Einuhr

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RE: Im Zeichen der Schildkröte | 01.06.2009 | 02:49

Im Zeichen der Kröten
Ja, Tarkan kam und der Saal wurde von der besonderen Erregung erfasst, die wohl nur Stars verursachen können. Seine Ausstrahlung hatte auch die letzte Reihe des Saales erreicht, wo ich saß.
Allerdings änderte auch die Anwesenheit eines Popstars nichts an der Ernsthaftigkeit des Abends. Herr Henkel vom Bundeswirtschaftsministerium hatte deutlich Schwierigkeiten mit seiner zurechtgelegten Argumentationskette für eine deutsche Beteiligung an diesem in der Türkei sehr umstrittenen Projektes. Die türkische Regierung ist fest entschlossen....die Türkei, ein großes Land, kann es sich auch ohne ausländische Banken leisten....die deutsche Beteiligung, gerechnet auf 7 Jahre, denkbar gering....also ökonomisch kaum lohnend überhaupt mitzumachen....doch wir möchten trotzdem mitmachen, damit wir wenigstens ein bisschen Einfluss auf die Gestaltung nehmen können.... AHA, da ist er wieder der deutsche Pädagoge! Ich fragte mich, was denn besser an einer Natur- und Kulturzerstörung werden sollte, wenn denn die Deutschen, Österreicher und Schweizer mitmachen und ausser Geld noch das Knowhow dafür liefern.
Als halbe Politologin musste ich mir dann von einer sehr geschätzten Freundin sagen lassen, dass nun mal Politik anders funktioniert. Wie denn? Wenn wir ein ungeliebtes Vorhaben sowieso nicht verhindern können, aber die Möglichkeit besteht, dass wir eventuell ein paar Kröten verdienen, wenn wir ein paar Kröten zerstören und ein paar Leute umsiedeln, dann machen wir trotzdem mit!
Die Zweifel an der Argumentation waren auch Herrn Henkel selber deutlich anzumerken. Er fühlte sich merklich unwohl. Denn natürlich waren die meisten Leute nicht gekommen, um sich Politik anzuhören, sondern es ging ihnen selbstverständlich um weit höhere Ideale und moralische Grundsätze. Mit Geld kann man eben nicht alles aufwiegen. Wer der gleichen Meinung ist sollte sich weiter informieren und auf jeden Fall die Petition an die UNESCO unterstützen: www.stopilisu.com/front_content.php

Dazu passte auch der zweite Teil der Veranstaltung mit Tarkan, als glamouröses Zugpferd, um auch unpolitische junge Menschen zu erreichen. Doch Tarkan ist nicht nur ein Zugpferd für eine gute Sache, sondern er ist erwachsen geworden und nimmt nun auch außerhalb seiner tanzbare Popsongs mit simplen Texten, durchaus an Charakter und Form an.