Sind die Grünen eine linke Partei?

Fragebogen Der neue Freitag feiert Jubiläum. Und mit ihm die Freitag Community, die nie um Meinungen verlegen war. Wir haben gefragt, Elisa Nowak hat geantwortet
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Sind die Grünen eine linke Partei?

Halten Sie die Grünen für eine linke Partei?

Nein. Während der sogenannten "Wende" spaltete sich der ökosozialistische Flügel. Spätestens mit Eintritt in die Schröder-Regierung ist sie eine bürgerliche Partei geworden, die im Namen von Auschwitz Krieg und im Namen von Gerechtigkeit einen Niedriglohnsektor ermöglichte. Die heutigen Bündnisgrünen sind eine kleinbürgerliche Partei, die nicht die Klassenfrage stellt, was Minimalkonsens einer linken Partei ist.

Kannten Sie den alten Freitag (vor 2009)?

Nein, meine erste Begegnung mit dem Freitag war online 2014.

Welchen finden Sie besser – den neuen oder den alten?

Da ich keinen Vergleich habe, kann und darf ich mir kein Urteil erlauben.

Schaffen wir das?

Unter diesen Bedingungen keinesfalls. Das war auch nie Merkels Intention. Um es tatsächlich zu schaffen, ist ein sofortiger Rüstungsexportstop nötig, der Abzug aller Soldat*innen im Ausland, die Auflösung der NATO, eine Zusammenarbeit mit Russland und langfristig eine Überwindung des Kapitalismus.

Welche_n Blogger_in/Autor_in lesen Sie am liebsten?

Ich muss leider konstatieren, dass ich nahezu keine Blogger*innen lese. Von den Autor*innen lese ich sehr gerne Elsa Koester.

Welche_n Blogger_in/Autor_in würden Sie auf freitag.de gerne (noch häufiger) lesen?

Ich bin mit der ausgewogenen Anzahl von Redaktionsbeiträgen/Blogs sehr zufrieden.

Wie sind Sie auf die Community aufmerksam geworden?

Über die Facebook-Präsenz bin ich auf den Freitag gestoßen und habe relativ bald entdeckt, dass man einen eigenen Blog führen kann. Damals maß ich dem noch keine große Bedeutung bei, doch seit ich für mich entschlossen habe, Journalistin zu werden resp. zu sein, ist die Blogfunktion beim Freitag unverzichtbar und ein regelrechtes Geschenk.

Und wann haben Sie sich auf Freitag.de angemeldet?

Meinen ersten Account hatte ich 2014, den ich jedoch bald wieder schloss. Den aktuellen habe ich seit März 2018 und schreibe regelmäßig seit Oktober/November 2018.

Haben Sie davor schon geschrieben?

Ja, für mehrere Online-Blogs und Zeitungen, darunter eine marxistische Zeitschrift aus der Schweiz, ein queerfeministisches Blog und auch ein privates Blog, das hochpolitisiert ist.

Augstein oder Blome?

Jakob Augstein, keine Frage.

Wer ist Ihr Community-Blome – wer regt Sie am meisten auf?

Falls die Frage nur auf den Freitag bezogen ist, muss ich passen. Anderweitig bin ich keine Freundin von Martin Niewendick von der WELT.

Vermissen Sie die „Zwei aus der Poststelle“?

Womöglich blamiere ich mich mit der Aussage, aber das sagt mir gerade überhaupt nichts.

Wenn Jakob Augstein „Journalist und Gärtner“ ist, sind Sie …

Journalistin und Netflixling.

Kommunitarismus oder Kosmopolitismus?

Müsste ich eine Entscheidung fällen: den Kommunitarismus. Obgleich ich auch diesen baldigst überwinden wollen würde, im Sinne einer klassenlosen Gesellschaft.

Worüber haben Sie sich beim Freitag am meisten geärgert?

Bisher nur über zwei Kommentatoren, die mir ständig im Nacken sind und mehr eine private Fehde denn einen konstruktiven Austausch von mir verlangen. Aber das ist wohl dem grundsätzlichen gesellschaftlichen Diskurswandel geschuldet.

Und worüber am meisten gefreut?

Dass meine Blogs innerhalb der letzten drei Monate mehrmals als EB (Empfohlene Blogbeiträge) ausgezeichnet wurden und der Freitag per se ein Medium bleibt, einen (linken) Pluralismus zu ermöglichen, der in sich geschlossen gerade antagonistisch sein muss.

Sind Sie Abonnent_in? Oder waren es einmal?

Nein, da muss ich leider passen.

Lesen Sie die „Zeit“?

Nur wenn ich über einen Artikel im Netz stoße, den ich interessant finde. Ich bin nicht Teil des Zielpublikums der ZEIT, dafür stehe ich viel zu weit links im politischen Spektrum.

Oder die „taz“?

Die taz war meine erste Zeitung, die ich abonnierte und quasi mein Einstieg in die Welt des (Papier)Journalismus. Bis Ende 2018 war ich auch Mitglied der Verlagsgenossenschaft der tageszeitung. Da ich mich jedoch immer weiter politisierte und die taz meine Entwicklung nicht begleitete, habe ich die Zeitung (und die Verlagsgenossenschaft) gewechselt, da wir uns über die Zeit politisch auseinanderlebten.

Lieber auf Papier oder im Netz?

Da bin ich auch für meine Generation sehr konservativ, denn ich ziehe das Papier dem Netz vor, obgleich ich auch meine Nachrichten vor allem via Twitter bekomme. Doch die Papierzeitung am frühen Mittag ist Pflichtprogramm.

Was mögen Sie lieber, lange oder kurze Texte?

Ich bin eine Freundin einer gesetzten und erkennbaren Meinung, die diese ohne Selbstzensur auch zur Geltung bringt. Die Frage ist nicht die Länge eines Textes, sondern das Erzeugen einer Kurzweiligkeit während des Lesens. Wenn ich anfange, Zeilen zu überspringe, ist es irrelevant, ob der Text lang oder kurz ist.

Wie lange müssen wir noch auf die Überwindung des Kapitalismus warten?

Ich hoffe nicht sehr bald, doch der Kapitalismus ist ein Meister der Selbstregeneration, auch wenn faschistische Entwicklungen eine fundamentale Systemkrise des Kapitalismus sind. Der Kapitalismus muss an seinen ökologischen Widersprüchen zugrunde gehen, anderweitig spielt die Menschheit als solche auf Zeit. Daher ist der Sozialismus unausweichlich und auch deterministisch vorgegeben.

Was ist ihr Lieblings-Totschlagargument?

Dialektisch betrachtet liege ich im Recht – und das weißt Du auch.

Und welche Gretchenfrage stellen Sie gerne?

Und wann fängst Du an, Antifaschist*in zu sein?

Wen würden Sie gerne mal trollen?

Da ich des Trollens nicht ungelernt bin, doch es in der Praxis äußerst selten anwende, komme ich nicht umhin, einen besorgten AfD-Jüngling auszusuchen, da ich die Personifizierung seines Hasses bin (Kommunistin, trans*weiblich).

Was kann die Community besser als die Redaktion?

Die Community ermöglicht durch ihre Vielfältigkeit ein sehr breites Spektrum an Meinungen, Analysen, Berichterstattungen, die von der Redaktion wegen ihres gesetzten Spielraums eventuell nicht abgedeckt werden kann. So ermöglicht gerade die Communtiy einen Meinungspluralismus von gemäßigt liberal bis orthodox kommunistisch.

Wer sonst noch geantwortet hat?

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06:00 07.02.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Elisa Nowak

Ich halte es mit Rosa Luxemburg, die 1906 erinnerte: "Wie Lassalle sagte, ist und bleibt die revolutionärste Tat, immer das laut zu sagen, was ist."
Elisa Nowak

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