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Ich weiß, ich weiß, genug von Wulff und seiner Krise. Aber nein, es ist noch nicht genug, denn Wulff ist so ein gutes Beispiel für ein schlechtes Beispiel, dass es diesem Land zu raten ist, sich noch länger mit Wulff zu beschäftigen.
Er kriegt ab jetzt jährlich 200.000 Euro Ehrensold (also Rente!) für eine Arbeit, die man im richtigen Leben als „lausigen Job“ bezeichnen würde. Nun wirft man den Medien wieder „Hetze“ vor und „übles Nachtreten“, man solle doch nun mal die „Kirche im Dorf lassen“ und den Wulff „in Ruhe lassen“ usw. Eigentlich unverständlich! Leben wir nicht in einer Leistungsgesellschaft? Da, wo die Leistung zählt. Da, wo der, der sich anstrengt, belohnt wird und der, der sich nicht anstrengt, leer ausgeht? Und wenn man sich nicht anstrengt, soll man sich hinterher nicht beklagen. „Leistung muss sich wieder lohnen.“ zitiere ich. Haben wir das nicht verinnerlicht, ist es nicht das, woran wir glauben?
Die unausweichliche Konsequenz unserer Leistungsgesellschaft wird jetzt dadurch eingelöst, dass die Medien und die Menschen nicht verstehen wollen, wofür Wulff diese Rente kriegen soll. Wofür ist also die Frage. Und man findet keine Antwort. Das soll nicht heißen, dass er nichts geleistet hätte. Es heißt lediglich, dass keiner versteht, was er dafür geleistet hat, dass ihm nun eine so hohe Ehren-Rente zusteht. Wenn ich Rente höre, denke ich immer an Rente mit 67. Als Landtagsabgeordneter kriegt man Pension ab 57, als Ministerpräsident ab 60, als Bundespräsident steht Wulff nun das Ehrensold ab 52 zu. Ohne Abzüge wegen Frühverrentung und dergleichen. Das muss man erst einmal sacken lassen, als normaler Mensch, als Bürger, als Arbeitsloser, als Rentner, als Mitglied unserer Leistungsgesellschaft.
„Da ist sie wieder, die Neiddebatte!“ werden manche jetzt denken. Ich frage: „Welcher Neid?“ Ich würde Wulf noch mehr Geld geben, wenn ich nur wüsste, wofür. Keine Spur von Neid. Wulff und alle Politiker sollen richtig hohe Renten kriegen, selbst wenn sie zurücktreten, denn sonst bleiben schlechte Politiker aus Furcht vor Rentenarmut an ihren Ämtern hängen. Aber sind jene Gelder, die Wulff aus seinen vorherigen Ämtern zustehen, nicht auch schon hoch genug, zumindest dafür, was er geleistet hat? Auf jeden Fall sollen die Politiker ja gut bezahlt werden, sonst werden sie korrupt. Erstaunlich ist, dass sie es auch werden, wenn man sie so gut bezahlt.

22:58 06.03.2012
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Geschrieben von

Eric Wallis

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