Goethe in China

IM PAKT MIT DER WEIMARER KLASSIK Beim Aufbruch ins nächste Jahrtausend beruft man sich in der Volksrepublik auf den "Faustgeist"
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Der unvergleichliche poetische Reichtum und die Vieldimensionalität der chinesischen Schriftsprache lassen sich erahnen aus der Schreibweise des Namens Goethe: Lautmalerisch ist er gebildet aus den Silben GE und DE, die aber als Zeichen ihrerseits auch die Bedeutung von "Lied" (de) beziehungsweise "Moral/Tugend" und gleichzeitig "deutsch" (de) haben; wer also in China "Goethe" sagt beziehungsweise die beiden Schriftzeichen liest, der sagt/liest auch mit: "deutscher Liederdichter" oder "deutscher Tugendsänger". Am Vorabend - und das wohl nicht ganz zufällig - der pompösen Inszenierung des 50. Jahrestages der Volksrepublik wurde auch "Goethe in China" gefeiert: mit einem großen Festakt in Beijing, bei dem kulturelle Prominenz bis hin zur stellvertretenden Kultusminis