Die Eurokrise und Merkels historische Schuld

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In Jahresrückblicken und Leitartikeln wird Bundeskanzlerin Merkels EU-Politik neuerdings als „historisch“ gefeiert. Sie habe nicht nur den Euro gerettet, sondern auch noch ein neues, besseres Europa geschaffen. Dabei hat Merkel die Lage in Wahrheit massiv verschärft und die EU gespalten. Damit hat sie mitten in der Schuldenkrise eine Schuld auf sich geladen, die man getrost „historisch“ nennen kann.

Zuletzt wurde es selbst der „Welt“ zu bunt. Was „Stern“-Chefredakteur H.-U. Jörges in der Sendung „Hart aber fair“ von sich gab, sei schon ein „tiefer Griff in die Pathos-Kiste“ gewesen. Mit den Beschlüssen beim letzten Euro-Gipfel sei Merkel „eine historische Kanzlerin geworden“, gab der einstige Merkel-Kritiker in der Fernsehshow zum besten. In seiner „Stern“-Kolumne legte Jörges noch einmal nach, es handelte sich also nicht um einen Ausrutscher.

Noch tiefer in die Klamottenkiste greift der Berliner Publizist A. Rinke. In der Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik preist er den Dezember-Gipfel, bei dem Großbritannien an den Rand gedrängt und eine einseitig aufs Sparen ausgelegte „Fiskalunion“ begründet wurde, als „Europäische Sternstunde“. Merkel und Frankreichs Staatschef Sarkozy hätten die „Grundlagen eines neuen Europas“ geschaffen und - natürlich - ganz nebenbei den Euro gerettet.

Die historische Realität sieht anders aus, wie ich hier erläutere: lostineurope.posterous.com/merkels-historische-schuld

15:59 30.12.2011
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Geschrieben von

EricB.

Seit 2004 verfolge ich Höhen und Tiefen der Europapolitik aus Brüssel. Zuvor war ich als Reporter in Paris und lernte die französische Sicht auf Europa und die Welt kennen.
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