elisvoss

Freiberufliche Autorin, Journalistin, Vortragende und Beraterin zu Solidarischem Wirtschaften und Selbstorganisation in Wirtschaft und Gesellschaft.
elisvoss
RE: "Wir impfen euch" als tätiger Antifaschismus? | 13.04.2021 | 10:44

Großteils kann ich Dir zustimmen, Gerhard. Dass Du aber so nebenbei das Umlabeln des 8. März von einer Niederlage zur Befreiung nur mit "korrekterweise" einordnest, greift zu kurz. Wurden nicht mit diesem Umlabeln Deutsche plötzlich zu Opfern stilisiert, die befreit werden mussten, statt anzuerkennen, dass es deutsche Nazis waren, die diesen Hitlerfaschismus wollten, und denen die Alliierten Einhalt gebieten mussten? Befreit wurden Menschen in KZs und Zwangsarbeitslagern, denen die BRD bis zuletzt angemessenen Entschädigungen verwehrte, während die Täter, die nach 1945 weiter Karriere machen durften, auskömmlich Pensionen erhielten. Insofern halte ich den Begriff Befreiung für Geschichtsklitterung.

RE: "Wir impfen euch" als tätiger Antifaschismus? | 13.04.2021 | 10:31

Ja, die Vermutung wäre naheliegend. Ich habe solche Leute ein paar Mal brüllen gehört und war erschrocken über die Aggressivität und den Hass. Ich kenne das schon aus den 90ern, wo ich bei manchen martialisch auftretenden schwarz gekleideten Männern nicht erkennen konnte, ob es Rechte oder Linke sind. Seitdem ist für mich - neben den Inhalten - auch die Art und Weise des Auftretens eine Aussage. Patriarchale Rechthaberei und sich über andere zu stellen halte ich nicht für links. Bei denen, die nun brüllen "wir impfen euch alle", kommen Form und Inhalt zur Kenntlichkeit zusammen.

RE: Ausgeschlossen | 17.03.2021 | 10:19

Was Sie vorschlagen wäre ein Titel für einen anderen Artikel, nicht mehr und nicht weniger.

Dass Sie böse Absicht unterstellen, sagt etwas aus über Sie, nicht über die Autorin. Ihre Empörung mag aufgrund Ihrer persönlichen Betroffenheit verständlich sein, trotzdem halte ich Ihre Angriffe für grundfalsch.

Weil Sie danach gefragt haben: Mein Bezug ist journalistisch mit solidarischem Selbstverständnis. Wenn Sie meine Artikel ansehen, werden Sie feststellen, dass ich schon mehrfach über Obdachlosigkeit geschrieben habe. Die Tatsache, dass es Obdachlosigkeit gibt, halte ich für einen Skandal, der nicht oft genug in der Öffentlichkeit erwähnt werden sollte. Auch außerhalb der Community versuche ich einen Beitrag dazu zu leisten, z.B. hier: https://www.grueneliga-berlin.de/publikationen/der-rabe-ralf/aktuelle-ausgabe/nachhaltig-wirtschaften-aber-wie-4/

Meines Erachtens hat die Autorin des von Ihnen kritisierten Artikels einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dieses Thema zu skandalisieren und wie gesagt, sie schreibt nirgends, dass es egal sei, dass Männer obdachlos sind. Die Benennung der besonderen Betroffenheit von Frauen und Queers schmälert Ihre Betroffenheit doch nicht.

Statt dem üblichen "Teile und herrsche" ist Solidarität gefragt und "gemischte Organisierung" von unterschiedlich Betroffenen, auch in dem Sinne, Privilegien zu teilen, ohne damit Dominanzstrukturen aufzubauen. Ich sage nicht, dass das einfach wäre, hier z.B. bemühen wir (meine Mitstreiter:innen und ich) uns, das zu thematisieren: http://welche-gesellschaft.org/

RE: Ausgeschlossen | 16.03.2021 | 10:09

Vielleicht wäre es hilfreich zu unterscheiden zwischen einem konkurrenten Gegeneinanderstellen verschiedener Betroffenheiten (z.B. Obdachlosigkeit bei den einen schlimm, bei anderen egal - aber wer sagt sowas überhaupt?) und der genauen Beschreibung der besonderen Probleme spezifischer Bevölkerunggruppen (z.B. von Frauen und Queers) wie hier im Artikel.

Ich habe aus dem Artikel nicht herausgelesen, dass es egal ist, ob Männer obdachlos seien. Gibt es nicht auch Veröffentlichungen zu Obdachlosigkeit und Männlichkeit bzw. gesellschaftlich hergestellten Männlichkeits-Bildern (falls nicht, sollten sie geschrieben werden)? Warum gilt es sofort als konkurrent und bewertend, wenn spezifische Betroffenheiten genau beschrieben werden?

Den Spaltpilz - mit der leider immer mehr zunehmenden Empörung aufgeladen - sehe ich eher im Kommentar von Reinkarnation usw. und stimme Richard Zietz zu: Es ist der Kapitalismus. Und der trifft alle und gleichzeitig alle speizifisch.

RE: Die Rückkehr des Virus | 06.03.2021 | 10:47

Sehr geehrte*r sich WuMing nennende*r Kommentator*in,

haben Sie vielleicht auch Argumente?

Meine utopischen Geschichten veröffentliche ich mit voller Absicht in der Rubrik "Debatte", weil ich sachliche Auseinandersetzungen und andere Meinungen zu schätzen weiß.

Vielleicht möchten Sie mir auch verraten, wen Sie mit "diesen Leuten" meinen? Welchem Kollektiv ordnen Sie mich zu? Ich trete hier mit meinem Klarnamen auf und verantworte meine Texte alleine.

Wer sind Sie eigentlich? Eigene Beiträge haben Sie ja bisher nicht vorzuweisen. Sind Sie vielleicht nur in der Community, um Leute zu beschimpfen?

Und warum missbrauchen Sie den Namen des italienischen Autorenkollektivs?

Fragend verwundert

Elisabeth Voß

RE: Krieg mit Moral | 05.03.2021 | 09:24

Wichtige Aspekte prägnant auf den Punkt gebracht.

Das wirft für mich gleich die Frage auf, ob und ggf. wie sich in diesem Akteurs- und Diskursfeld auch die aktuellen Fragen zur Corona-Krise verorten lassen, und ob sich nicht auch daraus lernen ließe, dass es mehr als "falsch" und richtig" gibt?

Gängige Schubladisierungen greifen doch viel zu kurz. Für mich ist diese Falsch-Richtig-Dichotomie auch Ausdruck patriarchaler Gepflogenheiten, während feministische Perspektiven (wie sie sich u.a. in den munizipalistischen Bewegungen zeigen) eher ein Sowohl-als-Auch ermöglichen (selbstverständlich innerhalb von roten Linien).

So ein differenzierter Blick wie hier täte vielen Diskussionen gut.

RE: Hinter dem Nebel der Cloud | 24.02.2021 | 02:20

Auch danke! Mir ist als weiteres Beispiel für diesen Technikfetischismus Jeremy Rifkin mit seiner Null-Grenzkosten-"Theorie" eingefallen. Ich wundere mich immer, wie gebildete Leute es schaffen, so ignorant zu sein.

RE: Wagenknechts Einwurf | 13.02.2021 | 20:25

Lieber Gerhard,

statt Dich inhaltlich zu kritisieren bedanke ich mich für die Inspiration. Das Nachdenken über Deinen Artikel veranlasste mich zu folgender Passage in meiner Utopien-Serie:

"Und immer wieder die Geschlechterfrage

An den solidarischen Versorgungsbrigaden beteiligten sich deutlich mehr Migrant*innen, Frauen und Transpersonen, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprach. Viele Männer verbrachten ihre Zeit am Schreibtisch und versuchten sich gegenseitig zu überbieten mit ihren theoretischen Analysen dieser vorrevolutionären Situation. Damit für die Nachwelt kein falscher Eindruck entsteht, sei angemerkt, dass dies nur eine Tendenz beschreibt. Selbstverständlich gab es auch viele biodeutsche Männer in den Solibrigaden und umgekehrt Menschen jeder Art, die sich in diesen aufregenden Zeiten vor allem an ihren Schreibtisch klammerten. Aber überwiegend waren es eben Männer, die noch Halbsätze von anderen akribisch auseinandernahmen und an alten Meistern der Theorie abglichen, immer auf der Suche nach dem Haar in der Suppe, wo sie ihnen Fehler oder schlimmer noch, ideologische Abweichung von dem von ihnen selbst als richtig Erachteten nachweisen konnten. Es gab aber immer weniger Leute, die das lesen wollten.

Wenn diese Superschlauen jedoch abends am familiären oder WG-Tisch von den Erlebnissen der anderen hörten, wie sie mit strahlenden Augen berichteten, wo sie wieder Lebensmittel abgeholt oder ausgeliefert hatten, welchen Polizeikontrollen sie entwischt waren und bei welchen Hinterhof-Zusammenkünften sie mit anderen gegessen und gefeiert hatten, dann kam ihnen ihr einsames Dasein am Schreibtisch manchmal ein bisschen traurig vor. So mancher fragte dann, ob er nicht vielleicht auch mal mitgehen könnte, pries gar seine früheren Straßenkampferfahrungen an, aber das wäre gar nicht nötig gewesen, denn jede helfende Hand war willkommen. Und wenn dann mitunter diese so Belesenen auf den Hinterhöfen zum Besten gaben, was Marx, Adorno, Foucault oder wer auch immer zu einer aktuell diskutierten Frage gesagt hatte, dann freuten sich alle, dass sie an dem Wissen teilhaben konnten."

Weiterlesen: https://www.freitag.de/autoren/elisvoss/der-wind-der-veraenderung

RE: Corona + die linke Kritik(un)fähigkeit Teil 8 | 07.02.2021 | 01:14

Ja klar: Onlinediskussion Montag, 08.02.2021, 19 Uhr

RE: Der „Aufbruch Ost“ kämpft für ein Haribo-Werk | 25.01.2021 | 11:42

Wurde denn auch schon überlegt, ob die Beschäftigten selbst den Betrieb übernehmen können? Da gibt es ja einige Erfahrungen - in Deutschland nicht so viele, aber anderswo schon.

Zum Beispiel hat Dario Azzelini einge Belegschaftsübernahmen untersucht, v.a. in Lateinamerika: https://oya-online.de/review/read/3055-vom_protest_zum_sozialen_prozess_buchbesprechung.html

Der Film "Taste of Hope" zeigt das Beispiel einer Teebeutelfabrik aus Südfrankreich, die nach mehr als 3-jähriger Besetzung von den Arbeiter*innen übernommen wurde, ohne die damit verbundene Schwierigkeiten zu verschweigen: https://www.graswurzel.net/gwr/2019/10/geschmack-der-hoffnung/

Bei Interesse meldet Euch gerne, liebe Zwickauer Kolleg*innen.