Zur Geschichte der Diskriminierung - Teil 2

Türkische Diaspora: In Vorarlberger Gemeinden sollen laut Angaben die Diskriminierung der Türken intensiver und beständiger in den bewährten Formen auftreten.
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- Teil 2 -

Die Geschichte von der Diskriminierung der Türken in Österreich, damals und heute.
Laut empirischen Erfahrungen waren die heutigen direkten Diskriminierungsansätze in ihrer weitläufigen Allgemeinheit in den ersten Jahren der Gastarbeit nicht vorhanden! Mit Händen und Füßen beim Einkauf sich auszudrücken, z.B. für Milch und Eier wurden eher amüsant aufgefasst und von den Anrainern nicht diskriminiert. Beim Einkauf wurde ihnen geholfen‎, und nicht ihre Unterschiedlichkeit abwertend gegenüber sich selbst und anderen negativ hervorgehoben. Zumal die türkischen Gastarbeiter in der Zeit von 1964-75 als sehr willkommen geheißen wurden, war die Bevölkerung sehr neugierig auf die Nachfahren der Osmanen, und das, trotz Österreich zwei mal in der kriegerischen Geschichte die Türken als eine zerstörerische Bedrohung (1529, 1683) erfahren mussten, folgte nach mehreren Friedensverträgen zwischen dem Habsburgerreich und dem Osmanischen Reich ab der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts von der Türkei nach Österreich die Gastarbeiterwelle.

Diese sind:
  • 1533, Friedensvertrag (Zápolya Waffenstillstand).
  • 1538, Weiterer Friedensvertrag mit Zápolya.
  • 1606, Frieden Zsitvatorok.
  • 1663, Frieden angestrebt aber misslungen.
  • 1664, Frieden von Eisenburg.
  • 1699, Friedensvertrag Karlowitz.
  • 1718, Friedensvertrag Passarowitz.
  • 1739, Friedensvertrag Belgrad.
  • 1783, Friede "Sewastopol" mit Russland. Österreich inbegriffen in diesen.
  • 1791, Frieden von Sistowa.
  • 1792, Nahm Österreich Abstand gegen das Osmanische Reich zu kriegen.
  • 1914-18 Erster Weltkrieg, Allianz der Mittelmächte mit dem Osmanischen Reich
  • 1918, Friedensvertrag Brest-Litowsk zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn, dem Osmanischen Reich und Sowjetrussland.
1964, zur Ankunft der ersten Gastarbeiter-Türken
Mit der ersten Gastarbeiterwelle, waren die Österreicher sehr aufgeschlossen und aufmerksam auf die Nachfahren dieser Bedrohung, die aber nun mit ganz gegenteiligen Absichten das Land betraten. Mit dem Anwerbeabkommen vom 15. Mai 1964, das sich auf das Raab-Olah Abkommen von 1961 stützt, zeigte sich die bilaterale politische Bereitschaft der Türken für dieses Land. Und zwar, zur Stärkung der wirtschaftlichen Leistung beizutragen, und da dabei auch eine Win-Win Situation zu schaffen, woraus jeder profitieren sollte. Die Gastarbeiter sollten höhere Löhne als in der Türkei erwarten, und Österreich sollte mit billigeren Arbeitskräften als zuvor versorgt werden. Da 20 bis 30 Jahre zuvor die Zwangsarbeiter vom Nazi-Regime als "Fremdarbeiter" bezeichnet wurden, distanzierte sich Österreich von dieser Erstbezeichnung für die angeworbenen Türken mit dem Wort "Gastarbeiter".
1974, Die ersten 1o Jahre der Gastarbeit
Sie wurden von dort abgeholt, wo sie sich befanden. Die Neulinge genossen menschliche Behandlung in ihrer Hilfsbedürftigkeit. Diese Geschichten der Neuankömmlinge über die ersten 10 Jahre, ist zwar für jedes türkische Kind über die Erzählung dieser älteren Generation eine sehr amüsante, aber keine nachvollziehbare. Denn die Welt des Zusammenlebens hat sich dynamisch verändert. Die Kinder der Erstgeneration (der Ankömmlinge 1964-75), definiert als die zweite Generation, sind seit ihrer Geburt in Österreich im Gegensatz zu ihren Eltern mit ständigen Diskriminierungen ‎aufgewachsen. Die Eltern erfuhren Diskriminierung erst nach 10 Jahren. Die Kinder kannten seit ihrer Geburt nichts anderes. Die Diskriminierung verankerte sich langsam in das Wesen des Aufwachsens eines Gastarbeiter-Kindes in Österreich. Alle mussten ab diesem Zeitpunkt daran glauben, nun auch die Eltern. Das besondere Merkmal der Diskriminierung in Österreich ist, dass die Wahrnehmung, der beinahe aller türkischen Zeitzeugen, den Beginn dafür mit 1974, 1975 datieren möchten.
1973, 1979, Durch die Öl-Krisen gerüttelt
Im Grunde folgen Diskriminierungen vorherrschenden Krisen. Die Ölkrise von 1973 und 1979 trafen die deutsche und österreichische Industrie merklich. Sparmaßnahmen mussten folgen. Soziale Umfelder in der Abhängigkeit zur Industrie und zu Produktionsstättenwaren davon stark betroffen. In diesen sozialen Umfeldern konzentrierte sich die türkische Ethnie. Türken und Jugoslawen waren einfache Befehlsempfänger. Sie vergaben keine Arbeit, sie nahmen Arbeit an. Sie setzten keine Maßstäbe, sie folgten Maßstäben. Auch im sozialen Umfeld. Sie waren ständig abhängig im fremden Land. Abhängig von Ressourcen, mit diesen sie ihr Leben gewährleisten mussten. In gerüttelten Krisenzeiten werden Arbeiter, welche im sozialen Gefüge einen niedrigen Rang einnehmen, für den Menschen typisch, entsprochen einer sozialen Hierarchie, strenger behandelt.
Paternalismus und Anerkennung
Das menschliche Bedürfnis um eine bessere Stellung im sozialen Gefüge wird stärker ausgelebt. Hierbei hat der Gastarbeiter den Österreicher nicht wirklich als eine Konkurrenz in der Arbeitswelt wahrgenommen, sondern als die Quelle seiner (potentiellen) Ressourcen. Aufgrund dessen das vorwiegende Hauptinteresse einer Person, der sich in den Dienst des anderen stellt, in der Verhaltenspsychologie prior darauf stützt, sich mit der Quelle der Existenzgrundlage gutzustellen, damit die Absicht gute Voraussetzungen für den erforderlichen Fortbestand der Beziehung zur Quelle, zu bedingen, erfüllt sein kann. Eine Grundhaltung in sozialen und politischen Gefügen, das mit der Knappheit der vorhandenen Ressourcen über einhergeht. Eine Schieflage in der Beziehung zwischen dem Österreicher und dem Türken, die eigentlich zu korrigieren gilt. Die Hierarchische Beziehung zueinander sollte sich in den nächsten vierzig Jahren nur einer marginalen Veränderung unterzogen haben, sodass es 2015 noch immer ein gesellschaftliches Bedürfnis bleiben sollte. Diese Verhaltenspsychologie ist nicht verschwunden. Sie hat sich lediglich in ihrem Format geändert. Aufgrund der angenommenen paternalistischen Rolle des Türken in der Gastarbeit, entstand eine einfache vormundschaftliche Beziehung. Der, sich in den Dienst des Österreichers stellende Türke wird von Gast zu beherrschten Person. Weil er in seiner sozio-politischen Rolle des Gastarbeiters sehr abhängig war, und nur schwer zugängliche bzw. gar keine Alternativen hatte, ließ er das auch zu. Der sozio-ökonomisch Schwächere ließ auf Kosten der Existenzerhaltung über sich walten.
Die Dynamik eines unerwünschten Herrschaftssystems
Mit dem Paternalismus wurde der Wettlauf um die persönliche Anerkennung, abhängiger Gastarbeiter, geboren. Denn nur mit der erfüllten persönlichen Anerkennung, konnte der erstrebte Erfolg zur Erhaltung der Arbeitsstätte einhergehen. Kein leichtes Unterfangen, wenn auch die zugezogene Familie samt den Kindern nur in die Hände des Familienvaters schaut. Für das Wohl seiner Familie beugten sich Alleinverdiener auch gegenüber Diskriminierungen, das damit automatisch folgte. Für den Erhalt der heiß begehrten Arbeitsstätte, mussten schwere psychische Depressionen ertragen werden. Es entstand eine neue Kultur in Österreich um den Begriff der Gastarbeit, die die betroffenen Menschen so vereinnahm. Auch der Wettbewerb, den es anfänglich unter den türkischen Gastarbeitern gar nicht gab, auf dieses Phänomen zurückzuführen ist, und somit begründet werden kann und deswegen sehr hoch ist. Sie wurde sowohl von den Arbeitgebern, kausal bedingt auch von den Gastarbeitern selbst sehr hoch gehalten. Eine Grundhaltung, die in sozialen und politischen Gefügen, mit der Knappheit der vorhandenen Ressourcen über einhergeht; und das kommunale Bruttoinlandsglück auf individuell unterschiedliche Teile dividiert und somit als Ganzes schwächt. In und mit dieser Dynamik ein ungewolltes Herrschaftssystem sich rasant bildete. In der Folge werden in solchen Systemen auch die Begründungen für den Anfang bestimmt ausgelegter Diskriminierungsansätze auffindbar. Eben diese Schwachstellen in ihrer Kehrprobe sowohl als Resultat, als auch die Ursache festgehalten werden können.
Die Vormundschaft der Österreicher gegenüber dem türkischen Gastarbeiter
Das stellt eine unberechtigte Vormundschaft dar. Die Unberechtigung liegt darin, dass zur Vormundschaft von abhängigen Personen in einer Herrschaft, es zusätzlich noch die Fürsorge, den Schutz und die Haftung nach außen im Sinne des Bevormundeten braucht. (Vergleich: Beziehung Eltern-Kind). Doch weil die letzteren drei Werte eine ernste Verantwortlichkeit zu beanspruchen pflegen, weist gleichzeitig die Haltung des Herrschenden über den Gastarbeiter, wegen dieser schwierigen Stellung, hierzu eine tendenziell gewisse Distanz auf. Die Verhaltenspsychologie hält die Zahl der Personen, die sich gerne und freiwillig der fürsorglichen Verantwortung für andere unterziehen, für gering.

16:42 10.01.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ercan Karaduman

Politische Philosophie, Zivilisation, Kultur, European Studies, Alliance of Civilisations, Analyse strategisch politischer Entscheidungsgrundlagen.
Ercan Karaduman

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