Soziales statt Bedingungsloses Grundeinkommen

Linke Lebenslügen Der Staat sollte nur dann Werktätige und Rentner besteuern und umverteilen, wenn sich die Geldempfänger sozial engagieren - oder arbeiten. Alles andere ist Ausbeutung!
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http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2c/Schlaraffenland.jpg

Gefährliche Heilsbotschaft

Das Bedingungslose Grundeinkommen sichert jedem ein Einkommen zu, unabhägig davon ob er einer Erwebstätigkeit oder einam sozialem Engagement nachkommt.

Die Botschaft suggeriert: zukünftig leben wir in einem Schlaraffenland, wo man nicht mehr arbeiten muss.

Einige scheinen nicht zu verstehen: alle Güter werden durch die Arbeit der Werktätigen hergestellt. Noch leben wir nicht in einer vollautomatisierten Welt wo wir nichts mehr machen müssen - und Roboter alles herstellen.

Marx'sche: Mehrwerttheorie

Mehrwert (neudeutsch: Wertschöpfung) ist der Wertanteil, den ein Lohnarbeiter durch seine Arbeit produziert und der über den Ersatz des Wertes seiner Arbeitskraft und der eingesetzten Produktionsmittel hinausgeht.

Im modernen Sozialstaat wird dem Lohnarbeiter aber noch viel mehr an Steuern und Sozialabgaben abgezogen als zu Zeiten von Karl Marx. Am Ende bleibt netto sehr wenig übrig. Ist das gerecht?

Mit dem BGE kommt die Klein-Bourgeoisie

Neben dem Proletariat und der Bourgeoisie wird das Bedingungslose Grundeinkommen eine neue Klasse herausbilden:

Proletariat (Arbeiter): Der Arbeiter lebt von seiner eigenen Arbeitskraft. Arbeiter stellen letztlich sämtliche Güter einer Volkswirtschaft her.
Es kann vorkommen, das Arbeiter, die arbeiten möchten keine Arbeit finden, arbeitslos sind. Nach Marx'scher Definition bildet diese Gruppe die industrielle Reservearmee. Diese Gruppe ist stets bereit, Arbeit aufzunehmen oder sich sozial zu engagieren.

Bourgeoisie (Kapitalisten): Der Kapitalist lebt von dem Mehrwert fremder Arbeitskraft. Letztlich gibt der Arbeiter einen Teil des erarbeiteten Wertes beim Kapital ab. Damit erarbeitet der Arbeiter auch z.B. eine Kapitalverzinsung. Die Marxistische Lehre spricht von Ausbeutung der Arbeiterklasse.

neu: Klein-Bourgeoisie (Sozial-Kapitalisten): das Bedingungslose Grundeinkommen stellt ein Einkommen zur Verfügung, auch wenn man nicht arbeiten möchte. Mit dem Bedingungslosem Grundeinkommen ist es möglich, wie der Bourgeois von der fremden Arbeitskraft zu leben. Da sämtliche Güter von Arbeitern hergestellt werden muss der Arbeiter gezwungen werden einen Teil seiner Arbeitskraft denjenigen zur Verfügung zu stellen, die vom Bedingungslosen Grundeinkommen leben. Ein Arbeiter muss die Güter herstellen, die von denjenigen konsumiert werden, die vom Bedingungslosen Grundeinkommen (ohne Arbeit) leben möchten.

Damit bildet sich eine neue Klasse heraus, die Klein-Bourgeoisie. Diese Klasse kann sich erst im modernen Sozialstaat herausbilden - sie hat kein eigenes Geldkapital. Die Klein-Bourgeoisie lebt vom sozialen Kapital einer Gesellschaft. Dieses soziale Kapital lässt sich sogar quantifizieren:

Definition: Das Ausbeutungsäquivalent ist der Geldbetrag den ein Borgeois benötigt um einen Arbeiter in gleicher Höhe auszubeuten wie ein Klein-Bourgeois.

Mittels der Kapitalwertmethode lässt sich der Geldwert des sozialen Kapitals ermitteln, über das ein Klein-Bourgeois verfügt: bekommt ein Klein-Bourgeois ein Bedingungsloses Grundeinkommen von 1.000 Euro im Monat, so müsste ein Bourgeois bei 3% p.a. Zinsen ein Vermögen von 12 x 1.000 / 3% = 400.000 Euro haben um das gleiche Zinseinkommen zu haben wie der Klein-Bourgeois. (konservative Abschätzung: keine Inflation, BGE Ansprüche und Geld werden vollständig in die nächste Generation vererbt)

In der Praxis des modernen Sozialstaats wird der Mehrwert im marxistischen Sinne über Steuer- und Sozialabgaben eingezogen - und dem Arbeiter weggenommen. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen mit dem BGE netto immer weniger übrig bleibt!

Sozialabbau - durch das Bedingungslose Grundeinkommen!

Geld, das für das Bedingungslose Grundeinkommen aufgewendet wird fehlt für Kindergartenplätze, Demenzkranke - für Bedürftige! Gleichzeitig fehlen die Arbeitskräfte um in einer überalternden Gesellschaft Alte, Kranke zu versorgen - es lohnt sich nicht mehr zu arbeiten!

Je höher die Steuern für die Wohlhabenden angesetzt werden um das Bedingungslose Grundeinkommen hinaufzusetzen, desto weniger lohnt es sich, reguläre Arbeit anzunehmen oder sich sozial zu engagieren, umso mehr Alte, Kranke, Kinder bleiben ohne Versorgung.

Ein Mehr an finanzieller Umverteilung durch das Bedingungslose Grundeinkommen führt zu Sozialabbau!

Rentner und Pensionäre haben ein Leben lang gearbeitet, in Sozialsysteme eingezahlt - nun da sie alt und krank sind möchten Jüngere Erwerbfähige ein Bedingungsloses Grundeinkommen?

Sollen wirklich die Renten stärker besteuert werden um Jüngeren ein Bedingungsloses Grundeinkommen ohne Arbeit zu ermöglichen?

Ein Sozialstaat sollte Bedingungen an ein Grundeinkommen stellen!

Die Bessere Alternative ist das soziale Grundeinkommen:

Soziales Grundeinkommen stellt Bedingungen

Das soziale Grundeinkommen fordert soziales Engagement oder Arbeit als Vorraussetzung für Sozialleistungen. Wer arbeitsfähig ist, der muss zum Erhalt des Sozialstaates beitragen.

Wenn breite Gesellschaftsschichten arbeitsfähig sind, jedoch nicht bereit sind zu arbeiten oder sich sozial zu engagieren, dann gefährdet dies den Sozialstaat. Um die Gefahr eines Sozialabbaus in Deutschland insgesamt abzuwenden muss Arbeit oder zumindest soziales Engagement als Voraussetzung für ein Grundeinkommen eingefordert werden.

Das bedingungslose Grundeinkommen unterscheidet sich vom sozialen Grundeinkommen dadurch, dass es soziales Engagement oder Arbeit nicht fordert.

Steuern sollten ausschließlich erhoben werden um einen sozialen Ausgleich für Arbeiter, Alte, Kranke, Kinder, also wirklich Bedürftige herzustellen.

Besonders Linke sollten daher dem Bedingungslosen Grundeinkommen die rote Karte zeigen. Damit stünden sie in der Tradition des Arbeiterführers August Bebel:

"Der Sozialismus stimmt mit der Bibel darin überein, wenn diese sagt: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen."
August Bebel, "Die Frau und der Sozialismus" Ausgabe 31, Dietz, 1900. S. 339

- oder -

"Sobald die Gesellschaft im Besitz aller Arbeitsmittel sich befindet, wird die Arbeitspflicht aller Arbeitsfähigen, ohne Unterschied des Geschlechts, Grundgesetz der sozialisierten Gesellschaft. Die Gesellschaft kann ohne Arbeit nicht existieren. Sie hat also das Recht zu fordern, daß jeder, der seine Bedürfnisse befriedigen will, auch nach Maßgabe seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten an der Herstellung der Gegenstände zur Befriedigung der Bedürfnisse aller tätig ist. Die alberne Behauptung, die Sozialisten wollten die Arbeit abschaffen, ist ein Widersinn sondergleichen. Nichtarbeiter, Faulenzer gibt es nur in der bürgerlichen Welt."
aus August Bebel, "Die Frau und der Sozialismus"

BGE Das mißlungene Kuba Experiment

JÖRG ROESLER "Der »historische Lohn«Kubas Erfahrungen mit einem (fast)bedingungslosen Grundeinkommen"

Der Autor ist Mitglied der historischen Kommission der Partei "Die Linke".

http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Utopie_kreativ/207/207Roesler.pdf

Auf S35 ist die Schlussfolgerung: "Angesichts der Gefahr einer Rückkehr zur Arbeitsgesellschaftkapitalistischen Typs mit Niedriglohn und Massenarbeitslosigkeit blieb der kubanischen Führung unter Fidel Castro nur noch – in den Augen der Führung damals vermutlich als geringeres Übel – die Akzeptanz der sozialistischen Arbeitsgesellschaft, der Abschied von der sozialen Utopie des »historischen Lohns (BGE)« und dessen Umwandlungin einen leistungsbezogenen Arbeitslohn"

Kapitalwert-Methode

Die Kapitalwertmethode errechnet aus regelmässigen Einkommen (auch BGE) das Kapital das dafür notwendig wäre um diese Einkünfte aus Zinseinkünften darzustellen.

Die Zinseinkünfte errechnen sich aus:

(1) Zinseinkommen (jährlich) = Kapital x Zinssatz (Jährlich)

Formel umstellen:

(1)' Kapital = Zinseinkommen (jährlich) / Zinssatz (Jährlich)

Wenn es sich um Sozialleistungen handelt, dann wird das Einkommen aus dem SOZIALEM KAPITAL der Gesellschaft bezahlt. Ein Kapitalist müsste genau dieses Kapital als Geld-Kapital besitzen um diese Sozialleistungen als Zinseinkünfte zu beziehen.

21:16 20.11.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Emanuel Hienstorfer

Kontakt: E emanuel@hienstorfer.de
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