Syrien und Bahrain - Ein Vergleich

Nahost Guter Diktator - Böser Diktator
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Der blutige Stellvertreterkrieg in Syrien tobt unaufhaltsam weiter. Das mediale Interesse gilt weiterhin dem Assad-Regime sowie den Kämpfern der „Freien Syrischen Armee“. Währenddessen gibt es Aufstände im absolutistischen Bahrain, die blutig niedergeschlagen werden. Allerdings hört man nicht viel darüber. Kein Wunder, denn der dortige Tyrann König Hamad al-Khalifa ist ein wichtiger Verbündeter des Westens.

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Syrien und Bahrain sind sich auf den ersten Blick nicht unähnlich. Beide Staaten sind arabisch und werden von Diktatoren geführt. Der eine diktiert mehr, der andere vielleicht etwas weniger. Dennoch wird ein Land mit Sanktionen und Krieg überschüttet, während das andere Land noch weit von derartigen Ereignissen entfernt ist. Warum ist das so?

Mehreren Berichten zufolge wird Syriens Präsident Baschar al-Assad von der Mehrheit der syrischen Bevölkerung immer noch unterstützt. Dies stellte der englische „Guardian“ schon vor einem Jahr fest. Auch der russische Außenminister Sergei Lavrov schloss sich im Oktober vergangenen Jahres dieser Meinung an und fügte ein weiteres Mal hinzu, dass Baschar al-Assad für die geopolitischen Interessen anderer ausgenutzt werde. Währenddessen ist der Großteil der nicht-syrischen Araber der Meinung, dass al-Assad seinen Posten aufgeben sollte. Um diese Theorien zu begründen, braucht es jedoch eine handfeste, seriöse Umfrage innerhalb der syrischen Gesellschaft. Allerdings liegt es auf der Hand, dass dies aufgrund der gegenwärtigen Umstände, es herrscht Krieg, nicht passieren kann.

Währenddessen sind die Zustände in Bahrain nicht derartig unklar. Hamad al-Khalifa wird von den bahrainischen Schiiten, die die eindeutige Mehrheit im Land darstellen, abgelehnt. Dies hat vor allem damit zu tun, dass al-Khalifa und seine Sippe den Schiiten ihre Rechte nicht einräumen möchten und bei Demonstrationen gewaltsam gegen diese vorgehen. Es mag sein, dass viele Menschen dies auch bei Baschar al-Assad denken. Oftmals wird der Eindruck erweckt, dass die alawitische Minderheit um den Assad-Clan hauptsächlich die sunnitische Mehrheit Syriens unterdrückt. Allerdings muss man diesbezüglich beachten, dass wichtige Amtsträger des Assad-Regimes Sunniten sind. Abgesehen davon ist al-Assads Ehefrau, Asma, ebenfalls eine gebürtige Sunnitin. Hafez al-Assad, der Vorgänger und Vater Baschars, soll schon in den 70er-Jahren mit seiner gesamten Familie zum sunnitischen Islam übergetretensein. Dass dies höchstwahrscheinlich nur aus formellen Gründen geschah, ist nicht zu bezweifeln und unter arabischen Diktatoren geläufig. Einst trat auch Saddam Hussein pro forma zum Schiitentum über, um die schiitische Mehrheit des Iraks zu befriedigen.

Ein weiterer erwähnenswerter Punkt ist das Verhältnis der beiden Staaten zu anderen Ländern. In Bahrain liegen mehrere Stützpunkte der US-Armee, während in Syrien ein russischer Militärstützpunkt aus der Sowjetära zu finden ist. Al-Khalifa pflegt Kontakte zu anderen arabischen Despoten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Qatar, während Damaskus’ Hauptkontakte die libanesische Hisbollah-Miliz sowie das iranische Mullah-Regime sind.

Die Widerstandskräfte in Bahrain benutzen bis zum heutigen Tage keine schweren Waffen. Die Proteste begannen einst friedlich mit dem sogenannten arabischen Frühling, mittlerweile greifen Einzelne zu Molotov-Cocktails und Steinen. Währenddessen sind die Kämpfer in Syrien, die man mittlerweile als „syrische Opposition“ bezeichnet, bestens ausgerüstet. Mit diesen Waffen werden unter anderem auch syrische Zivilisten verletzt und getötet. Autobombenanschläge und Granatenangriffe sind zum Alltag geworden. Abgesehen davon befinden sich unter den Bewaffneten zahlreiche Fremde aus aller Herren Länder. Zum gleichen Zeitpunkt findet man in Bahrain ausschließlich lokale Aktivisten und Demonstranten.

Während Syrien mit Sanktionen überschüttet wurde und der Westen al-Assad verteufelte, gingen die Repressalien in Bahrain ungeachtet weiter. Prinz Nasser, der Sohn des Königs, war letzten Sommer in London zu den Olympischen Spielenzu Gast, obwohl britische Politiker ihren Unmut darüber äußerten. Kein Wunder, denn der Prinz höchstpersönlich soll die eigenen Sportler gefoltert und misshandelt haben. Obwohl der Sachverhalt eindeutig gegen den Prinzen sprach, wollte Großbritanniens Premier David Cameron nichts davon wissen und behauptete, dass die Vorwürfe nicht beweisbar seien. Berichten zufolge wurden in der Vergangenheit britische Waffen nach Bahrain geliefert. Bahrainische Menschenrechtsorganisationen übten scharfe Kritik an die Rolle Großbritanniens im Syrien-Konflikt aus und behaupteten, dass es heuchlerisch sei, Russland aufgrund der Aufrüstung der syrischen Armee zu kritisieren, während man selbst in Bahrain das Gleiche mache.

Mittlerweile tauchen immer wieder zahlreiche grausame Bilder aus Bahrain auf, die die Verbrechen des Khalifa-Regimes deutlich machen. Dennoch wird der Fokus weiterhin auf Syrien gerichtet bleiben. Bahrain ist ein Verbündeter des Westens, genauso wie die anderen arabisch-absolutistischen Königshäuser, die Öl liefern und vor allem in ihrer Funktion gegen den Iran eine wichtige Rolle spielen. Diese Tatsache wird meistens als billige Ausrede für die Umsetzung eigener Interessen verwendet, unter anderem auch von so manch deutschem Politiker. Deshalb wird über deren Verbrechen einfach hinweg gesehen. Sie sind eben die „guten Diktatoren“ und dürfen es auch weiterhin bleiben. Zum Leid der dortigen Bevölkerung.

12:28 15.02.2013
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