft zu integrieren, als ihnen Wasser zugeben.'5

Post Scriptum: Das Internet ist für Frau Merkel #Neuland. Für Flüchtlinge, IS und BND/NSA jedoch nicht. Die Informationen von offenen Grenzen und unkontrollierter Einreise bietet einer bestimmten Klientel, jedoch die Möglichkeit ihren Terror ganz einfach nach Deutschland zu tragen. Die Beschneidung der Bürgerrechte für mehr Sicherheit durch BND/NSA verkommen dadurch endgültig zur Farce.

Ich möchte mit meinem Beitrag zum Nachdenken anregen.

Willkommenseuphoriebremse: Verschießt nicht gleich zum Anfang das ganze Pulver, sondern hebt euch auch etwas für später auf.

Ich bin dafür, dass den Flüchtlingen unkompliziert geholfen wird. Allerdings favorisiere ich einen europaweiten Standard der allen Flüchtlingen, egal in welchem europäischen Land sie sich befinden zu Gute kommt. Eine provozierte Eskalation wie in Ungarn, die zu einem Schnellschuss Deutschlands führte, soll es in Zukunft nicht mehr geben. Deutschland Führungsrollte liegt im vertrauensvollen Dialog mit den anderen EU-Mitgliedsstaaten.

autor: eichwe
15:10 06.09.2015
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eichwe

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