Hollande und die drei ???

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Der sozialistische Präsidentschaftskandidat Hollande will sich im Falle seiner Wahl in Frankreich nicht um die "roten Linien" von Kanzlerin Merkel scheren. Er werde den Fiskalpakt neu verhandeln und auch die Rolle der EZB neu bewerten, kündigte Hollande im französischen Fernsehen an. Dies ist eine Steilvorlage für SPD-Chef Gabriel, der heute zu Gesprächen mit Hollande in Paris ist. Wenn auch noch EU-Parlamentschef Schulz (ebenfalls SPD) mitzieht, könnten die Sozis endlich einmal etwas bewirken...

Ohne einen Wachstumsplan für Europa werde er Merkels Fiskalpakt nicht ratifizieren, kündigte Hollande an. Außerdem müsse man über die EZB reden. Es könne nicht sein, dass diese Milliarden an die Banken verteilt, jedoch keine Staatsanleihen kaufen darf. Auf die Frage, ob er wisse, dass er damit eine "rote Linie" der Kanzlerin überschreite, antwortete Hollande selbstbewußt, Frau Merkel sei schließlich nicht allein in Europa (nachzulesen ist dies zum Beispiel hier).

Im Gegensatz zu Noch-Präsident Sarkozy will Hollande also nicht Merkels Schoßhündchen spielen. Bravo, l'artiste! Es wird höchste Zeit, der selbstgefälligen und kurzsichtigen Politik der Kanzlerin etwas entgegenzusetzen. Da die Präsidentschaftswahl schon im April beginnt und der Fiskalpakt in Deutschland und Frankreich wohl erst im Juni ratifiziert wird, könnten die Sozialdemokraten auf beiden Seiten des Rheins im Prinzip an einem Strang ziehen.

mehr auf http://lostineurope.posterous.com/die-drei

18:48 16.03.2012
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Geschrieben von

EricB.

Seit 2004 verfolge ich Höhen und Tiefen der Europapolitik aus Brüssel. Zuvor war ich als Reporter in Paris und lernte die französische Sicht auf Europa und die Welt kennen.
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