Riskantes Öl-Embargo gegen Iran

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Die EU bereitet ein umfassendes Öl-Embargo gegen Iran vor. Offiziell geht es nur darum, das umstrittene iranische Atomprogramm zu stoppen - der Dialog mit Teheran gehe so bald wie möglich weiter, heißt es in Brüssel. Doch in Wahrheit ist dies eine gefährliche Kehrtwende. Die EU riskiert eine Eskalation - und gefährdet die krisengeschüttelten Länder im Süden Europas.

Griechenland, Italien und Spanien importieren nämlich besonders viel Öl aus Iran. In Italien liegt der Anteil am Gesamtverbrauch bei 14 Prozent, in Griechenland noch höher, einige Quellen sprechen sogar von 50 Prozent. Die drei Südländer standen in den Vorgesprächen in Brüssel daher lange auf der Bremse und haben Bedingungen gestellt, die einen offiziellen EU-Beschluss weiter hinauszögern könnten.

Frankreich fordert jedoch rasches Handeln. "Am 30. Januar werden die Europäer hoffentlich ein Öl-Embargo verabschieden“, sagte Außenminister Juppé, der offenbar bereits Wahlkampf für Präsident Sarkozy macht. Dieses werde "den Iran schmerzen, denn er wird Schwierigkeiten haben, sein Öl anderweitig zu verkaufen". Die Lieferausfälle könnten von Saudi-Arabien ausgeglichen werden, versuchte er die Bedenken aus Südeuropa zu entkräften.

Allerdings sind die ausfallenden Lieferungen nicht das einzige Problem. Das Embargo dürfte auch den Ölpreis weiter in die Höhe treiben. Zwar gab er am Donnerstag leicht nach; wegen der Spannungen mit Iran war er in den letzten Tagen aber stark angestiegen. Ein hoher Ölpreis wäre Gift für die Konjunktur in Europa. Besonders anfällig sind wiederum die Südländer, da sie bereits in einer Rezession stecken.

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19:06 05.01.2012
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Geschrieben von

EricB.

Seit 2004 verfolge ich Höhen und Tiefen der Europapolitik aus Brüssel. Zuvor war ich als Reporter in Paris und lernte die französische Sicht auf Europa und die Welt kennen.
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