Lecken lernen!

Bildungsauftrag Die Hauptstadt-SPD bringt eine öffentliche Förderung feministischer Pornos ins Spiel, für die politische Standards gelten sollen
Ausgabe 24/2018
Pornös
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Foto: Photocase/Imago

Rein-raus, rein-raus, und dann eine ordentliche Dosis schmierigen Schleims in die Augen: Geil. Denken sich offenbar viele Menschen mit Penis. Wer im Netz nach Pornos sucht, findet sich bald in einer Reise durch eine Sex-Fantasiewelt der Männer wieder, denn im echten Leben will bei den meisten Frauen vor stumpfem Bildschirmgerammel mit Frauenkörpern, die auf Spritzflächen und Löcher reduziert werden, nicht so richtig Lust aufkommen. Wer erlöst uns von dieser Tortur? Man höre und staune: die SPD!

Ihr Berliner Landesverband hat nun entschieden, sich für eine staatliche Förderung von feministischen Pornos einzusetzen. Und die CDU? Bekommt kollektiven Herzinfarkt. Die Bürger seien sicher nicht bereit, durch Rundfunkgebühren indirekt die Pornoindustrie zu unterstützen, moniert Katrin Vogel, Gleichstellungsbeauftragte der Berliner CDU-Fraktion. Nun ja, die Bürger vielleicht nicht – aber die Bürgerinnen könnten durchaus einen Nutzen für sich entdecken. Nun ist die sexuelle Befriedigung der weiblichen Bevölkerung jedoch nicht das Leitmotiv der neuen Sozialdemokratie. Vielmehr geht es den Jusos als Initiatoren um Sexualbildung. An Mainstream-Pornos kritisieren sie, dass sexistische und rassistische Stereotype gezeigt und bestimmte Körpertypen zum Standard erhoben werden.

Für die öffentliche Förderung feministischer Pornos sollen deshalb politische Standards gelten: Regisseure, Produzentinnen und Darsteller*innen sollen eine gesellschaftliche Vielfalt an Körperformen, Geschlechtern, ethnischer Herkunft und Sexualität abbilden; für gute Arbeitsbedingungen soll gesorgt sein; Verhütung soll sichtbar eine Rolle spielen und beim Sex sollen Kommunikation und Konsens über Sexualpraktiken explizit dargestellt werden. Für diese Bildung sorgen sollen die Bundeszentrale für politische Bildung und die Öffentlich-Rechtlichen.

Über die Erneuerung der Bundes-SPD lässt sich ja vieles sagen. Zum Beispiel, dass eine hippe SPD, die an Hartz IV festhält, einen Großteil der Bevölkerung mal am Allerwertesten lecken kann. Aber eine Hauptstadt-SPD, die das Lecken am Allerwertesten ernsthaft im Senat thematisiert, hat eine grundlegende feministische Wahrheit begriffen: Politisch ist eben nicht nur die Frage, wie viel Kohle ich in der Tasche habe und welche Wohnungen ich mir leisten kann. Politisch ist auch die Frage, was mit mir in diesen Wohnungen passiert. Hach Berlin, Stadt der Hausbesetzungen, Stadt der FemPorns: Ick liebe dir. Aber jetzt musst du das mit den Wohnungen und der Kohle auch noch hinkriegen.

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Geschrieben von

Elsa Koester

Stellvertretende Chefredakteurin, verantwortlich für Online

Elsa Koester wuchs als Tochter einer Pied-Noir-Französin aus Tunesien und eines friesischen Deutschen in Wilhelmshaven auf. In Berlin studierte sie Neuere deutsche Literatur, Soziologie und Politikwissenschaft. Nach einigen Jahren als selbstständige Social-Media-Redakteurin absolvierte sie ihr Volontariat bei der Tageszeitung neues deutschland. Seit 2018 ist sie Redakteurin für Politik beim Freitag. Zudem ist sie als Schriftstellerin tätig: Ihr Romandebüt „Couscous mit Zimt“ erschien 2020, der zweite Roman „Im Land der Wölfe“ erscheint im August 2024. Nachdem sie ab 2020 für Wochenthema und Titelseite des Freitag zuständig war, ist sie seit Mai 2024 stellvertretende Chefredakteurin und verantwortlich für die Online-Ausgabe.

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