Pimp my nazi

Angst Jonathan Littells "Die Wohlgesinnten" und Marcel Beyers "Kaltenburg" - zwei Geschichtsromane im Vergleich
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Sieh niemals einem SS-Mann direkt ins Gesicht." - Das bekommt als kleiner Junge der Ich-Erzähler von Marcel Beyers Roman Kaltenburg von seinen Eltern eingetrichtert. Der Ich-Erzähler in Jonathan Littells Die Wohlgesinnten hingegen ist selbst SS-Mann, am Ende Obersturmbannführer, dekoriert mit vielen Orden. Er begegnet Figuren wie Himmler, Heydrich, Bohrmann auf Augenhöhe. Wenn er sich im Spiegel betrachtet, dann geschieht ihm, dass er beinahe ohnmächtig wird, weil er seine Zwillingsschwester Una zu sehen glaubt. Er erkennt sich auch sonst nicht, wiewohl er nahezu 1.400 Seiten nichts tut als von sich zu schreiben.

Um so mehr sollen wir, die Leser, das möchte der Autor, der in Frankreich aufgewachsene Sohn eines amerikanischen Thriller-Autors jüdischer Herk