Die Wahrheit ohne Gel und Tadel

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Herzlichen Glückwunsch! Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg feierte am 5. Dezember 2011 seinen 40. Geburtstag.

Schöne Bescherung!

Er wird feiern. Er wird sich feiern lassen. Von wem eigentlich? Von der Bayreuther Uni, die ihm ein "summa cum laude" attestierte, obwohl sie seine (nein, eben nicht "seine") Doktorarbeit gar nicht mit der gebührenden Sorgfalt geprüft hat? Von seiner Partei, der er verbal kräftig gegen das Schienbein trat? Selbst ein "Ermüdeter", wie der Ex-Bayernkurier-Chefredakteur Scharnagl, wurde ein wenig "lebendiger", als er sich zu seinem Freund Guttenberg äußern sollte. Und die CDU? Erst flocht sie dem Mann Kränze, der, gleichsam wie Phönix aus der Asche, den Konservativen einen Sympathiezuwachs ungeahnten Ausmaßes bescherte. Jetzt denken Merkel und Co. insgeheim: 'Schöne Bescherung!'

Über das Wahre, Schöne und Gute

Mit 40 Jahren darf man sich in Deutschland zum Bundespräsidenten wählen lassen. Man glaubt also, dass in diesem Alter die Weisheit die Oberhand gewonnen hat. Das könnte doch bedeuten, dass sich Freiherr von und zu Guttenberg einen Ruck geben könnte (ganz im Sinne des Ex-Bundespräsidenten Roman Herzog) und in einem Interview mal über das Wahre, Schöne und Gute (und damit sind keinesfalls nur Äußerlichkeiten gemeint) sprechen würde. Ehrlich und schonungslos. Auch sich selbst gegenüber. Und eben nicht ständig und immer andere Menschen, widrige Umstände und was sonst noch für seinen Täuschungsversuch verantwortlich zu machen. Auch das von ihm ins Feld geführte Zeit-Dilemma für die zu schreibende Dissertation ist nur ein Scheinargument. Er hätte diese Arbeit ja gar nicht zu schreiben brauchen. Der Fahrstuhl wäre mit ihm auch ohne "Dr." nach oben gefahren.

Ein eitler Freiherr

Es war die Eitelkeit, die zu Guttenberg zu Fall brachte. Ein Adliger und Akademiker, der für seinen Vornamen allein schon eine klappbare Visitenkarte braucht. Da macht sich dann ein "Doktor" doch auch ganz gut. Erinnert sei - sinngemäß - an sein Statement, als sein Täuschungsversuch ans Licht der Öffentlichkeit gelangte: "Ich lasse meinen Doktortitel so lange ruhen, bis die Vorwürfe gegen mich entkräftet sind. Aber nur so lange!" Wie einen Peitschenhieb schob er den letzten Satz nach. Etwas hämisch und ganz gewiss siegessicher.

"Sag die Wahrheit" heißt eine Sendung des SWR. Es könnte auch eine Bitte und Aufforderung an Zu Guttenberg sein, wenn er denn nochmals in die Politik zurück möchte. Viele Menschen sind eh schon politikverdrossen. Das Land braucht gewiss keine Täuscher, Trickser und Lügner mehr. Schon gar nicht in der Politik oder im Wirtschafts- und Finanzbereich.

13:16 06.12.2011
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Geschrieben von

paulart

"Humor ist der Knopf, der verhindert, daß uns der Kragen platzt." (Joachim Ringelnatz)
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