Die vergessenen Widerständler

S21 Vor 2 Jahren war Stuttgart 21 das Thema schlechthin. Doch schnell klang die medienbeachtete Protestwelle ab - übrig bleiben verzweifelte Gegner die weiter kämpfen.
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Winfried Kretschmann wird den 27. März 2011 wohl niemals in seinem Leben vergessen. An diesem historischen Tag wurde erstmals ein Politiker aus den Reihen von Bündnis 90/ Die Grünen Ministerpräsident und sein Name war Winfried Kretschmann. Für, den davor fast undenkbaren Fakt, dass ein Grüner ein Land regiert, sorgten vor allem 2 wichtige Ereignisse. Natürlich zeichnete sich in den letzten Jahren eine Bewegung hin zu den Grünen und eine Stärkung dieser Partei, mit einigen Auf- und Abs ab, aber einen Ministerpräsidenten konnte die Partei nur durch die Schockstimmen der, doch sehr bürgerlichen Wähler, in Baden-Württemberg durch das Reaktorunglück in Fukushima und das Einschreiten der Polizei bei Stuttgart 21 und dem insgesamten Projekt Tiefbahnhof erreichen. In einem interessanten Gespräch vergangene Woche mit einer S21-Gegnerin die seit ungefähr 1990 gegen das Projekt kämpfte erfuhr ich, wie beflügelt sie war als die Grünen dieses super Wahlergebnis erreichten und die Hoffnung, dass Projekt S21 zu stoppen, doch noch in greifbahre Nähe rückte durch die deutliche Ablehnung der Grünen gegen S21. Doch nach knapp 2,5 Jahren Grüner Regierungszeit macht sich Ernüchterung in der Parkschützerin und harrschen Gegnerin breit über das handeln der regierenden, machtinhabenden Grünen. Und auch sonst sieht es eher schlecht für die Ziele der Projektgegner aus. Ein Ausstieg ist in noch weitere Ferne gerückt, doch ich habe den Eindruck, dass die Projektgegner dies einfach nicht einsehen und auch ehrliche und sicherlich ungefälschte Abstimmungen nicht akzeptieren.

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Entscheid der Bürger wird als Propaganda und Volksverdummung Abgetan

So kam ich recht schnell mit der Frau auf die stattgefundene Abstimmung zu sprechen, die vor knapp 2 Jahren stattgefunden hat und in der es um die weitergehende Mitfinanzierung des Landes beim Projekt S21 ging. Die Bürger stimmten in deutliche Mehrzahl dafür, doch die Frau mit der ich spreche argumentiert dagegen die Abstimmungsfrage sei zu kompliziert gestellt und verdreht. Diese Aussage ist halb richtig, denn natürlich konnte nicht einfach gefragt werden: Möchten sie S21 - Ja oder Nein?, aber meiner Meinung nach war die Fragestellung für jeden noch nachdem er sich informiert hat zu beantworten. Somit ist dieser Kritikpunkt schon widerlegt und erweist sich als reine Ausredensuche. Außerdem setzen sich die Gegner durch die Behauptung, diese Abstimmung sei nicht konform, offen gegen die die Demokratie, indem sie die Entscheidung des Vokes herabwürdigen.

"Ihr seid mediengläubig"

Des Weiteren wird die hohe Zustimmung der Bürger beim Entscheid, von der älteren Frau so erklärt, dass die Medien durch Parteilichkeit und Lobbyistische Einflüsse das Meinungsbild geprägt hätten. Dazu muss man sagen, dass es heutzutage in fast jedem Fall Beeinflussungen der Medien gibt. Die meisten Zeitungen sind schon lang nicht mehr unabhängig, doch das wissen auch weite Teile der Bürgerschaft und in einer recht aufgeklärten Gesellschaft kann sich auch jeder selber seine Meinung bilden. Außerdem gab es zu S21 auch kritische Stimmen. Und dem Meinungsbild der Gegner kann man entgegensetzen, dass sie auf ihren Informationsbroschüren auch nur Nachteile nennen und überhaupt nicht auf die doch sicher vielen real existierenden Vorteile eingehen.

Alles in allem erwiesen sich die Gegnerinnen als höflich, aber zu forsch. Gegenargumente die ihrer Meinung widersprachen, akzeptierten sie nicht. Nach circa 20 Minuten war ich mit meinem Vokabular am Ende, denn Gegenargumente meinerseits prallten auf eine Wand. Ich verabschiedete mich, bedankte mich für die anregende Diskussion und wünschte der Dame weiterhin viel Freude bei dem Versuch Leute von ihrer Meinung zu überzeugen.

22:45 30.12.2013
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Geschrieben von

enfantteRRible

Zu frühe Urteile sind Vorurteile, aus denen der Irrtum emporsteigt wie der Nebel aus dem Meere.
enfantteRRible

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