FEMEN und die Muslima

Feminismus Vor einigen Wochen sorgte eine junge Tunesierin namens Amina für Aufmerksamkeit. Die 19-jährige hatte sich Anfang März der Femen-Bewegung angeschlossen.
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Femen sorgt spätestens seit der Thematik um Pussy Riot regelmäßig für Schlagzeilen. Mittlerweile hat sich die Gruppierung auch in der islamischen Welt „etabliert“. Während dort die meisten Menschen nicht viel von Nacktprotesten halten, nutzen religiöse Hardliner die Situation aus, um von wichtigen Problemen abzulenken.

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Muslimische Aktivistinnen vor der Ahmadiyya-Moschee in Berlin

Vor einigen Wochen sorgte eine junge Tunesierin namens Amina für Aufmerksamkeit. Die 19-jährige hatte sich Anfang März der Femen-Bewegung angeschlossen. Via Facebook machte sie auf sich aufmerksam, indem sie ihren nackten Oberkörper demonstrativ zur Schau stellte. Diese Protestaktion war in ihrem Heimatland ein Skandal. Vor allem konservative Kräfte zeigten sich empört und reagierten dementsprechend. Aminas „Schandtat“ wurde zum Thema zahlreicher Prediger. Einige verlangten eine harte Bestrafung der Schülerin. Man konnte alles hören, von Peitschenhieben bis hin zur Steinigung.

Dass man den Tod eines Mädchens fordert, aufgrund der Tatsache, dass sie sich oben-ohne gezeigt hat, ist zu verurteilen und nicht hinnehmbar. Es war offensichtlich, dass bestimmte Gruppierungen Aminas Aktion instrumentalisieren würden, um von anderen, wichtigeren Problemen abzulenken. Dies bedeutet jedoch noch lange nicht, dass man Femen deshalb unterstützen muss.

Die radikalen und einseitigen Ansichten von Femen unterscheiden sich nicht besonders von der Einstellung jener, die Aminas Bestrafung forderten. Um dies deutlich zu machen, reicht nur ein Blick auf die Protestaktionen dieser fragwürdigen Bewegung. Das Einzige, was die Anhänger von Femen bis jetzt bewiesen haben, ist die Tatsache, dass sie einen starken Hang zum Nudismus haben und gerne randalieren. Die Bewegung bezeichnet sich zwar als „feministisch“, doch tiefgründige Inhalte lassen sich in ihren Aktionen nicht finden.

Tatsächlich bedient sich Femen zahlreicher Klischees und Verallgemeinerungen, die oftmals alles andere als unproblematisch sind. So machte unter anderem Femen-Deutschland auf sich aufmerksam, indem sie die Prostitution der Frau mit dem Holocaust verglich. Aufgrund solcher und anderer Aktionen wurde die Organisation des Öfteren mit Faschismus- und Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert.

Des Weiteren hat sich Femen dem Kampf gegen den Islamismus verschrieben. Gerade in diesem Fall wird nicht davor zurückgeschreckt, muslimische Männer als zurückgebliebene Barbaren und ähnliches zu bezeichnen, während man selbst oben-ohne inhaltslose Floskeln von sich gibt und haufenweise Ressentiments schürt. Zeuge einer solchen Aktion konnte man vor Kurzem vor dem Gelände der Ahmadiyya-Moschee in Berlin werden.

Allerdings hat Femen nicht damit gerechnet, dass sich daraus eine Gegenaktion muslimischer Frauen entwickeln würde. Mittlerweile hat die Kampagne „Muslim Women against Femen“ schon weltweit die Runde gemacht. Vor allem in sozialen Netzwerken haben sich zahlreiche Musliminnen von Femen nicht nur distanziert, sondern deren Aktionen auch verurteilt. Viele junge Frauen stellten außerdem ihre eigenen Protestbilder online, auf denen sie sich explizit zum Islam bekannten.

Abgesehen davon wurde die Aktion der deutschen Femen-Bewegung einen Tag später von muslimischen Aktivistinnen mit einer Gegenaktion beantwortet. Die jungen Frauen, die mittlerweile unter Muslima Pride auf Facebook vertreten sind, wollten darauf aufmerksam machen, dass Femen sich nicht das Recht nehmen dürfe, sie oder andere Musliminnen zu vertreten.

Betül ist eine von den Aktivistinnen, die gegen Femen demonstriert hat. Ihrer Meinung nach ist es untragbar, wenn behauptet wird, dass eine Frau aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit per se unterdrückt wird. Auf den Plakaten von Betül und ihren Freundinnen waren unter anderem Slogans zu lesen wie „Ich bin schon frei“ oder „Islam is my choice“. Inna Shevchenko, eine der führenden Femen-Aktivistinnen, meinte daraufhin, dass die Blicke dieser Frauen nach Hilfe rufen, obwohl auf ihren Plakaten steht, dass sie frei seien.

Allerdings fühlen sich nicht nur Musliminnen von Femen gestört und bevormundet. Viele Frauen sehen in den Protestaktionen Femens eine Ohrfeige für den „wahren“ Feminismus, der sich vor allem im 20. Jahrhundert entwickelt hat. Während die meisten Feministinnen auf ihr Gehirn setzen, fokussiert sich Femen nur auf die Zurschaustellung weiblicher Geschlechtsteile und macht aus der Frau ein weiteres Mal nur ein Objekt der sexuellen Begierde.

09:53 08.04.2013
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