Elias König

Elias König lebt in Berlin. eliaskoenig@protonmail.com
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RE: Von den Geistern, die Europa rief | 02.07.2019 | 11:15

Leider vorwiegend in englischer Sprache. Die Arbeiten von Bruno Latour, die noch größtenteils übersetzt sind, sind meiner Meinung nach ein guter Anfang. Diesen Herbst wird das "Ecotopian Lexicon" von Bellamy und Schneider-Schneider Mayerson erscheinen, in dem die Auter*innen 30 Konzepte aus dem globalen Süden oder subalterner Theorie vorstellen, die in Zeiten des Klimawandels relevant sein könnten. Spannend finde ich auch die Bücher von James Miller zu Daoismus und Ökologie - nicht nur des Inhaltes wegen, sondern auch der innovativen Methodologie.

RE: Von den Geistern, die Europa rief | 26.06.2019 | 19:08

Ich glaube, die Barbarei ist der Form der "westlichen Demokratie" schon inhärent. Übrigens halte ich die dichotomische Gegenüberstellung von "Westlicher Demokratie" und "Barbarei" (was für ein Begriff!) für sehr koloniale Rhetorik. Das soll jetzt aber nicht als Bekenntnis zum Autoritarismus in anderen Teilen der Welt gelesen werden. Ich glaube, gerade der Blick über die schöne asiatische Halbinsel Europa hinaus zeigt aber, dass nachhaltiges demokratisches Leben im Einklang mit Natur und Gemeinschaft durchaus möglich ist.

RE: Von den Geistern, die Europa rief | 26.06.2019 | 19:03

Danke für den umfassenden Kommentar, Herr Leusch.

In dem Beispiel mit Kaiser Ai ging es mir weniger um den konkreten politischen Inhalt der Maßnahmen. In der Tat umfassten diese auch weitere, aus heutiger Sicht völlig „ineffektive“ Rituale, wie etwas Opfergabe an verschiedene Gottheiten. Vielmehr war die Intention, darauf hinzuweisen, welch große, politikbestimmende Rolle Naturereignisse in anderen Gesellschaften haben können. Ich habe nämlich leider so ein bisschen das von vielen geteilte Gefühl, dass die meisten Herrschende Naturkatastrophen (und den Klimawandel – den größeren Rahmen) eben nicht ernst genug nehmen.

Mit Bezug auf Lissabon etc, wollte ich hier nochmal explizit machen, dass meine These keine atavistische sein soll: Es geht mir nicht darum, für die Regression in irgendwelche vormodernen, religiös geprägten Überzeugungssysteme werben. Natürlich brauchen wir neue Ansätze. In der Formulierung jener ist aber die westliche Philosophie aufgrund ihrer grundlegenden Ignoranz gegenüber der Natur der wohl schlechteste Ausgangspunkt – andere philosophische Tradition können das viel besser.

Der Begriff „Elite“ ist hier bewusst provokant gesetzt. Ich stimme natürlich zu, dass das Problem im System liegt, aber gleichzeitig ist es meiner Meinung nach wichtig, darauf hinzuweisen, dass ein Großteil der weltweiten Co2-Emissionen von einem relativ kleinen Anteil der Weltbevölkerung verursacht wird. Hier setzt ja auch beispielsweise die Kritik an Begriffen wie dem Anthropozän an, die implizieren, die gesamte Menschheit sei für die Verunstaltung unseres Planeten verantwortlich – am Ende gab es eben schon Demographiegruppen, die deutlich mehr daran beteiligt waren/sind.

Der ökologischen Fehltritte der Sowjetunion stärken ja eigentlich nur die These des fundamentalen Defekts der Idee der Emanzipation des Menschen auf Kosten der Natur.

Viele Grüße, Elias