Kurzrezension zu Slender Man

Horrorfilm Die Hauptproblematik des Film ist, daß audiovisueller Lärm und Geschreie noch lange keinen gelungenen Horrorfilm machen.
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Der Kinosaal war bereits spärlich besucht, und so muß auch der Hintergrund der Verfilmung gelesen werden. Der Slenderman wurde 2009 als Internet-Meme geboren und erlebte besonders in Europa 2012 seinen Höhepunkt. Unzählige Videospiele mit primitivem Spielprinzip überfluteten die Foren und Games-Magazine, doch einte sie alle eines: eine relativ dichte Atmosphäre bei absolutem Minimalismus. Daß nun Hollywood dieses Phänomen 9 Jahre nach Entstehung für sich erkannte, zeigt zwei Dinge auf: der traditionelle Horrorfilm steckt in einer ernsthaften Sinnkrise und verwertet seit knapp 20 Jahren in ermüdender Wiederholung altbekannte Muster. Dementsprechend gering war auch der Hype um den Film Slender Man, welcher bereits in einer sehr freien Rezeption von Pascal Laugier als The Tall Man sein Debut feiern durfte, die vermeintliche Fanbasis jedoch mitnichten zufrieden stellen konnte. Der hier vorliegende Film ist sowohl Anekdote als auch ein Geschenk an die ursprüngliche Idee, doch gerade das verbaut ihm jedwede Innovation.

Die teils gegen den Strich gekämmte Dramaturgie wird durch gezielte Soundeffekt-Schocks konterkariert, was den Spannungsaufbau ad absurdum laufen läßt, obgleich der Versuch unternommen wird, psychologischen Horror mit handelsüblichem Thriller zu kombinieren, wobei gerade die Stärken des Films dann zum Vorschein kommen, wenn er die Ungewißheit weiter maskiert. Doch gerade der daraus kolportierte Bruch zwingt den Film letztlich zur Rückkehr in die Tradition, wenn Realität und Fiktion bis in die Unendlichkeit verwischt wird, ohne einen Standpunkt zu erarbeiten. Doch das ist faktisch irrelevant, denn es geht hier nicht um die anfangs angedeutete psychologische Komponente, sondern um den Transportion des lauten Horrors mittels ausschließlich audiovisuellen Schocks. Dadurch wird der sehr mageren Grundidee der Position geraubt, eine dicht an das Original gesetzte Meme ausformulierte Interpretation zu ermöglichen.

Die Sympathieträgerin verkommt zu einer Stichwortgeberin, deren Wandel der in der Realität verankerten Schülerin zur Personifizierung der menschlichen Angst im Angesicht des Namensgebers schwer nachzuvollziehen ist, gerade auch obwohl sich das Drehbuch an übliche Muster hält. Die angedeuteten Versuche einer alternativen Erzähl- und Dramaturgiestruktur werden schnell der Hoffnung geraumt, um das Publikum nicht zu verunsichern. Der transportierte Schrecken des Originals kommt dabei nur marginal zum Vorschein, deren größter Sündenfall jedoch die Maskierung des Demaskierten darstellt. Die Verunsicherung und Ungewißheit eines irrationalen Phänomens entfaltet gerade dann seine Wirkung, wenn diese nicht ausgefüllt wird, doch gerade das versucht der Film zu ermöglichen, obgleich er keinerlei Ansatzpunkte gibt.

Der Film steht und fällt letztlich mit dem rein subjektiven Schrecken, den das Meme damals in den Teenagern auslöste, welche nachts um drei in ihren Zimmer in abgelegenen Dörfern den Slenderman konsumierten, um der tristen Realität zu entkommen. Der Film, der sich selbst verspricht, am Original zu bleiben, verbaut gerade diese essentielle Komponente, doch zeigt ironischer gerade im Abspann, wie der Film hätte gemacht werden soll. Als distanzierte Annäherung an eine Urban Legend, die gerade nicht den Anspruch zu erheben hat, den Mythos zu erklären, sondern allein den daraus kolportieren Terror erlebbar machen soll, was jedoch gegen die Regeln des traditionellen Horrorfilms verstoßen, und somit der Film als Vertreter seines Genres als handelsübliche Ware alles richtig macht, doch seiner Thematik dabei nicht im geringsten treu wird, geschweige denn das im Abspann erkannte Potential nicht auszunutzen vermochte. Audiovisueller Lärm und Geschreie machen noch lange keinen gelungenen Horrorfilm.

22:22 03.09.2018
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Geschrieben von

Elisa Nowak

Ich halte es mit Rosa Luxemburg, die 1906 erinnerte: "Wie Lassalle sagte, ist und bleibt die revolutionärste Tat, immer das laut zu sagen, was ist."
Elisa Nowak

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