Zur Geschichte der Diskriminierung - Teil 1

Türkische Diaspora: In Vorarlberger Gemeinden sollen laut Angaben die Diskriminierung der Türken intensiver und beständiger in den bewährten Formen auftreten.
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- Teil 1 -

Schützt die Großstadt-Anonymität gegen Diskriminierung? Vergleich: Wien und Vorarlberg

‎Um die, heute noch existente Diskriminierung der Türken verstehen zu wollen, ist das Verstehen der Entstehung und ihre historischen Entwicklung unabdingbar. Sie ist in unterschiedliche Bereiche und in aufeinanderfolgende Zeitfenster aufgeschlüsselt.

Seit ein paar Jahren klagten bei jedem Besuch in Vorarlberg die Ortsansässigen über unannehmbar rechtslastige Merkmale im öffentlichen Raum. Damit verbunden solle sich die rechtsorientierte politische Haltung des gelebten Rechtsrucks in Dornbirn, Hohenems in ihrer Deutlichkeit zeigen. Laut den Berichten der dortigen Bevölkerung zufolge - insbesondere der türkisch-muslimischen - stützte sich diese Minderheit in ihren Erläuterungen auf gelebte und detailliert nachvollziehbare Erfahrungen, welche zu Handlungen und Artikulationen im Zusammenleben in der selbigen Öffentlichkeit referenzierten.

Den Erzählungen zufolge, wird es unausweichlich, als Zuhörer ganz erstaunt darüber zu werden, welch Gedanken zu entwickeln, die das Gefühl vermittelten, als würde Vorarlberg im Vergleich zu Wien in der Geschichtsentwicklung der Diskriminierung 20 Jahre hinterherhinken. Welch vergangene Vorfälle aus der Mitte der 90'er Jahre, die in Wien in der Form nicht mehr existieren, dürften in Vorarlberg noch immer zum aktuellen Tagesgeschehen zählen?

Aber, Warum?

Fremdenfeindlichkeit seie in Vorarlberg offensichtlicher als in Wien, konstatierten aussagekräftige Wahrnehmungen türkischer Bürger in ihren persönlich individuell kumulativen Erlebnissen. Diese Behauptung suchte nun nach einer Vergleichsstudie. Betrachte man in der historischen Differenzierung die öffentliche Behandlung der ehemaligen Gastarbeiter und deren Generationsentwicklung im gleichen sozialen Raum, so konzentriert sich die Auffassung sowohl zeitversetzt als auch in unterschiedliche Wertungen seitens der österreichischen Bürger.

Ob der erste gedankliche Ansatz mit folgender Theorie die Vorarlberger Situation mit ihren Vorkommnissen zu der vermuteten Begründung führen möchte, welche durch die geographische Lage auf das -inner sich geschlossene- Leben der Bewohner sich konzentriert? Die angesprochene Versetztheit sowohl der Dörfer wie auch der Kleinstädte voneinander, sowie auch die darin und dazwischen vorhandene Infrastruktur als eine Kenngröße zur Mobilität, welche im Grunde mit ihrer technischen Entwicklung gleichzeitig auch für eine geschwindere soziale Entwicklung seit ihrer Entstehungsgeschichte der Menschheit steht, verleitet in ihrer Vorarlberger topographischen Einschränkung ebenso zu einem begründeten Erklärungsversuch, dieser in seiner Ausführung auch einen Vergleichsanker zur soziographischen Feldforschung in Marienthal/Gramatneusiedl darstellen möchte.

Womit hierbei die aufschlussreichen Ergebnisse der damaligen Marienthal-Forschung, beim Versuch, in der aktuellen Erklärungstheorie zur Frage, ob der bezeugt längere Bestand (Dauer/Erhaltung in der Gesellschaft) der unterschiedlich markanten Formate der Diskriminierung in eingeschlossenen Dörfern, wie in Vorarlberg, allgemein im Vergleich zu Großstädten einen Gedanken angeregen kann, ob hier zu den bereits festgehaltenen charakteristischen Verhaltensmuster der Bewohner des Marienthal, Parallelen zu Verhaltensmuster der Bewohner von Gemeinden in Vorarlberg gezogen werden können; und ob diese Theorie unterstützend wirken kann.

Hierzu wird erforderlich werden, die aktuellen Beschäftigungsmuster‎ und die politischen Beziehungen der Unternehmensphilosophie der Betriebe, in der Relation zur Soziographie im Augenmerk der topographischen Voraussetzungen näher zu betrachten.

Bei einem gesellschaftlichen Allgemeinzustand, wovon alle vor Ort gleichermaßen betroffen sind, oder sein könnten, werden welch ‎soziologisch klassische Verhaltensmuster unter Bewohnern aufweislich, diese in bestimmte Kategorien festhaltbar werden. Gesellschaftliche Allgemeinzustände können plötzlich auftreten und kurze Reaktionen auf sich ziehen und wieder verschwinden; oder aber auch sich langsam entwickeln und auf Langzeit das Wesen der Orte charakteristisch prägen. ‎

Das Wesen von Vorarlberg dürfte laut angewandter Vergleichstheorie bei der Bestrebung zur Aufschlüsselung der Diskriminierungsgeschichte einer lang andauernden und einer im Vergleich zu Wien ganz unterschiedlichen Diskriminierungscharakter ausgesetzt (gewesen) sein, der wiederum divergente charakterliche Prägungen der Bevölkerung mit sich bringt.

Als wissenschaftlich nachzuweisen gilt für diese Beobachtung, ob der Unterschied womöglich darin liegt, dass ‎präventive persönliche Ausweichmöglichkeiten in kleinen Ortschaften minimal sind, wie auch das nochmalige direkte Aufeinandertreffen des Diskriminierungstäters mit dem Opfer statistisch viel wahrscheinlicher vorkommt, als in Wien.

Von welchen Ausweichmöglichkeiten ist hier die Rede? In Großstädten, wie z.B. in Wien, besteht die Möglichkeit in der schützenden Anonymität der Großstadt unauffälliger für direkte Diskriminierung zu werden, somit die Person statisch auf die gleiche diskriminierende Person mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit addressierbar wird. Wobei es nicht ganz auszuschließen ist, aber die höher vorhandene Diversität in Wien, an die man sich kosmopolitisch nähert, die persönlicheren Angriffe eher reduziert, und die in diesem Status befindliche Gesellschaft, bereits durch ihr alleiniges Vorhandensein in der Form, wie auch durch ihre zueinander anonyme Vermischtheit der Personen, sie zu einer bestimmten Akzeptanz der ausländischen Gegebenheit für das Domizil zulässig macht. Denn auch die vielfache Multhiethnizität die negativ behaftete Haltung der Diskriminierung auf beiden Seiten in die vorwiegende Egalität konzentriert und lenkt.

‎Ob die Anonymität zueinander als eine ganz hilfreiche Schutzmöglichkeit entgegen der Diskriminierung, sozusagen als ein Wert, hervorgehoben werden kann? Aufgrund der verhältnismäßig hohen Anzahl der Bewohner Wiens, wird die Flucht in eine schützende Anonymität wahrscheinlicher, als im Vergleich zu Orten, in denen der Bekanntheitsgrad unter der Bevölkerung zueinander höher ist, und daher es beinahe keine schützende Fluchtmöglichkeit in die Anonymität gegeben sein kann. Das höher frequentiertere Aufeinandertreffen kann zu diskrimierenden Spannungen führen oder diese lösen. Jedoch ist in diesem Kontext das Aufeinandertreffen der Personen einer genauen Analyse zu unterziehen, um primär die Richtungsentwicklung für die erwähnte potentielle Spannungsladung oder -lösung zu einer Feststellung zu führen, worin dazu sekundär die Bestimmung der Zu- oder Abnahme, und die Form und die Entstehungsdynamik maßgebend werden.‎ ‎

Ende Teil 1‎

10:08 07.01.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ercan Karaduman

Politische Philosophie, Zivilisation, Kultur, European Studies, Alliance of Civilisations, Analyse strategisch politischer Entscheidungsgrundlagen.
Ercan Karaduman

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