Emran Feroz
29.01.2013 | 13:44 10

Rassismus in Israel

Hormonbehandlung Dezimierung der "schwarzen" Minderheit

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Emran Feroz

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass man jüdisch-äthiopischen Frauen vor ihrer Einreise ins „Heilige Land“ mit Hormonen behandelt hat, die zu ihrer Unfruchtbarkeit führten. Dieser Skandal hat nun hohe Wellen geschlagen. Kein Wunder, denn diese Praxis beweist ein weiteres Mal den offenkundigen Rassismus in der israelischen Gesellschaft.

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Dass es überhaupt jüdische Äthiopier gibt, ist einigen immer noch nicht bekannt. Tatsächlich wurden sie schon vor Jahrzehnten über Nacht nach Israel verfrachtet. Dies geschah erst nachdem der israelische Oberrabbiner Ovadia Josef, der unter anderem für zahlreiche menschenverachtende Aussagen bekannt ist, 1975 die äthiopischen Juden, auch Falasha genannt, offiziell als Nachkommen des israelitischen Stammes Dan anerkannt hatte.

Nun schrieb die renommierte „Haaretz“, dass während dieser Einwanderungswellen fragwürdige Maßnahmen getroffen wurden. So wurden äthiopische Frauen ohne ihr Wissen oder gegen ihren Willen mit Hormonspritzen behandelt, um unfruchtbar gemacht zu werden. Vor allem die Geburtenrate der Äthiopierinnen war in den vergangenen Jahrzehnten extrem niedrig. So niedrig, dass manche Personen begannen Nachforschungen anzustellen.

Die letzte Immigrationswelle aus Äthiopien erfolgte Ende der 90er-Jahre. 2004 folgten 20.000 weitere Falasha, da diese jedoch ihre „jüdischen Wurzeln“ nicht vorweisen konnten, wurde ihnen die Einreise nach Israel verweigert. Die äthiopische Minderheit hat seit ihrer Ankunft Probleme in der israelischen Gesellschaft. Während die Aschkenasim, sprich, europäische Juden, sich zur Elite etabliert haben, verweilen die Falasha in Armut und werden ausgegrenzt.

Die nun bekannt gewordene Hormonbehandlung beweist, dass die israelische Regierung von Anfang an das Ziel verfolgte, die „schwarze“ Minderheit zu dezimieren. Die äthiopischen Juden sollten irgendwann komplett von der Bildfläche verschwinden. Die Tatsache, dass sie Juden sind, spielte hierbei für den israelischen Staat, der sich gerne als „jüdischer Staat“ propagiert, keine Rolle. Das einzige Problem der Falasha war und ist, dass sie „schwarz“ sind. Eine andere Erklärung gibt es hierfür nicht.

Es ist schockierend, dass eine derartig abstoßende Praktik in der „einzigen Demokratie im Nahen Osten“ stattgefunden hat. Umso schockierender ist es, dass die Medien sich immer noch großteils zurückhalten, ausführlich darüber zu berichten. In dieser Hinsicht sollte man sich an der „Haaretz“ ein Beispiel nehmen.

Man stelle sich nur vor, Frankreich wäre mit solch einer Praktik gegen die Minderheit der Roma und Sinti vorgeganen. Man stelle sich vor, Deutschland hätte das Gleiche gemacht, während zahlreiche Gastarbeiter aus der Türkei oder aus Osteuropa ins Land kamen. Man stelle sich vor, dies wäre erst Jahrzehnte später publik geworden. Es wäre die Hölle los gewesen.

Fremdenfeindliche Hasskampagnen gegen Afrikaner in Israel fanden schon des Öfteren statt. Allerdings handelte es sich dabei hauptsächlich nicht um äthiopische Juden, sondern um sogenannte illegale Einwanderer aus dem Sudan und anderen Staaten. Immer wieder kamen Videos an die Öffentlichkeit, die eine regelrechte Hetzjagd auf diese Menschen zeigten. Von Seiten der israelischen Regierung konnte man nur reges Interesse wahrnehmen.

Die jetzige Situation ist jedoch anders, da es sich um israelische Staatsbürger handelt. Das israelische Gesundheitsministerium hat inzwischen reagiert und die Empfängnisverhütungen für Immigrantinnen neu geregelt. Das ändert jedoch nichts an den Fakten. Das Geschehene kann man nicht schönreden.

Der Rassismus in Israel ist gegenwärtig. Mit Gesundheitsreformen kann man ihn nicht beseitigen. Das Judentum kennt keinen Rassismus, genauso wenig wie das Christentum oder der Islam. Allerdings gibt es in Israel genug Kräfte, die davon nichts wissen wollen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (10)

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Ehemaliger Nutzer 29.01.2013 | 14:48

Na endlich! Und ich dachte schon 'Was hat denn meinen Freund Grote bloß so einsilbig werden lassen?'. Gerade mal ein schäbiger Hinweis auf die Alhambra als Kulturgut des Islam kam da noch zum letzten Artikel Feroz'. Jetzt hat Sie Ihre pathologische Aversion Herrn Feroz gegenüber aber wieder gepackt - prima! Sie können halt doch nicht aus Ihrer Haut.

Statt auch nur mit einem Wort auf den Inhalt des Artikels einzugehen, kommt wieder dieser Hetzer-Terminus. Armselig wie immer. Ich befürchte übrigens, Sie selbst sind genau so wie @Kuntz zu den Islamophoben zu zählen, denn: warum verteidigen Sie ihn sonst?

Übrigens: Wichtiger Artikel, Herr Feroz!

schlesinger 29.01.2013 | 17:41

Offen gesagt bin ich beim Lesen zunehmend davon ausgegangen, dass hier etwas deutlich schärfer dargestellt werden soll, als es in Wirklichkeit ist.

Habe daraufhin den Haaretz-Beitrag sowie den dort wiederum verlinkten Beitrag nachgelesen und muss einräumen, dass dort angesichts des mutmaßlichen Skandals dieselbe Schärfe im Ton vorliegt.

Dieses unglaubliche Verhalten wurde offenbar noch jüngst fortgesetzt:

"Women who immigrated from Ethiopia eight years ago say they were told they would not be allowed into Israel unless they agreed to be injected with the long-acting birth control drug Depo Provera, according to an investigative report aired Saturday on the Israel Educational Television program "Vacuum."

Man sollte sich allerdings offen halten, ob der Bericht von "Vacuum" bis ins Letzte stichhaltig ist. Das Gesundheitsministerium hat geantwortet:

"In its response to "Vacuum," the Health Ministry said it did not "recommend or try to encourage the use of Depo Provera, and that if these injections were used it was against our position. The Health Ministry provides individual family counseling in the framework of its well baby clincs and this advice is also provided by the physicians of the health maintenance organizations."

Die Thematik sollte man weiter verfolgen - entweder um das ganze Ausmaß ans Licht zu bringen, oder aber - falls Recherchefehler seitens Vacuum vorliegen - damit der ungeheure Vorwurf angemessen entkräftet werden kann.

Ja, es gibt Formen von Rassismus in Israel. Aber das im Bericht genannte hätte eine neue Qualität. Die momentan vorliegenden Darstellungen sehe ich vorsichtshalber als Zwischenstand an, der sich so oder so entwickeln kann.

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Ehemaliger Nutzer 29.01.2013 | 17:51

@Georg von Grote

Schauen Sie, würden Sie Ihre Sudeleien nicht so hastig in die Tasten hauen, senkte dies sicher wirksam Ihre Fehlerquote. :-)

Aber im Ernst: Lieber Herr von Grote: Was meinen Sie denn selbst, was und überhaupt ob man Ihnen seriös antworten kann, wenn Sie - einmal mehr - in Ihrem Hetzer-Duktus verharren und nun Herrn Feroz und indirekt meine Wenigkeit eines "modernistischen Stürmer-Stils" bezichtigen, den er pflege und ich einen solchen goutiere? Wirklich im Ernst: Was bitte? Abgesehen davon, dass dies eine klare Unverschämtheit ist, zeigen Sie damit, dass Sie von der journalistischen Agitation der "Herrenmenschen" nichts, aber auch gar nichts begriffen haben. Deswegen auch immer Ihr so auffallend leichtfertiger Umgang mit solchen Begriffshämmern wie Hetzer und hier Stürmer-Stil. Merken Sie nicht, wie Sie sich damit nur selbst diskreditieren?

Was mir schließlich gänzlich unverständlich ist ist, dass es immer wieder Typen (Sie betont inklusive) gibt, die sich einzig und allein zum Zwecke der - in Ihrem

Fall immer stereotypen - Verunglimpfung auf die Artikel von Feroz stürzen? Haben Sie zuviel Zeit? Mir jedenfalls ist es völlig fremd, in Artikeln zu kommentieren, deren Autor und Inhalt ich so leidenschaftlich ablehnen würde wie Sie Herrn Feroz bzw. dessen Stürmer-Stil. Wo ist der Mehrwert - außer eines seltsamen Gefühls der Befriedigung, das Sie damit offensichtlich für sich generieren? Am End' fassen Sie sich noch in den Schritt, wenn Sie mal wieder Ihre Tiraden gegen Herrn Feroz abgeschickt haben... Diese wenig appetitliche Imagination ist selbstverständlich nur konjunktivisch gemeint!

Nein, würden Sie wirklich Substanzielles hervorbringen und sich die Mühe machen, Herrn Feroz' Artikel nach Chirurgenart zu zerlegen, ihm das Gegenteil seiner Behauptungen nachweisen oder zumindest klare, objektive Kritik liefern zur Bereicherung aller, dann würde ich Ihnen Respekt zollen, auch wenn ich anderer Auffassung als Sie wäre. Aber als bloßer dröger Dauernörgler und Schmutzfink mit aggressivem Vokabular, nee Grote, da bleibt jeder Respekt auf der Strecke.

Zum Schluss aber noch was Erfreuliches für Sie, ich bin ja schließlich kein Unmensch: Ich stelle mit diesem Kommentar alle weiteren liebevollen Zuwendungen an Sie ein, da mir Ihre Obsession einfach zu anstrengend ist. Tschüssi.

abumidian 25.02.2013 | 18:47

Nicht nur Aethiopier sind vom Rassismus betroffen. In einer gewaltgepraegten Gesellschaft ist dies ein Mittel, "sich ein bisschen locker zu machen". Während einer Aufführung des Stückes "Ghetto" von Joshua Sobol in Tel-Aviv am israelischen Shoah-Gedenktag, an der vor allem Jugendliche aus vier verschiedenen Schulen teilnahmen, produzierten diese einen Tumult sondergleichen, dessen Höhepunkt kam, als ein Kapo einen Ghettobewohner schwerstens misshandelte, und ein paar Jugendliche ihn anfeuerten: "Gut so!" "Gibs ihm!"

http://abumidian.wordpress.com/deutsch/haimhanegbi/die-banalitat-des-bosen/