ElectroDJ

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RE: Trillerpfeifen-Attacke gegen Callcenter-Mitarbeiterin | 16.04.2013 | 16:27

Ich habe in einem Callcenter gearbeitet und wurde ebenfalls ein Opfer von so einem Trillerpfeifenangriff. Danach blieb ein pfeifendes Ohrgeräusch zurück. Ich musste zwei Wochen lang im Krankenhaus mit Infusionen behandelt werden. Danach war ich mehrere Wochen im Langzeigkrankenstand. Schließlich wurde ich entlassen und bin in Hartz IV gefallen. Wenn man bei Vorstellungsgesprächen darauf hinweist, dass man wegen Tinnitus keine laute Arbeitsumgebung mehr verträgt und sich diesem Risiko nicht mehr aussetzen will, dann kann man gleich wieder nach Hause gehen. Ausserdem bin ich eine ehrliche Haut. Ich habe ins Arbeitszeugnis eintragen lassen, dass ich das Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen verlassen habe. Inzwischen gelte ich daher als schwer vermittelbar. Das heißt, dass man mich nun weitgehend in Ruhe lässt. Wegen des Tinnitus bin ich nach wie vor in Behandlung. Ich bekam noch zwei Jahre lang Medikamente, inzwischen wurde das aber eingesellt, da keine Besserung mehr eintrat. Aber ich werde regelmäßig psychosomatisch behandelt und nutze regelmäßig Akupunktur, Akupressur und Kuren.

Vor einem halben Jahr habe ich auf Betreiben der ARGe nochmal einen Anlauf genommen. Es war zwar nur ein reiner Sachbearbeiterjob ohne direkten Kundenkontakt, aber in den ersten beiden Arbeitswochen wurde der Tinnitus wieder deutlich schlimmer, sodass ich mich gleich krankschreiben lassen musste. Zwei Wochen Krankenschein in der Probezeit, da weiß wohl jeder, was das heißt. Beim Krankenrückkehrgespräch konnte ich gleich die Kündigung in Empfang nehmen.

Durch so eine Trillerpfeifenattacke kann man das Leben eines Menschen zerstören! So ein Tinnitus ist kaum auszuhalten! Die 800 € Bußgeld sind da nur ein schlechter Witz, zumal der Allgemeinheit ein viel höherer Schaden entsteht. Meine Behandlungskosten und die dauerhafte Arbeitsunfähigkeit kostet die Krankenkasse zehntausende. Diese Kosten sollte sich der Staat von diesen Trillerpfeifenterroristen wiederholen.

Die hat mich zwar nicht umgebracht, hat mir aber mein Leben genommen. Mit so einem ständigen Pfeifen im Ohr, das ist doch kein Leben mehr!

Im Ürbigen hieß es bei der Stellenausschreibung "Callagent Inbound für IT-Support". Also DSL-Kunden bei der Routereinrichtung helfen. Aber in den Sommermonaten wenn weniger los ist, haben sie mich in die Outboundtelefonie gesteckt.

Das wird immer so gemacht. Wenn das Anrufaufkommen so nachlässt, dass die Hotliner nicht gewinnoptimal ausgelastet sind, dann werden Mitarbeiter aus der Hotline rausgenommen. Bei den tageszeitlichen Schwankungen wir Morgens, Mittags und am späten Abend werden von vorn herein weniger Mitarbeiter verplant und die überzählgen für Backofficearbeiten eingesetzt. Bei saisonalen Schwankungen wie im Sommer werden zuerst Zeitarbeitskräfte freigesetzt, wenn das nicht reicht werden Stammarbeitskräfte in den Outbound gesteckt.

Man macht es also nicht freiwillig.

Aber nach dieser Trillerpfeifenattacke ist für mich das Leben gelaufen. Die verbleibenden 20 Jahre bis zur Rente werde ich wohl von Hartz IV leben müssen.