Schieß doch!

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Es gibt da eine Geschichte, die hat mir vor Jahren mal eine Freundin erzählt. Ich weiß nicht mehr, woher sie die hatte, aus einer Zeitung vielleicht. Möglicherweise ist es aber auch nur eine dieser Urban Legends, keine Ahnung.

Da ist also diese Familie. Vater, Mutter und zwei Söhne. Dazu ein großes Haus, drei Autos und eine Menge Knarren. Wir befinden uns in Amerika, dem Land, in dem alles möglich ist. Es ist also alles in bester Ordnung.

Dann geschieht die Katastrophe. Der älteste Sohn schießt sich mit einer Waffe, die ihm der Vater zum Geburtstag geschenkt hat, den halben Kopf weg. Im Keller passiert das, wo der Junge ganz allein ist, seltsamerweise. Da unten ist er sonst nie.

Ein Unfall, heißt es bald darauf, wie so oft. Beim Reinigen der Waffe. Mitten ins Gesicht. Das ist schrecklich genug. Alles andere wäre unfaßbar.

Elf Monate später hat der zweite Sohn Geburtstag. Der Vater zögert nicht, und schenkt auch ihm eine Waffe. So gehört sich das schließlich. Man muß gerecht sein mit seinen Kindern, ganz besonders mit den Söhnen. Jungs erwarten das.

Die Waffe ist übrigens dieselbe, die der Vater zuvor bereits dem ersten Sohn gegeben hatte. Und die dieser nun ja nicht mehr braucht. Warum auch nicht, es handelt sich schließlich um ein schönes Stück. Das an sich ja völlig intakt ist.

So ist es wohl. Es ist der Gedanke, der tötet. Die Idee.

15:37 13.03.2009
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Geschrieben von

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Susanne Englmayer - Autorin, Übersetzerin, Journalistin
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