Bevor die Raketen flogen

Israel/Palästina Die Kassam-Geschosse der Palästinenser werden als Ursache des Frontalangriffs auf den Gazastreifen dargestellt. Ausgeblendet bleibt ein vorangegangener Grenzzwischenfall
 Bevor die Raketen flogen
Luftangriff des israelischen Militärs im Gazastreifen - fotografiert an der südisraelischen Grenze zu Gaza
Foto: Jack Guez/AFP/Getty Images

Seit Mittwoch wird der Gaza-Streifen von israelischen Flugzeugen bombardiert. Obwohl unter anderem der Militärchef der Hamas, Ahmad al-Jabari, getötet wurde, sieht die israelische Regierung kein Ende der Angriffe und will sogar eine Bodenoffensive nicht ausschließen. Allem Anschein nach ist Bibi Netanjahu jedes Mittel recht, um die kommenden Wahlen zu gewinnen.

Der israelische Angriff soll eine Antwort auf den Raketenbeschuss der Hamas sein. Die Angriffe der Hamas sollen in den letzten Tagen massiv zugenommen haben. Allerdings verschweigen die meisten Medien, dass kurz zuvor israelische Soldaten einen Palästinenser, welcher der israelischen Grenze zu Nahe kam, erschossen haben. Der Mann war unbewaffnet und geistig behindert. Solche Tötungen waren auch in der Vergangenheit kein Einzelfall.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barack versicherte, dass sich die Angriffe nicht gegen die palästinensische Zivilbevölkerung richten, sondern lediglich gegen die Hamas. Nichtsdestotrotz sind die meisten Opfer Zivilisten. Man geht davon aus, dass die israelische Regierung schon seit längerem die Ermordung al-Jabaris geplant hatte und nur den geeigneten Vorwand für einen Angriff suchte. Al-Jabari war immerhin der Hauptverantwortliche der Gilad-Schalit-Entführung. Die Verschleppung des Soldaten empfindet Israel immer noch als Blamage.

Die israelische Regierung bezieht sich immer wieder auf das „Recht der Verteidigung“. Die meisten Massenmedien und Politiker machen bei diesem Spiel mit. Allen voran der wiedergewählte US-Präsident Barack Obama, der Netanjahu seine volle Unterstützung versicherte. Natürlich hat Israel das Recht auf Selbstverteidigung. Dies haben jedoch auch die Palästinenser. Wenn ein Volk über Jahrzehnte hinweg systematisch vertrieben, diskriminiert und isoliert wird, braucht man sich nicht wundern, wenn sich manche unter ihnen für den Weg der Gewalt entscheiden. Diesen schlugen übrigens die Gründerväter Israels von Anfang an ein, als Terrororganisationen wie „Irgun“ und „Stern“ ein Massaker nach dem anderen in den Palästinensergebieten verübten.

Nur die Spitze des Eisbergs

Gewalt erzeugt nur Gegengewalt. Die Regierung Netanjahus war nie an einer friedlichen Lösung des Nahost-Konflikts interessiert. Erst vor Kurzem trieb sie wieder den illegalen Siedlungsbau voran. Die gegenwärtigen Angriffe sind nur die Spitze des Eisbergs. Von einem „Krieg“ kann allerdings kein Rede sein. Der Gaza-Streifen verfügt im Gegensatz zu Israel über keine Bodensoldaten, keine Luftwaffe und keine Marine.

Israel stellt sich wie schon in der Vergangenheit als Opfer dar und bombardiert die palästinensische Zivilbevölkerung, während die Weltöffentlichkeit gelähmt zuschaut. Man sollte die Fakten endlich anerkennen und der unkontrollierten Atommacht namens Israel endlich die Narrenfreiheit entziehen. Falls dies nicht geschehen soll, wird die Lage im Nahen Osten völlig eskalieren. Der Krieg in Syrien ist immer noch in vollem Gange und Netanjahu wird weiterhin auf einen Krieg gegen den Iran pochen. Gegenwärtig sind die Opfer die Menschen Palästinas. Im Falle eines Flächenbrandes kann sich dies jedoch schnell ändern.

Am 15.11.2012 hier veröffentlicht

14:14 16.11.2012
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