"Vom Kriegsverbrecher zum General"

Kunduz-Affäre Die Gerechtigkeit lässt auf sich warten.
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Bundeswehroberst Georg Klein, jener Mann, der 2009 für das Bombardement von Kunduz verantwortlich war, wurde nun offiziell zum Brigadegeneral befördert. Auf afghanischer Seite herrscht Empörung, während die deutsche Regierung ihre Ignoranz gegenüber den Opfern an den Tag bringt.

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NATO-Untersuchungsteam in Kunduz, 2009 (Quelle: dpa)

Als im Jahr 2009 nahe Kunduz im Norden Afghanistans zwei Tanklaster auf Befehl des deutschen Oberst Klein von amerikanischen Kampfjets bombardiert wurden, verloren 137 afghanische Zivilisten ihr Leben. Spätestens seit diesem schrecklichen Ereignis wurde klar, dass die Bundeswehr am Hindukusch nicht die deutsche Freiheit verteidigt, sondern direkt an Kriegshandlungen beteiligt und unter anderem auch für die Tötung von Zivilisten verantwortlich ist.

Die sogenannte „Kunduz-Affäre“ artete sich für die deutsche Bundeswehr zu einem Skandal aus. Klein rechtfertigte seinen Tötungsbefehl, indem er behauptete, die Tanklaster als potentielle Gefahr für deutsche Soldaten erkannt zu haben. Damals, am 04. September 2009, wurden zwei voll beladene Tanklastzüge von Taliban-Kämpfern entführt. Als sie in einem Flussbett festgefahren waren, näherten sich Zivilisten aus den umliegenden Dörfern, um Benzin anzuzapfen. Unter ihnen waren zahlreiche Kinder.

Klein hat damals schwerwiegende Fehler begangen, zu diesem Schluss ist auch die NATO nach einer ausführlichen Untersuchung des Luftangriffs gekommen. Unter anderem hat der deutsche Oberst dem amerikanischen Bomberpiloten gemeldet, dass sich ISAF-Truppen im Kampf mit dem Feind befinden würden. Klein fügte außerdem hinzu, dass sich bewaffnete Taliban-Kämpfer um die Tanklaster versammelt hätten. Beide Meldungen stellten sich als falsch heraus.

Nichtsdestotrotz wurde dieser Mann nun befördert. Das Verteidigungsministerium versuchte anscheinend, die Thematik nicht aufzubauschen. Die Beförderung Kleins konnte man in einer unauffälligen Meldung auf der dritten Seite des Bundeswehr-Zeitung aktuell entnehmen.

Auf afghanischer Seite herrscht Empörung. Der Anwalt, der die Opfer von Kunduz vertritt, der Deutsch-Afghane Karim Popal, kritisiert Kleins Beförderung scharf und spricht von einer Ohrfeige für die Hinterbliebenen. Diese haben mittlerweile teilweise in Kunduz von der Beförderung erfahren und sind erschüttert. Für jene, die ihre Verwandten damals verloren haben, ist es unverständlich, warum ein Kriegsverbrecher zum General befördert wird, anstatt bestraft zu werden.

Abgesehen davon beklagt sich Popal generell über die Bundeswehr und deren Umgang mit der „Kunduz-Affäre“. Der Rechtsanwalt ist sich anfangs durchaus bewusst gewesen, dass es alles andere als einfach ist, sich mit der deutschen Bundeswehr anzulegen. Dies wurde deutlich, als im Jahr 2010 gegen ihn eine Hetzkampagne seitens der deutschen Medien gestartet wurde. Damals wurde unter anderem behauptet, dass Karim Popal Kontakte zu Islamisten und Taliban in Afghanistan pflege und die Lage der Opfer ausnutze, um sich selbst zu bereichern. Die Behauptungen hatten weder Hand noch Fuß und stellten sich im Nachhinein als falsch heraus. Popals Ruf wurde trotzdem nachhaltig beschädigt.

Vor allem in Hinsicht auf die Entschädigungen verlangt der Anwalt der Hinterbliebenen mehr Gerechtigkeit. So findet Popal, dass die Zahlungen der Bundeswehr in Höhe von Fünftausend US-Dollar pro Familie bei weitem nicht ausreichend sind. Man muss hierbei bedenken, dass jede Familie, die beim Luftangriff Verwandte verlor, diesen Betrag erhielt. Egal ob man ein oder fünf Familienmitglieder verloren hatte. Des Weiteren wurden viele Opfer bis jetzt noch gar nicht entschädigt. Viele Zahlungen sind im Nirgendwo versickert.

Es war von Anfang an offensichtlich, dass die Bundeswehr die „Kunduz-Affäre“ so schnell wie möglich hinter sich bringen wollte. Zu sehr hat sie das Image Deutschlands in Afghanistan beschädigt. Die Beförderung Kleins hat nun bei vielen Afghanen eine weitere Narbe hinterlassen und lässt die Wut über die fremde Besatzung wachsen.

10:27 04.04.2013
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