Angepisst nach Berlin

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Kanzlerin Merkel zieht in der Eurokrise immer mehr Entscheidungen an sich - und nach Berlin. Am Sonntag empfängt sie IWF-Chefin Lagarde, am Montag die EU-Präsidenten Barroso und Van Rompuy. Außerdem hält sie neuerdings Hof in Schloß Meseberg - zuletzt mit den Chefs aus Portugal, Schweden und Österreich. Weitere Treffen sind geplant - wird Berlin zur neuen EU-Kapitale?

Komisch, dass die Mainstream-Medien noch nicht darauf gekommen sind. Da jagt ein Treffen das andere - und niemand fragt, wozu die EU-Runden eigentlich gut sind und warum sie ausgerechnet in Berlin bzw. Brandenburg stattfinden müssen. Nicht einmal die Frage, warum die Meetings als informell deklariert werden und die Ergebnisse vertraulich bleiben, kommt den sonst so kritischen Berliner Journalisten über die Lippe.

Nicht nur Italiens Premier Monti hat mehr Hilfe aus Berlin gefordert. Auch Währungskommissar Rehn spricht sich in einemInterview mit der SZ für eine Aufstockung des ESM oder für die Einführung von Eurobonds aus.

Merkel steht also massiv unter Druck. Wenn Europa schon deutsch sprechen muss, dann soll Deutschland auch Europa helfen, so die Forderung ihrer Gäste. Würde sie geschlossen (und entschlossen) vorgetragen, käme es gar zu einer Abstimmung, könnten Merkel ganz schnell die Felle davonschwimmen. Denn die EU-Partner "sind ziemlich angepisst von Deutschland", wie es Ex-Außenminister Fischer recht undiplomatisch ausdrückte.

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16:18 20.01.2012
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Geschrieben von

EricB.

Seit 2004 verfolge ich Höhen und Tiefen der Europapolitik aus Brüssel. Zuvor war ich als Reporter in Paris und lernte die französische Sicht auf Europa und die Welt kennen.
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