Sozial und Solidarisch Wirtschaften

Social Economy Berlin Heute und morgen findet in Berlin eine Online-Konferenz zum Thema „Gemeinsam Wirtschaft gestalten“ statt.
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Diese Konferenz nehme ich zum Anlass, auf einige meiner Veröffentlichungen der letzten Jahre zum Thema Solidarische Ökonomie mit kurzen Textauszügen hinzuweisen und sie zu verlinken (wenn nichts anderes angegeben ist, sind sie in der Berliner Umweltzeitung Rabe Ralf erschienen). Denn wenn heute und morgen so viel die Rede ist von einem „Ökosystem“ einer anderen Wirtschaft, von „Co-Creation“ und „Kollaboration“, von „Impact“ und „Skalierung“, möchte ich das ergänzen um eine kritische antikapitalistische Perspektive.

Solidarisch Wirtschaften oder Social Business?

Solidarische Ökonomie – Wirtschaften für die Bedürfnisse, nicht für Profit – umweltschonend und mit würdiger Arbeit (Februar 2019).

Raubbau an der Natur, ausbeuterische Niedriglöhne und schamlose Bereicherung durch einige Wenige haben dazu geführt, dass für viele Menschen die Wirtschaft insgesamt zu etwas Fremdem geworden ist, mit dem sie am liebsten gar nichts zu tun haben möchten. Gleichzeitig ist jedoch all das, was Menschen zum Leben brauchen – Lebensmittel, ein Dach über dem Kopf, Wasser oder Energieversorgung – das Ergebnis wirtschaftlicher Betätigungen. Ohne Wirtschaft könnten wir nicht leben.

Zum solidarischen Wirtschaften gehören auch soziale Kämpfe gegen die Privatisierung und zur Rekommunalisierung der sogenannten Daseinsvorsorge. Und weil in einer globalisierten Welt letztlich alles mit allem zusammenhängt, stellt sich gleichzeitig die Frage, wie ein gutes Leben für alle überall möglich sein kann – unabhängig von geografischer und sozialer Herkunft, Geschlecht, Leistungsfähigkeit etc. Eine Solidarische Ökonomie in diesem Sinne braucht unbedingt die Perspektive globaler Gerechtigkeit.

Geben als Geschäftsmodell – Die Bill-Gates-Stiftung, Bertelsmann, Phineo und andere vermeintliche Wohltäter in Berlin (Februar 2019).

Das ist etwas grundlegend anderes als die Übernahme sozialer Aufgaben nach eigenem Gutdünken durch Superreiche und ihre Organisationen. Diese wird in den USA und auch in Großbritannien schon seit einigen Jahren unter der Bezeichnung „Philanthrokapitalismus“ kritisch diskutiert. Die erste derartige Organisation war die 1913 gegründete Rockefeller Foundation. Die Bill & Melinda Gates Foundation, die Mitte Oktober 2018 ihre zweite europäische Niederlassung in Berlin eröffnete, ist sicher erst der Anfang einer Entwicklung, die kritischer Wachsamkeit bedarf.

Soziale Innovation“ und „Gemeinwohl“ – Kritik an Konzepten (April 2019):

Mit „Sozialen Innovationen“ die Welt verbessern? Von der Utopie zur Sozialtechnologie: Wie soziale Fragen mit Mitteln der Marktwirtschaft gelöst werden sollen und

Ein gutes Leben für jede*n – Warum mit dem „Gemeinwohl“ nicht immer alle gemeint sind

Seit etwa zehn Jahren ist in Wissenschaft und Politik zunehmend von „Sozialer Innovation“ die Rede. Das klingt gut, auch wenn es keine eindeutige Definition gibt, was damit gemeint ist. Soziale Innovationen strebten schon einige soziale Bewegungen nach 1968 an. Auch heute soll mit Sozialen Innovationen die Welt verändert werden. „Wir glauben an eine bessere Zukunft“ verkündet „tbd*“, ein Projekt der Berliner Personaldienstleistungsfirma The Changer GmbH. Das Online-Portal „unterstützt alle, die mit Weltverbessern Karriere machen“.

Was bedeutet „Soziale Innovation“ in der Welt des Social Business? Der angestrebte gesellschaftliche „Impact“ wird aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen gesteuert und ist der gesellschaftspolitischen, demokratischen Kontrolle entzogen. Die geforderte „Wirkungsmessung“ folgt einem rein erfolgsorientierten, technokratischen Menschenbild ohne emanzipatorische oder gar utopische Ideen. All die wohlklingenden Plastikwörter der vermeintlich sozialen neuen Ökonomie sind kaum mehr als neoliberale Kampfbegriffe.

Nachhaltig wirtschaften - aber wie?

Teil 1: Vorschlag zum Gelingen – mit Donut-Ökonomie und demokratischer Umsetzung (Februar 2020)

Die Bertelsmann-Stiftung führt gemeinsam mit den Vereinten Nationen ein Projekt „Sustainable Development Goals Index“ durch, in dem „die zentralen Herausforderungen der reichen Staaten bei der Umsetzung der SDGs“ ausgearbeitet werden. Ausgerechnet diese Konzernstiftung, die mit ihrer fast religiösen Ideologie von schlankem Staat und Privatisierungen den neoliberalen Gesellschaftsumbau vorantreibt.

Demgegenüber weist das Wirtschaftsmodell der Donut Ökonomie (Kate Raworth) der Wirtschaft den ihr gebührenden Platz als Mittel zum Zweck der Erfüllung von Bedürfnissen zu. Es geht darum, soziale Mindeststandards einzuhalten und planetare Grenzen nicht zu überschreiten.

Vielleicht sollte im Nachhaltigkeitsdreieck aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem die Ökonomie durch Demokratie ersetzt werden? Denn die Wirtschaft ist kein Subjekt, sie hat kein eigenes Recht, sondern eine dienende Funktion.

Teil 2: Weniger Globalisierung und Wachstum durch Corona – eine Chance zum Umsteuern? (April 2020)

Wirtschaft und Gesellschaft sind durch Corona erschüttert. Ist das soziale Leben weitgehend eingefroren, bleibt Zeit zum Innehalten, Nachdenken und Nachspüren: Wie ließe sich ein „degrowth by design“ einleiten als Prozess einer schrittweisen Demokratisierung von Wirtschaft und Gesellschaft mit sozial-ökologischen Zielsetzungen?

Die Schere zwischen Arm und Reich wird sich durch Corona weiter öffnen. Wäre es nicht Zeit, nun endlich das entwürdigende Hartz-IV-System mit seinen Sanktionen abzuschaffen und durch eine gerechte Grundsicherung oder gar ein bedingungsloses Grundeinkommen zu ersetzen?

Es wäre jedoch fatal, wenn dabei diejenigen in Vergessenheit gerieten, für die es zunächst schlicht ums Überleben geht. Von Corona in besonderem Maße bedroht sind die Schutzsuchenden an den europäischen Außengrenzen.

Teil 3: Trotz allem nicht aufgeben – Wirtschaftsdemokratie! (August 2020)

Die Unterwerfung der Welt unter das Diktat der Profitmaximierung ist ein menschheitsbedrohendes Problem, das lässt sich kaum noch leugnen und war auch lange vor Corona klar. Auch die Corona-Pandemie ist nicht plötzlich aus dem Nichts gekommen, sondern hat ihre Ursachen in der industriellen Landwirtschaft und Viehzucht sowie in der Abholzung von Urwäldern.

Das Wirtschaften sollte wieder in die Gesellschaft eingebettet sein, als ein Prozess zur Herstellung des Lebensnotwendigen, der den Menschen dient, ohne die die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören. In Weltregionen, die noch nicht der kapitalistischen Marktlogik unterworfen sind, gibt es solche Ökonomien, die auf Selbsthilfe und Kooperation beruhen. Durch Privatisierungen und Landnahme sind sie jedoch gefährdet.

Teil 4: Auch in Berlin: Profitable Raubzüge und hoffnungsvolle Alternativen (Dezember 2020)

Immer wieder habe ich mich gefragt, ob es nicht zynisch ist, über Ideen für eine bessere Welt zu schreiben und über kleine Ansätze der Umsetzung schon heute, während vor aller Augen millionenfach immer mehr Menschen weltweit ihre Lebensgrundlagen verlieren. Das ist nichts Neues, aber es wird sichtbarer und es rückt näher. Das haben nicht nur progressive Kräfte verstanden. Auch die Reichen und Mächtigen dieser Welt sehen, dass es so nicht weitergehen kann.

Das Weltwirtschaftsforum, das jährlich im Januar in Davos tagt, hat 2021 das Thema: „The Great Reset“. Ein Neustart von Wirtschaft und Gesellschaft nach der Pandemie, mit dem wie auf Knopfdruck alles gut wird. Das Weltwirtschaftsforum ist seit 50 Jahren ein Treffpunkt von VertreterInnen von mehr als 1.000 Großunternehmen, aus Politik und Wissenschaft sowie von NGOs. Sein Gründer Schwab ist einer der wichtigsten Protagonisten der Social-Business-Bewegung.

Allerdings handelt es sich keineswegs um eine alternative Wirtschaftsweise, wenn diejenigen, die es auf Kosten anderer zu großem Reichtum gebracht haben, nun versuchen, mit marktgerechten Ansätzen die Probleme ausgewählter Zielgruppen zu lösen – von oben nach unten und nach eigenem Ermessen, ohne demokratische Legitimation. Mit solchen Geschäftsmodellen werden bestenfalls Symptome gelindert, aber sie ändern nichts an der fortschreitenden Ungleichheit. Oft dienen sie auch nur der Marktvorbereitung für zukünftige Profite.

Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal einer anderen, solidarischen Ökonomie von dem, wofür Schwab und andere stehen, ist die Demokratie. In einer solidarischen Wirtschaft handeln nicht die einen für oder gegen die anderen, sondern die Menschen sind in der Lage oder werden selbst befähigt, über die Erfüllung ihrer Bedürfnisse durch eigene wirtschaftliche Betätigung oder kollektive Beratschlagung zu entscheiden.

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?!

Die globale Ausbeutungsökonomie eignet sich immer mehr Ressourcen an, um sie profitabel zu verwerten. Die Maximierung von Profiten geht zulasten von Menschen und Natur. Die Alternativenbewegung nach 1968 stellte alles Bestehende in Frage, Herrschaftsverhältnisse ebenso wie Industrialisierung und Massenproduktion mit ihren sozialen und ökologischen Folgen, auch in der damals sogenannten „Dritten Welt“. Aus politischen Bewegungen entstanden selbstverwaltete Betriebe, um ohne Hierarchien und Ausbeutung zu arbeiten.

Selbstorganisierte ökonomischen Alternativen sind oft eingebunden in soziale Bewegungen, zum Beispiel selbstverwaltete Betriebe aus der AKW-Widerstandsbewegung im Wendland. Solidarische Landwirtschafstbetriebe (SoLaWis) möchten der herrschenden Tauschlogik etwas entgegensetzen. Aus der Schweizer Lehrlingsbewegung entstand Anfang der 1970er Jahre Longo Maï. Es ist heute ein Netzwerk von landwirtschaftlichen und handwerklichen Kooperativen in Frankreich, Österreich und der Schweiz, sowie in der Ukraine und in Costa Rica. In Deutschland gehört der Hof Ulenkrug in Mecklenburg-Vorpommern dazu. In Berlin gibt es seit 2012 ein Netzwerk von Kollektivbetrieben.

Weitere Beispiele: Die ehemals besetzte Teefabrik Scop Ti bei Marseille, in Thessaloniki die immer noch besetzte Fabrik für ökologische Reinigungsmittel VioMe, und in Mailand Rimaflow, das nach jahrelanger Besetzung endlich eigene Räume gefunden hat. Kooperativen von Geflüchteten in Süditalien und nicht zuletzt das solidarische Dorf Riace in Kalabrien.

Neben der wirtschaftliche Selbsthilfe kann Solidarische Ökonomie in einem weiteren Sinne auch als die Idee oder Forderung verstanden werden, die gesamte Wirtschaft an Bedürfnissen auszurichten statt an Profitmaximierung. Eine demokratisch organisierte Wirtschaft ginge weit über gewerkschaftliche Mitbestimmung hinaus. Sie berührt auch die Frage nach dem Verhältnis von solidarökonomischer Praxis und Politik.

Der Beitrag Solidarisch Wirtschaften für eine Welt ohne Grenzen erschien im März 2019 auf der Website des Netzwerks „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?!

Die Welt wird digital

Smart City: Utopie oder Alptraum? In Berlin wächst die Infrastruktur für den neuen Mobilfunkstandard 5G – und die Kritik (Oktober 2019)

Eine eindeutige Definition von Smart City gibt es nicht, es lassen sich jedoch einige Kernpunkte benennen. Die Smart City ist eine digitalisierte Stadt, in der idealtypisch alles mit allem vernetzt ist: im öffentlichen Raum alles, was sich bewegt, vor allem Fahrzeuge und Menschen, aber auch Infrastrukturen wie Schienen, Schilder oder Laternen – und irgendwann wohl auch Wände und Straßenbeläge. Ebenso die gesamte Kommunikations- und Gebäudetechnik, auch in öffentlichen Einrichtungen, sowie in den privaten Wohnungen die Unterhaltungs- und Haushaltsgeräte. Saugroboter oder “Sprachassistenten“ wie Alexa sind erst der Anfang von diesem „Internet der Dinge“. Smart City bedeutet Totalvernetzung.

Wenn eine ganze Stadt als Smart City mit Überwachungs- und Steuerungstechnologien ausgerüstet wird, müssen permanent riesige Datenmengen bewegt werden. Dafür wurde der neue Mobilfunkstandard 5G – die fünfte Generation von Mobilfunknetzen – entwickelt. Gegen den Betrieb der neuen 5G-Sendemasten gibt es jedoch erhebliche Bedenken.

Mit der Durchdigitalisierung aller Lebensbereiche wird sich alles verändern, auch die Demokratie. „Da wir genau wissen, was Leute tun und möchten, gibt es weniger Bedarf an Wahlen, Mehrheitsfindungen oder Abstimmungen. Verhaltensbezogene Daten können Demokratie als das gesellschaftliche Feedbacksystem ersetzen.“ Dieser Satz stammt nicht etwa aus einem Kabarettprogramm, sondern aus der Broschüre „Smart City Agenda“, 2017 herausgegeben vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung und dem Bundesumweltministerium.

Wer erklärt die Welt? Demokratie, Digitalisierung und 5G in den Zeiten von Corona (Juni 2020)

Sollte der Staat wirklich aus reiner Menschenfreundlichkeit plötzlich große Teile des sozialen und wirtschaftlichen Lebens lahmgelegt haben, um Menschenleben zu schützen? Unter der Überschrift „Wie wir Covid-19 unter Kontrolle bekommen“ formulierte ein Strategiepapier im Auftrag des Bundesinnenministeriums Szenarien und Überlegungen zur Krisenkommunikation. Für die Akzeptanz der Maßnahmen soll eine „gewünschte Schockwirkung“ erzielt werden, indem zum Beispiel dargestellt wird, dass Schwerkranke von Krankenhäusern abgewiesen werden und dann „qualvoll um Luft ringend zu Hause“ sterben. Damit soll gezielt die „Urangst“ des Erstickens angesprochen werden. Die Kommunikationsstrategie zielt auch auf Kinder: „Wenn sie dann ihre Eltern anstecken, und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein, weil sie zum Beispiel vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann.“ Kindern mit dem Tod der Eltern drohen, damit sie sich die Hände wachen? Wer denkt sich so etwas aus?

Es scheint, als habe ein Großteil der emanzipatorischen Linken es versäumt, Ängste und Unzufriedenheiten angesichts von Corona aufzugreifen, und als würde das Feld der Kritik an den Corona-Maßnahmen den Rechten überlassen. Dabei gäbe es vieles kritisch zu hinterfragen. Beispielsweise die Unterdrückung von „falschen Botschaften“ mit technischen Mitteln, die schon im Herbst 2019 als Ergebnis des Pandemie-Szenarios empfohlen, das als „Event 201“ unter Mitwirkung der Bill & Melinda Gates Foundation an der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität durchgespielt wurde. Sollen nun also die Digitalkonzerne oder die in ihrem Auftrag programmierten Algorithmen die Entscheidung treffen, was als wahr oder falsch zu gelten hat?

Auffällig ist das Missverhältnis zwischen der Ignoranz des Staates gegenüber den möglichen Gesundheitsgefahren durch 5G und den Corona-Maßnahmen, die angesichts des bisher moderaten Verlaufs der Pandemie hierzulande fast schon überfürsorglich wirken. Beides passt nicht zusammen, und so wirken die Corona-Schutzmaßnahmen nur begrenzt glaubwürdig. Nicht nur im Falle von 5G, sondern ebenso beim Umgang mit Corona drängt sich die Frage auf, um wessen Interessen es dabei geht und wem es nützt.

Solidarisch Wirtschaften für Klimagerechtigkeit

Am 9. März 2021 habe ich für radikal:klima (heute Klimaliste Berlin) einen Online-Vortrag über die Potentiale von genossenschaftlichen und kollektiven Strukturen für die Berliner Klimapolitik gehalten: Wie kann solidarisches Wirtschaften zur Klimagerechtigkeit beitragen?

Zur Vorbereitung wurde der Vortrag Solidarisch wirtschaften – aber wie? empfohlen, der am 18. August 2020 veröffentlicht und im Rahmen der Philosophischen Matinee des LOGOI – Institut für Philosophie und Diskurs am 23. August gezeigt wurde. Darin führe ich aus, warum es für eine nachhaltige Wirtschaftsweise nicht ausreicht, Unternehmen ein bisschen ökologischer, sozialer oder demokratischer zu gestalten, sondern dass eine andere Wirtschaft grundlegend andere Funktionsweisen braucht. Anschließend habe ich das Thema mit Institutsleiter Jürgen Kippenhan diskutiert.

Aus Anlass der LOGOI-Veranstaltung hab ich auch hier im Blog den Artikel Solidarisch Wirtschaften – aber wie? veröffentlicht. Es ist an der Zeit, diese Frage immer lauter zu stellen, statt mit einem wirtschaftlichen Weiter-So zielsicher ins klimakatastrophale Desaster zu steuern.

Auf dem Parteitag der Klimaliste Berlin am 8. Mai 2021 durfte ich eine Gastrede auf dem Parteitag halten, zum letzten Teil des Parteiprogramms: Berlin radikal neu, den es hier im Blog auch als Text gibt.

Kultur der Kooperation: Es geht zuerst um Menschen, nicht um Geld

Dieses andere, solidarische Wirtschaften ist in hohem Maße auf gelingende soziale Beziehungen angewiesen. Im Rahmen der Ringvorlesung „Solidaritäten“ der Uni Halle habe ich am 8. Dezember 2020 den Vortrag Kultur der Kooperation – Herausforderungen solidarischen Wirtschaftens gehalten: „Gemeinsam mehr erreichen“ und „Kooperation statt Konkurrenz“ sind eingängige Slogans, aber wie können sie verwirklicht werden? Es gibt viele verschiedene Ansätze, solidarisch und kollektiv zu wirtschaften. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen, nicht das Geld. Was bedeutet das konkret, welche Missverständnisse und Konfliktpotenziale sind in selbstverwalteten Strukturen angelegt und wie kann das Miteinander gelingen?

Dieses Thema beschäftigt mich schon lange, auch aufgrund der durchwachsenen Erfahrungen, die ich in den 90er Jahren im Projekt A in Neustadt/Weinstraße (A stand für Anarchie) gemacht habe. In einem Netzwerk von selbstverwalteten Betrieben und Projekten habe ich unter anderem in einem Kollektivbetrieb für ökologische Haustechnik gearbeitet. Dazu gibt es zwei Artikel in der Graswurzelrevolution: Hierarchiefrei leben, ohne Chef und Staat? Projektanarchismus in der WESPE in Neustadt an der WeinstraßeTeil 1 und Teil 2.

2012 habe ich den Text Kultur der Kooperation - Freiräume und andere Missverständnisse (pdf hier online) im Buch der workstation ideenwerkstatt berlin e.V.: von grasmöbeln, 1€-jobs und anderem (AG SPAK Verlag Neu-Ulm) veröffentlicht.

Ebenfalls im AG SPAK Verlag erschien 2015 die 2. aktualisierte und wesentlich erweiterte Auflage meines „Wegweiser Solidarische Ökonomie ¡Anders Wirtschaften ist möglich!“.

Gemeinsam mit Günther Lorenz vom Technologie-Netzwerk Berlin e.V. habe ich für das NETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e.V. im Rahmen der Konferenz Social Economy Berlin den Workshop „Ein Haus der Sozialen und Solidarischen Ökonomie für Berlin“ durchgeführt.

23:36 19.05.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

elisvoss

Freiberufliche Autorin, Journalistin, Vortragende und Beraterin zu Solidarischem Wirtschaften und Selbstorganisation in Wirtschaft und Gesellschaft.
elisvoss

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