Emre Celik

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RE: Das Los der Kofferkinder | 01.11.2011 | 18:07

Liebe Frau Wilhelm, ob es sich bei den "Kofferkindern" tatsächlich um einen blinden Fleck der Migrationshistographie handelt kann ich nicht beurteilen. Vermutlich haben Sie tatsächlich eine Lücke geschlossen, gleichwohl ich die publizistischen Aktivitäten rund um diesen Themenkomplex schon lange nicht mehr zu überblicken vermag. (Aber wer kann das schon?)

Was ich jedoch stark bezweifle ist, dass ich das Schicksal der zweiten Generation der soundsovieljährigen kennen muss, sprich ihr Buch lesen muss, sprich ihr Buch käuflich erwerben muss, um ernsthaft mitreden zu können - ohne Ihnen hier plump werberische Absichten unterstellen zu wollen. Natürlich verdankt sich der dies behauptende Einleser einer journalistisch gewollten Verkürzung, die den Zwecken des Spannungsaufbaus dient. Selten war die Diskrepanz zwischen Spannungsaufbau und -abfall jedoch so eklatant wie nach der Lektüre Ihres Artikels.

Abgesehen davon, dass es "das" Schicksal der zweiten Generation wohl kaum gibt, ist mir überhaupt nicht klargeworden, wie der Zusammenhang zwischen einer tieferen Einsicht in die Schicksale der speziellen Gruppe der "Kofferkinder" innerhalb der zweiten Generation - und auch hier gibt es vermutlich so heterogene und gar disparate Ausprägungen, dass ich gar nicht wüsste, wie man diese subsumieren sollte, ohne dramatisch an Substanz zu verlieren - den Diskurs über das Thema Migration befördern sollte. Natürlich, Traumatisierungen, Entfremdungen und "gefühlsmäßig nicht erfüllte(n) Erwartungen an die Eltern" sind schlimm und überdies auch kausale Faktoren für irgendwas, aber bitte für was denn?

VIelleicht darf ich Ihnen die Frage noch einmal andersherum stellen: Was genau disqualifiziert mich Ihrer Meinung nach ob meines Unwissens um die "Kofferkinder" für eine Teilhabe an einer Diskussion um die Geschichte der türkischen Migranten (wie im Einleser postuliert), bzw. - man bemerke die schleichende Elefantitis des eigentlichen Topos - einem Diskurs um das Thema Migration selbst (wie im letzten Satz Ihres Artikels).

Liebe Frau Wilhelm, für die Zukunft wünsche ich mir von Ihnen einfach mehr intellektuelles Fleisch - und ja, die Andeutung eines echten kausalen Zusammenhangs, nicht nur von irgendwas mit irgendwas, wäre nett gewesen! Für Ihr Buch wünsche ich Ihnen nur das Beste.