Totgeglaubt doch auferstanden ?

Die SPD und Gabriel Einige Monate, wenn nicht Jahre, war im Lager der Sozialdemokraten keine Euphorie mehr zu spüren. Doch die neue Große Koalition ist ein ungeahnter Hoffnungsschimmer.
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Wer hätte das gedacht ? Sigmar Gabriel tritt in die Fußstapfen von Willy Brandt. Nicht in seiner Funktion als Kanzler. Nein, noch wichtiger: Er vollfüllt sein Credo.

"Mehr Demokratie wagen!"

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Durch den Mitgliederentscheid ist Gabriel ein Glücksgriff geglückt, den er mit einem glücklichen Händchen gemeistert hat. Zugegeben die Situation nach der Wahl war aussichtslos und frustrierend. Selbst aus der Opposition heraus konnte die SPD ihr Ergebnis kaum verbessern im Vergleich zum Schicksalsschlag 2009. Die Partei war bedeutungslos. Ihr Einstiges Alleinstellungsmerkmal die Sozialdemokratie wurde von den anderen Parteien übernommen oder von den eigenen Leuten nicht mehr genügend dem Wähler vermittelt worden. Die FDP hat den Neoliberalismus, die Grünen die Ökologie, die Linken den demokratischen Sozialismus und die CDU Merkel. Doch was war das Merkmal der SPD ? Also war Gabriel überzeugt es musste ein neues Leitmotiv gefunden werden. Und auf der Suche nach etwas Neuem stieß er schließlich auf einen alten, eingestaubten Spruch des bei der Basis so beliebten "Willys". Gabriel wusste, dass er mit einem Alleingang keine Chance gehabt hätte, die Mitglieder waren so entrüstet und enttäuscht, außerdem war das Spitzenpersonal zutiefst zerstritten. Somit entwickelte er den Plan des Mitgliederentscheids - vermutlich schon lang vor der Wahl

100 Prozent Risiko - 100 Prozent Gabriel

Denn Sigmar Gabriel ist trotz seiner früher oft schon tollpatschig anmutenden Art kein Dummerchen. Im Inneren kalkuliert und brütet er über jeden kleinsten Schritt aufs eloquenteste. Und Gabriel erkannte, dass seine Zeit gekommen war, nur musste er einen ganz anderen Weg gehen als er erhofft hatte. Sigmar Gabriel ist in seinem Herzen sicher ein überzeugter Sozialdemokrat, doch hat er sich in den letzten Jahren nicht als Fan von Volksabstimmungen, bezweifelnd übermäßiger Basisdemokratie präferiert. Aber Gabriel ist ein abwegender Mensch, er beurteilt seine Aktionen streng nach dem Einsatz-Nutzen Prinzip.

Gewinnen gegen die thematisch unschlagbare CDU

Somit analysierte Gabriel auch die Aussichten auf einen Sieg bei der nächsten Wahl 2017 mit der Ausgangslage Große Koalition für die SPD. Und er kam richtigerweise zu dem Ergebnis, dass die Chancen für einen Wahlsieg verheerend sind, da die überstarke CDU alle Regierungserfolge für sich beanspruchen wird und dies auch glaubhaft vermitteln wird. Somit bestand für die SPD auf thematischer, inhaltlicher Ebene kein Punkt um die CDU in den nächsten Jahren auf irgendeiner Ebene niederzuringen. Doch es gab einen wunden Punkt an der CDU, nämlich die fehlende innerparteiliche Demokratie und Basisbeteiligung. Das könnte die SPD anders machen und vorleben wie eine lebendige Demokratie aussieht. So setzte Gabriel alles auf eine Karte und entschied sich volles Risiko zu gehen. Er fragte die alten, verdattelten Genossen, die gar nicht glauben konnte was da geschieht und deren Augen funkelten wenn sie von der Mitgliederabstimmung hörten, die sie doch so an die Sätze von Willy Brandt erinnerten. Die Einbeziehung der Basis stieß ein wie eine Bombe. Die Zustimmung von knapp 75 Prozent ist höher als die meisten gedacht haben, wenn sie so den Medienberichten folgen. Mit Anfang der jetztigen Koaltion hat die SPD immerhin einen Vorteil gegenüber der CDU - sie ist ein Koaltionspartner der von mehr als 300.000 Leuten so gewollt ist. Wenn Gabriel so schlau ist und den Kurs der stärkeren Basiseinbeziehung fortsetzt könnten die Auswirkungen bald weitaus über die Grenzen der Partei verlaufen. In Zeiten der Politikverdrossenheit könnte sich ein neues Lauffeuer der direkten Demokratie ausbreiten. Wenn Gabriel allerdings von seinem Weg abweicht und meint durch eine einmalige Basisbefragung die Mitglieder besänftigt zu haben sieht es ganz schlecht für die Sozialdemokraten aus. Dann hilft auch kein zitieren mehr von verstorbenen Helden der Sozialdemokratie. Was zählt ist das Vorleben dieser Aussagen im Hier und Jetzt.

21:27 15.12.2013
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Geschrieben von

enfantteRRible

Zu frühe Urteile sind Vorurteile, aus denen der Irrtum emporsteigt wie der Nebel aus dem Meere.
enfantteRRible

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