Alles Schrott

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Jetzt ist es also verlängert worden, das allgemeine Abwracken. Ach was, nein – natürlich nur das sinnlose Verschrotten von an sich durchaus noch funktionsfähigen, lediglich etwas in die Jahre gekommenen Kraftfahrzeugen. Was soll’s, es gibt Schlimmeres. 2009 wird zwar als das Jahr des japanischen Kleinwagens in die deutsche Geschichte eingehen. Aber eigentlich ist doch egal, ob so oder anders, dieses oder jenes. Ob Milchsee, Fleischberg oder eben Autos, diesmal. Hedgefonds, nicht zu vergessen. Obwohl es sich damit möglicherweise doch ein klein wenig anders verhält, könnte ich mir denken. Abgeschrieben ist da sicher noch lange nichts. Oder gar abgewrackt, so bedauerlich das auch sein mag, für den einen oder die andere. Beängstigend, wenn man es genau betrachtet. Doch lassen wir das, das steht auf einem anderen Blatt und wird mir im Großen und Ganzen auf ewig ein Rätsel bleiben.

Alles andere dagegen ist einfach, nahezu simpel. Grundsätzlich funktioniert die Welt ja auch ohne Finanzen. Und die dafür notwendigen Faktoren begreife ich seit jeher, genau die sind es schließlich, die jetzt die Grundlagen des Abwrackens bilden: 1. Leben ist Müll. Und 2. Alles neu, macht der Mai. Leben wächst nach, solange noch Leben ist. Das ist verflixt immer wieder dasselbe, und darauf ist Verlass wie sonst auf nichts.

Bis Mai ist es einstweilen nicht mehr weit, das lässt sich also sicher irgendwie schaffen. Mit ein bisschen Glück reicht es sogar bis in den Herbst, und das wäre wirklich gut, wie wir alle wissen. Es gibt Hoffnung. Das hat uns Herrn Köhler doch jüngst erst so hübsch gepredigt. Scheitern als Chance, oder wie hat er das formuliert? Nun ja, er muss es ja wissen, auch das mit den Finanzen. Besser als ich zumindest, wenn ich mir da nur meine Bilanzen ansehe. Die hinterlassen, wie immer, ein eher trübes Gefühl. Aber Frau Merkel wird ohne Zweifel auch bald von der Hoffnung sprechen, die wir alle, wir Deutschen. Wenn sie nicht längst schon damit angefangen, immer und überall, als wäre schon Mai. Oder gar September.

Ich finde das gut, egal was. Einfach alles, im Moment. Aber ganz besonders dieses Wort, dieses eine: Abwracken! Das passt einfach, wie die Faust und das Auge. Ein kleines bisschen klingt es zwar wie abkacken, zugegeben. Aber wen stört das schon? Mich nicht. Ist das überhaupt schon jemandem aufgefallen? Diese zwei kleinen Buchstaben, darauf kommt es nun wirklich nicht an. Ich bin absolut einverstanden. Mit allem.

Also los, wracken wir ab. Alles, nicht nur die Autos, denn das reicht nicht, niemals. Es braucht mehr als das. Das ist größer, viel größer. Das muss zu Ende gedacht werden, im Grunde ist das Abwracken an sich ein globales Projekt. In die Presse mit dem ganzen Schrott, so sehe ich das zumindest. Verwandeln wir doch einfach alles in solide Müllquader, die ganze Welt ist Stapelware, und lagern sie aus. Damit wäre ein Anfang gemacht, immerhin. Und alles Weitere ergibt sich dann schon, ganz von allein. Da bin ich sicher. So sicher wie das plötzliche Amen des Herrn Köhler.

19:23 27.03.2009
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Geschrieben von

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Susanne Englmayer - Autorin, Übersetzerin, Journalistin
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